Aldi, Lidl, Rewe & Co. Hier können Kunden ihr E-Auto noch kostenlos laden

Bei Aldi ist das Gratisladen des E-Autos vorbei. Foto: Image/Arnulf Hettrich

Während des Einkaufs kostenlos das Elektroauto aufladen? Das geht, doch immer mehr Handelsketten verlangen Gebühren für den Strom. Ein Überblick, was wo möglich ist.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Einkaufen und währenddessen das Elektroauto laden kommt bei Kunden an. Handelsketten wie Aldi Süd, Lidl, Rewe, Ikea, aber auch Baumärkte oder Restaurants wie McDonald’s weiten ihre Ladestationen für E-Autos aus. Das Ladenetz werde nicht nur größer, sondern auch schneller, hat das Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel EHI in einer Umfrage festgestellt. Die Nutzer müssten dafür aber zunehmend bezahlen. Bei 42 Prozent der befragten Handelsketten sei das Laden im Jahr 2022 nicht mehr grundsätzlich kostenfrei. Im Vorjahr waren erst bei 29 Prozent der Handelsketten Ladekosten angefallen, so das Institut. Bei Aldi Süd etwa ist seit 1. Juni 2022 das Laden des Elektroautos kostenpflichtig, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergab. Ein Überblick:

 

Aldi Süd

Der Discounter bietet nach eigenen Angaben mehr als 1000 Ladepunkte an. Rund 200 Ladestationen sind Schnelllader mit bis zu 150 Kilowatt Ladeleistung. Noch 2022 sollen über 100 weitere Ladesäulen in Betrieb genommen werden, sagte eine Sprecherin. Gespeist werden sie mit Sonnenenergie von Photovoltaikanlagen oder Grünstrom aus Wasserkraft.

Seit Anfang Juni verlangt Aldi Süd aber Gebühren für den Strom. Die Sprecherin spricht von einem „einfachen und intuitiven Bezahlsystem“, das nach und nach an den Ladesäulen aufgeschaltet werde. An Schnellladestationen kostet das Aufladen 39 Cent pro Kilowattstunde, an den Normalladesäulen 29 Cent pro Kilowattstunde. Das sei in der Regel günstiger als zu Hause, so die Sprecherin. Die Ladedauer ist nicht mehr begrenzt, das Laden auch außerhalb der Filialöffnungszeiten möglich, mancherorts sogar rund die Uhr.

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Eine Registrierung ist nicht notwendig, bezahlt werden kann mit EC- oder Kreditkarte, mit Google Pay und Apple Pay. Auch Ladekarten können genutzt werden, dann gelten die Preise der jeweiligen Anbieter.

Lidl

Beim Discounter Lidl können Kunden ihr E-Auto während der Öffnungszeiten eine Stunde lang gratis aufladen, dann bricht der Ladevorgang automatisch ab. Voraussetzung ist die Lidl-Plus-App, über deren E-Mobilitätsfunktion das Laden möglich ist, wie eine Sprecherin sagt. In Deutschland verfügt Lidl über mehr als 1050 E-Ladepunkte, bis Ende des Geschäftsjahres 2022 sollen bundesweit 1800 neue Ladepunkte auf den Filialparkplätzen hinzukommen.

Kaufland

Auch bei Kaufland, das wie Lidl zur Schwarz-Gruppe (Neckarsulm) gehört, ist kostenloses Tanken des E-Autos möglich. Seit dem vergangenen Jahr sei das Laden der E-Autos mit der neuen eCharge-App noch einfacher, so eine Sprecherin. Über die App können Kunden schon vor ihrem Einkauf die nächste freie Ladesäule ausfindig machen. Bundesweit stehen mehr als 270 Ladepunkte zur Verfügung, bis Ende des Jahres sollen rund 380 weitere hinzukommen.

Rewe und Penny

Rewe und seine Discounttochter Penny setzen auf schnelles Laden. Im November 2021 haben sie eine Partnerschaft mit Shell und der EnBW vereinbart, um – nach eigenen Angaben – eines „der größten und modernsten Schnellladesäulen-Netze in Deutschland aufzubauen“. Dazu gehören Ladesäulen der höchsten Leistungsklasse (High-Power-Charger). Ende 2024 soll es dann an den Rewe- und Penny-Märkten in Deutschland mehr als 6000 Ladepunkte geben. Die Kosten pro Kilowattstunde bestimmen die Anbieter.

Die EnBW hat bundesweit derzeit mehr als 700 Schnellladestandorte, bis Jahresende sollen weitere 300 dazukommen. „Etwa ein Drittel unserer Schnellladestandorte befinden sich bei Partnern aus dem Handel“, sagt ein EnBW-Sprecher. Im gesamten EnBW-Hypernetz seien die Preise einheitlich. Der Energiekonzern übernimmt für Standortpartner die Investitionen für den Aufbau und Betrieb der Schnellladeinfrastruktur. Auch Baumärkte wie Bauhaus, Hagebau oder Toom setzen bei Ladestationen auf die EnBW als Partner.

Edeka und Netto

An Standorten von Edeka und der Discounttochter Netto sind weit mehr als 400 Ladepunkte in Betrieb, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Für die nächsten Jahre plane man, jährlich mehrere Hundert Ladestationen einzurichten. Welche Standorte sich für Schnellladestationen eigneten, werde im Einzelfall geprüft. Zum strategischen E-Ladekonzept könne man aus Wettbewerbsgründen keine Details nennen, heißt es in der Zentrale in Hamburg.

Ikea

In Deutschland hat Ikea insgesamt rund 220 Ladestationen (mit 22 Kilowatt) auf den Parkplätzen seiner Einrichtungshäuser. Kundinnen und Kunden könnten während der Öffnungszeiten ihr Elektrofahrzeug kostenlos aufladen, sagt eine Sprecherin. Man bitte sie aber, die Ladestation freizugeben, sobald sie ihren Einkauf beendet hätten, und setze auf Vertrauen und den gesunden Menschenverstand. Man arbeite an einem zukunftsfähigen Konzept zur Ausweitung der Elektromobilität.

McDonald’s

Die Fast-Food-Kette will bis 2025 mindestens 1000 McDrive-Standorte mit Ladesäulen versehen. Pro Restaurant gibt es normalerweise eine Schnellladesäule, die über zwei Ladestellen verfügt. Aktuell ist das bei knapp 200 McDrive-Standorten der Fall, wie eine Sprecherin sagt. McDonald’s arbeitet mit dem Partner EWE Go zusammen, der die Ladesäulen installiert und betreibt. Der Strom kostet, tanken kann jeder. Es gibt verschiedene Bezahloptionen – entweder mit einer entsprechenden Ladekarte oder durch Scannen eines QR-Codes und der Zahlung per Paypal oder Kreditkarte. Je nach Restaurantstandort sind die Ladezeiten teils begrenzt.

Wissen rund ums Laden

Ladepunkt
An jeder Ladestation gibt es einzelne Kabel und Buchsen, das sind die Ladepunkte. Je Ladepunkt kann immer nur ein E-Auto zur selben Zeit laden. Eine Ladestation kann aber über mehrere Ladepunkte verfügen.

Ladestation
Es gibt unterschiedliche Arten. AC-Ladestationen (Alternating Current) arbeiten mit Wechselstrom, hier können E-Autos in der Regel nur mit bis zu elf Kilowatt geladen werden, in der Spitze sind aber auch 22 Kilowatt möglich – nur wenn es die Ladetechnologie des Autos auch zulässt. DC-Ladestationen (Direct Current) arbeiten mit Gleichstrom. Das sind Schnellladesäulen mit bis zu 50 Kilowatt Ladeleistung. Generell setzt der Einzelhandel zunehmend auf Turbo-Schnellladesäulen, sogenannte High Power Charger (HPC) mit 100 Kilowatt bis zu 350 Kilowatt Ladeleistung. Damit lässt sich ein E-Auto besonders schnell aufladen.

Wallbox
Das ist eine Wandladestation für zu Hause. Der ADAC empfiehlt Wallboxen mit einer Ladeleistung von elf Kilowatt. Diese bedürfen keiner Genehmigung durch den Netzbetreiber und ermöglichen es zudem, sowohl mit 3,7 als auch 7,4 und elf Kilowatt zu laden.

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