Alba Waiblingen Darum brennt es in Recyclingbetrieben so häufig

Das Feuer bei Alba in Waiblingen hat die Einsatzkräfte viele Stunden lang gefordert – hier Feuerwehrleute bei den Nachlöscharbeiten. Foto: 7aktuell /Simon Adomat

Schon 2018 gab es bei Alba einen Großbrand – kurz darauf wurde ein Mitarbeiter verurteilt. Welche Vermutungen es diesmal zur Brandursache gibt und welche Auswirkungen das Feuer hat:

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Die Flammen sind aus, der Rauch hat sich gelegt – und nun beginnt die Suche nach Spuren und der Frage, wie nur vier Jahre nach dem ersten Großbrand das Waiblinger Entsorgungsunternehmen Alba erneut von einem verheerenden Feuer heimgesucht werden konnte. Was die Brandursache angeht, ermittelt die Polizei – wie immer in Fällen, in denen unklar ist, warum ein Feuer ausgebrochen ist. „Morgen kommt ein Statiker, der beurteilen soll, ob das Gebäude einsturzgefährdet ist“, sagt ein Sprecher der Polizei Aalen. Erst wenn dies feststehe, könnten die Kriminaltechniker mit ihrer Arbeit vor Ort beginnen.

 

Die Müllentsorgung in der Region ist trotz des Brandes gesichert

In der Nacht auf Mittwoch war eine Halle auf dem Gelände des Recyclingunternehmens in Brand geraten. Eine riesige Rauchfahne hing noch mittags über der Stadt. Inzwischen wurde bekannt, dass bei den Löscharbeiten zwei Feuerwehrleute leicht verletzt wurden. Betroffen von dem Feuer war jetzt eine Halle, die sich neben dem 2018 zerstörten und dann wiederaufgebauten Gebäude befindet. Von diesem ist die Halle durch eine Brandschutzwand getrennt, die offenbar standgehalten hat. In der Halle waren Altpapier, Altholz und gemischte Gewerbeabfälle gelagert. Auswirkungen auf die Müllentsorgung im Landkreis habe der Brand nicht, betont Henning Krumrey, der Pressesprecher der Alba Group. Auch die Entsorgungssicherheit in der Region sei nicht gefährdet: „Die nicht betroffenen Bereiche sind schon wieder in Betrieb, der Umschlag von Holz und gemischten Gewerbeabfällen ist nun nach Stuttgart-Hafen verlagert worden. Die Anlieferung zur Papieranlage ist weiterhin möglich“, sagt Krumrey.

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Eine Vermutung in Sachen Brandursache gibt es zumindest bei der Entsorgungsfirma schon. „Papier entzündet sich nicht von selbst. Auch die Witterung der vergangenen Tage war nicht brandfördernd. Insofern spricht viel dafür, dass es sich um eine Selbstentzündung eines unsachgemäß entsorgten Gegenstandes handelt, der sich in den Abfällen befand“, sagt Henning Krumrey. Eine solche Selbstentzündung sei auch die Ursache des Großbrandes von 2018 gewesen. Damals war ein Schaden von fast sieben Millionen Euro entstanden.

Trotzdem erging damals eine Anzeige gegen einen Alba-Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft warf ihm ein Jahr später vor, unsachgemäß mit Abfällen umgegangen zu sein. Konkret bedeutete dies, dass er einen Abfallsondercontainer nicht ordnungsgemäß verschlossen hatte, woraufhin es zu einer Verpuffung und zu der Brandentwicklung gekommen war. Das Amtsgericht Waiblingen kam damals zu dem Schluss, dies sei für den Mitarbeiter vorherseh- und vermeidbar gewesen, weswegen es den Mann wegen fahrlässiger Brandstiftung zu einer Geldstrafe verurteilte. Im Januar 2020 wurde das Urteil rechtskräftig.

Darum brennt es in Recyclingbetrieben so oft

Krumrey sagt: „Wir sind nicht mehr oder weniger betroffen als andere Betriebe der Entsorgungs- und Recyclingbranche auch.“ Alba würde alle Vorschriften einhalten, meist sei die Brandursache die unsachgemäße Entsorgung von Abfällen, beispielsweise Lithium-Ionen-Akkus. Da die betroffene Halle eine offene Umschlags- und Lagerhalle sei, seien hier auch keine Brandmeldeanlagen vorgeschrieben. Die geschlossenen Hallen würden über solche Geräte verfügen. Da es in der Branche häufig zu Bränden komme, sei die Versicherung dieser Risiken möglich, die Prämien seien allerdings hoch.

Die Schätzungen des bei dem aktuellen Brand entstandenen Schadens belaufen sich auf grob zwei Millionen Euro. „Das umfasst vor allem den Schaden an dem Gebäude selbst“, erklärt der Aalener Polizeisprecher. Auch mehrere Fahrzeuge, die neben der Halle abgestellt waren, seien durch die große Hitze beschädigt worden. „Mindestens ein Lastwagen hat Totalschaden.“ Es sei gut möglich, dass die Schätzung noch nach oben korrigiert wird, da der Wert des in der Halle gelagerten Papiers noch nicht feststehe. „Und auch dieses hat einen gewissen Wert“, so der Sprecher.

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