Alcatel-Lucent in Zuffenhausen Von der Sprechmuschel zum Zauberwürfel

Von  

In einer Serie porträtieren wir lokale Firmen, die weltweit agieren. Heute: Alcatel-Lucent.

Regina Wiechens-Schwake ist in der Zuffenhäuser Niederlassung von Alcatel-Lucent für das Marketing und die Unternehmenskommunikation zuständig. Foto: Leonie Hemminger
Regina Wiechens-Schwake ist in der Zuffenhäuser Niederlassung von Alcatel-Lucent für das Marketing und die Unternehmenskommunikation zuständig. Foto: Leonie Hemminger

Stuttgart-Zuffenhausen - Sichtbar oder anfassbar sind die Produkte von Alcatel-Lucent nicht wirklich, doch ohne es zu wissen, machen Menschen auf der ganzen Welt täglich von ihnen Gebrauch. „Wir entwickeln fast alles, was Telekommunikation ermöglicht“, beschreibt die Marketing-Chefin Regina Wiechens-Schwake das Aufgabenfeld der global agierenden Firma mit Niederlassung in Zuffenhausen. „Unser Streben ist es, mehr aus der vernetzten Welt zu machen.“

Diese Vision galt auch schon vor 200 Jahren, als die Gründerunternehmen an der Entwicklung der Telegrafie und an der Erfindung des Telefons mitwirkten. In einer Museumswerkstatt im Zuffenhäuser Unternehmen wird die Entwicklung, die die Telekommunikation in knapp zwei Jahrhunderten mitgemacht hat, sichtbar. Der erste Telefonhörer mit zusammenhängender Ohr- und Sprechmuschel aus dem Jahr 1886, Münzfernsprecher aus den 1970ern, Fernschreiber, Kurzwellenempfänger oder Funktelefone – was einst als Meilenstein galt, wirkt heute museal.

Der Stammsitz ist in Paris

Mit den Endgeräten, die zur Telekommunikation nötig sind, hat Alcatel-Lucent heute nur noch am Rande zu tun. Als Kerngeschäft bezeichnet Regina Wiechens-Schwake die Infrastruktur, die für Telekommunikation erforderlich ist, sprich die Hard- und die Software für Mobilfunk, Festnetz und Internet. In Bildern gesprochen: „Wir bauen sozusagen die Straßen und Autobahnen, damit Telekommunikation fließen kann, inklusive der Verkehrszeichen, Ampelsysteme und Kreuzungsregelungen.“ Eine Art Schaltkästen sorgen dafür, dass der Anruf der Person A auch tatsächlich bei der gewünschten Person B ankommt, das Gespräch zum richtigen Tarif abgerechnet wird oder sich die gewählte Internetseite in der passenden Geschwindigkeit aufbaut.

Der Stammsitz von Alcatel-Lucent ist in Paris. Die Geschäftsführung legt jedoch großen Wert darauf, ein international ausgerichtetes Unternehmen zu sein. Mit rund 76.000 Mitarbeitern ist Alcatel-Lucent in mehr als 130 Ländern auf vier Kontinenten präsent. Die deutsche Zentrale ist seit 1948 in Zuffenhausen, anfangs noch unter dem Namen Lorenz AG. Später fusionierte diese mit der Standard Elektrik AG zur Standard Elektrik Lorenz AG (SEL), 1992 zur Alcatel SEL AG. Im Jahr 2006 taten sich der französische Konzern Alcatel und das amerikanische Unternehmen Lucent zusammen.

„Wir wollen Innovationsführer sein“

In Zuffenhausen ist mit 1600 Mitarbeitern ein wichtiger Entwicklungs- sowie der zweitgrößte Forschungsstandort ansässig. „Die Forscher entwickeln Produktkonzepte, die Entwickler arbeiten diese zu marktfähigen Produkten aus“, erklärt Wiechens-Schwake. Sieben Nobelpreise seien schon an Forscher verliehen worden.

Nicht ohne Grund werden rund 15 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert: „Wir wollen Innovationsführer sein.“ Ziel sei, nicht nur Vorhandenes zu optimieren, sondern auch ganz neue Dinge zu entwickeln, um die Möglichkeiten von Telekommunikation stetig zu erweitern. Eine große Herausforderung für die Netze seien heute die wachsenden Datenmengen, die durch das Herunterladen eines Videos entstehen. „Das wird uns mit der Tablet-Generation auch noch in Zukunft begleiten“, sagt die Marketing-Chefin. Der Fokus liege darauf, bei gleichbleibender Qualität sowohl die Kosten als auch den Energieverbrauch senken.

Ein Beispiel eines jüngst schwerpunktmäßig in Zuffenhausen entwickelten Produktes ist das sogenannte Light Radio, was übersetzt so viel wie „leichter Funk“ bedeutet. Die vier mal vier Zentimeter großen Würfel können an Laternen oder Mauern angebracht werden. Sie sind nicht nur optisch unauffälliger als hohe Antennenmasten, sondern auch leistungsfähiger, um hohe Datenmengen des Mobilfunknetzes zu übertragen. Bisher werden Light Radios nur in Spanien genutzt. „Diese kleinen Zauberwürfel werden sich aber bestimmt mittelfristig in aller Welt durchsetzen“, ist sich Wiechens-Schwake sicher.

Sonderthemen



Unsere Empfehlung für Sie