Alexander Bonde Technokrat im Trachtenjanker

Als Agrarminister muss  Alexander Bonde (Grüne) manchen Konflikt überstehen. In der eigenen Partei  musste er jetzt eine Niederlage hinnehmen. Foto: dpa
Als Agrarminister muss Alexander Bonde (Grüne) manchen Konflikt überstehen. In der eigenen Partei musste er jetzt eine Niederlage hinnehmen. Foto: dpa

Agrarminister Alexander Bonde hat mit dem vergeblichen Kampf um einen Freiburger Wahlkreis alte Vorbehalte gegen sich wieder belebt. Wie geschwächt ist der Grünen-Politiker?

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Stuttgart - Es finden sich nicht sehr viele Leute, die Alexander Bonde das Format nachsagen, nach einer gewonnenen Landtagswahl Winfried Kretschmann dereinst im Amt des Ministerpräsidenten nachfolgen zu können. Bonde selbst indes glaubt an sich. Vielleicht braucht man ein großes Ziel, um den Stress durchzuhalten, den sich der 40-jährige Familienvater antut: den Job als Agrarminister, in dem er nicht nur mit Bauern zu tun hat, sondern auch mit Touristikern und Verbraucherschützern, mit Natur- und Tierschützern, mit widerborstigen Windkraftgegnern und – am Mittwoch erst wieder – mit empörten Jägern.

Aber das ist alles nichts gegen den Kampf um den Nationalpark im Nordschwarzwald, ein Ringen, das ihm phasenweise hart zusetzte. In diesem Konflikt hielt der Minister den Rücken hin für Schläge, die andernfalls seinen Ministerpräsidenten getroffen hätten. Dafür ist ihm Kretschmann dankbar.

Raufereien mit der CDU

Und so bereist Bonde unermüdlich im schmucken Janker das Land, redend und twitternd, eröffnend und besichtigend, grüßend und Fördergeld verteilend. Er ist das Gesicht der Grünen für den ländlichen Raum, der Spezialist für jene Gegenden, in denen die Partei noch zulegen kann – und muss, will sie im kommenden Jahr erneut den Regierungschef stellen.

Diese Rolle hat ihm, dem sich so bürgerlich gebenden, mit einer christdemokratischen Politikerin verheirateten Grünen-Realo, so manche Rauferei mit der CDU eingetragen. „Die CDU tut so, als ob sie den ländlichen Raum gepachtet habe“, verkündete er im vergangenen Jahr auf einem kleinen Parteitag der Grünen in Baden-Baden. „Das ist falsch, wir sind die Kraft im ländlichen Raum.“

Bonde spielte nicht nur auf diesem Parteikonvent eine wichtige Rolle. Immer ist er präsent, von Anfang bis zum – die Halle ist schon halb leer – zähen Ende. Kreisvorstandstreffen sind seine Leidenschaft. Im Parteirat sitzt er sowieso. Welcher Minister tut sich das an? „Bonde spielt nicht den Parteisoldaten, er ist es“, heißt es dazu salbungsvoll in der Parteiführung.

Bonde hat die Partei stets gepflegt. Das zahlte sich aus. Bei der Listenaufstellung für die Bundestagswahl 2005 verdrängte er Oswald Metzger von Platz vier, 2009 gewann er Platz acht gegen den designierten Bundesvorsitzenden Cem Özdemir. Als 2011 Ministerposten in Stuttgart verteilt wurden, gab er sein Bundestagsmandat auf und wechselte in die Landespolitik. Was ihm noch fehlt, ist ein Landtagsmandat. Ein Mandat mehrt die Macht eines Ministers. Und es sichert sein Auskommen, wenn das Ministeramt verloren geht.

Hybris der Macht

Bonde kann Menschen auch übersehen. Er geht dann einfach an ihnen vorbei. Irgendwie muss er auf seinem Weg nach ganz vorne auch Reinhold Pix übersehen haben, den – die einen sagen: kauzigen und kantigen, die anderen: ungehobelten und sich selbst überschätzenden – Abgeordneten des Wahlkreises Freiburg-Ost/Hochschwarzwald. Der Winzer Pix hatte 2011 den einstigen Filbinger-Wahlkreis direkt gewonnen.

In den landespolitischen Höhenlagen sagen Bondes Fürsprecher, das Direktmandat sei Ausfluss des Grünen-Hypes 2011 gewesen, nicht das Verdinest von Pix. Aber andere Wahlkreiskandidaten errangen eben kein Mandat – weder direkt, noch über die Zweitauszählung. Bonde und seine Freunde haben sich bei dem Unterfangen verhoben, einen direkt gewählten Abgeordneten aus dem Wahlkreis zu vertreiben. Bondes Gegner sagen, dies sei Ausdruck der Hybris der Macht.

Das ist überhaupt das Problem, vor dem der Minister jetzt steht. In und außerhalb der Partei halten ihn viele schon lange für einen kalten Machttechnokraten, bei dem man nicht wisse, was ihn inhaltlich antreibe außer der Erledigung der nächsten Aufgabe zum Zwecke des Vorankommens.

Diese Vorbehalte werden nach Bondes Straucheln auf dem Feld seiner Kernkompetenz, der Machterlangung, wieder lauter. Gäbe es in Baden-Württemberg ein Zweistimmenwahlrecht mit einer Parteiliste – der Agrarminister säße sicher im nächsten Landtag. So aber kann es passieren, dass seine politische Karriere bei einem Verlust der Regierungsmacht ein zumindest vorläufiges Ende findet. Es sei denn, er nimmt einen neuen Anlauf. Angeblich gibt es für Bonde schon Angebote aus anderen Wahlkreisen. Er, der Parteinetzwerker, muss jetzt wieder von vorne anfangen.

Kretschmanns Kronprinz scheint ohnehin eine Kronprinzessinn zu sein. Edith Sitzmann, die machtbewusste, in der öffentlichen Wahrnehmung freilich blasse Vorsitzende der Landtagsfraktion, spielt in den Planspielen für die Zeit nach Kretschmann eine zentrale Rolle. Sie hält im Wahlkreis Freiburg II das Direktmandat.

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