Album der Noiserock-Band Unbite Vor allem krass

Von  

Ganz tief in der Nische gedeiht oft die interessanteste Musik. Die aus Noiserock-Veteranen zusammengesetzte Band Unbite sollte man sich unbedingt anhören. Aber Vorsicht, das klingt heftig.

Tief im Underground: Bastian Stich, Daniela Schübel und Helge Gumpert alias Unbite. Foto: Promo
Tief im Underground: Bastian Stich, Daniela Schübel und Helge Gumpert alias Unbite. Foto: Promo

Stuttgart - Das Genre Noiserock wird gerne aufgerufen, wenn es irgendwie interessant klingt, aber auch schwer zuzuordnen ist. Die Nerven zum Beispiel werden gerne mal als Noiserock-Band bezeichnet, machen aber letztlich Pop. Wesentlich besser passt das Label auf das Stuttgarter Trio Unbite, das mindestens so tief im Underground steckt wie Max Rieger und Co. damals am Nordbahnhof. Mit einem Unterschied: sie wollen da auf gar keinen Fall raus.

Helge Gumpert (Schlagzeug), Daniela Schübel (Bass) und Bastian Stich (Gitarre) kennt man schon aus anderen lärmigen Bands. Gumpert und Schübel zum Beispiel haben bereits bei Buzz Rodeo gemeinsam Musik gemacht – einer zumindest in der Szene viel beachteten Combo, die auf dem polnischen Label Antena Krzyku aufwendigst verpackte Alben herausgebracht hat.

Daran knüpfen Unbite an: das Label, auf dem das erste Album „Fang“ auf wie bespritzt wirkendem Splattered Vinyl erscheint, ist das Gleiche. Die Szenemagazine sind auch wieder ganz Ohr, vergleichen den Sound mit diversen Insiderbands der Achtziger- und Neunzigerjahre. Und der Schlagzeuger Helge Gumpert sagt auf Nachfrage, der Sound solle solle „vor allem krass klingen“.

Musikhören in seiner reinsten Form

Dieses Ziel ist definitiv erreicht. Auf „Attention Economy“, einem der musikalisch anspruchsvollsten Songs auf dem Album, ist der Sound derart komprimiert, dass bei entsprechender Lautstärke Boxenschaden droht. Das darauffolgende „Bulletproof“ liegt für näher am Pop gebaute Hörer irgendwo zwischen Foo Fighters und den vor nicht allzu langer Zeit im Merlin zu bewundernden Dream Wife.

Hittaugliche Refrains stehen bei dieser Musik dennoch weniger im Fokus als die trotz des teilweise enormen Lärms zu erkundenden Klangschattierungen. Auch wer sich sonst nicht so oft in solche extremen Gefilde vorwagt, wird in den komplexen Arrangements und aufs Äußerste verzerrten Gitarrensounds permanent Unerhörtes entdecken: „Fang“ ist Musikhören in seiner reinsten Form.

Das Album kann hier gehört und bestellt werden.




Unsere Empfehlung für Sie