Alexander Gerst in seiner Heimatstadt Wasserparty für den Astronauten

Von Tanja Kurz 

Künzelsau gibt ein Fest für Ehrenbürger Alexander Gerst, der bereits zum zweiten Mal auf der Internationalen Weltraumstation war. Eine Sternwarte soll künftig seinen Namen tragen.

Gewohnt schlagfertig und unterhaltsam plaudert Alexander Gerst in Künzelsau mit der Moderatorin Kristina Sterz. Foto: Tanja Kurz
Gewohnt schlagfertig und unterhaltsam plaudert Alexander Gerst in Künzelsau mit der Moderatorin Kristina Sterz. Foto: Tanja Kurz

Künzelsau - Tief Axel verregnet Astro-Alex die Party. Und doch: Trotz heftiger Schauer hat Künzelsau (Hohenlohekreis) am Samstag seinen Ehrenbürger Alexander Gerst gefeiert, der im Dezember von seinem zweitem Aufenthalt auf der internationalen Raumstation ISS zurückgekommen ist. Von den erwarteten 5000 Zuschauern harrt in der Nässe zwar nur etwa die Hälfte vor der Bühne des Alten Rathauses aus, doch ihr Idol enttäuscht sie nicht. „Um eine Entdeckungsreise zu vollenden, muss man an deren Ausgangsort zurückkehren – und wird diesen dann zum ersten Mal wirklich erkennen“, twittert @astro_alex vorab ein Zitat von T. S. Eliot und setzt hinzu: „Ich freue mich auf die Rückkehr nach Künzelsau/Hohenlohe heute Nachmittag, den Ursprung meiner Entdeckungsreisen.“

Um seine jüngste Entdeckungsreise, die Mission „Horizons“, dreht sich der unterhaltsam-informative Vortrag „Über unsere Horizonte“, dem die Fans nach einem angesichts der Witterung unnötig langen Vorprogramm begeistert folgen. Rund 400 000 Fotos habe er gemacht und einige mitgebracht: „Das hier ist der Startknopf fürs Raumschiff, das werde ich immer wieder gefragt. Und so sieht es auf der Toilette aus.“ Auch auf die Frage nach der ersten Mission, ob er vom All aus die Chinesische Mauer sehen könne, hat er eine Antwort parat: „Das ist sie, die dünn eingezeichnete Linie.“ Der deutsche Astronaut ist aber nicht nur Entertainer, sondern auch Mahner. So zeigt er Von-oben-Bilder des „zerbrechlichen Planeten Erde“ – etwa vom Aralsee, dem das Wasser ausgeht, und Aufnahmen vom Dürresommer in Künzelsau und im Kochertal.

Raumfahrt sei eine lohnenswerte Investition, so Altmaier

Wie nebenbei untermauert Alexander Gerst die Sinnhaftigkeit der millionenschweren Mission mit Experimenten etwa zur Erforschung von Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson und Krebs oder der Entwicklung klimaresistenter Nutzpflanzen. Deutschland finanziert die Raumfahrt aktuell mit 1,57 Milliarden Euro jährlich, 928 Millionen Euro davon fließen an die europäische Weltraumorganisation Esa. Diese Investitionen zahlten sich aus, versichert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der ebenfalls nach Künzelsau gekommen ist und zuvor mit Gerst den Spatenstich für die geplante Esa-Astronaut-Alexander-Gerst-Sternwarte im Solarpark von Schloss Stetten begangen hat. Und Altmaier bekräftigt: „Wenn es irgendwann zum Mond geht, wollen wir mit dabei sein.“ Dass er ganz konkret Alexander Gerst meint, daran besteht an diesem Samstagnachmittag kein Zweifel. Der Minister überreicht dem Künzelsauer das Buch „Projekt Apollo“ über die erste Mondlandung; der kontert lächelnd: „Ich nehme es als Reiseführer.“

Schlagfertig, charmant und geerdet präsentiert sich der prominente Landsmann seiner Heimatstadt. Gerst hat das Talent, Begeisterung zu wecken: „Wir Menschen müssen weiterforschen, sonst wird es uns so gehen wie den Dinosauriern.“ Viele Jungen und Mädchen, die dem Astronauten in den sozialen Medien folgen und ihm hier zujubeln, werden ihm nacheifern wollen. Kein Zweifel: Alexander Gerst ist der begabteste Botschafter, den die deutsche Raumfahrt derzeit vorzuweisen hat.

Zur Alexander-Gerst-Sternwarte

Spatenstich Vor der Willkommensparty in der Künzelsauer Innenstadt hat Alexander Gerst beim nahe gelegenen Schloss Stetten (Hohenlohekreis) zum Spaten gegriffen: Damit begann der Bau der Sternwarte, die nach ihm benannt werden soll. Sie soll 2020 fertiggestellt sein. In der Region gibt es bislang Sternwarten in Weikersheim und Heilbronn.

Finanzierung Firmen und Privatpersonen sollen die Sternwarte als Bürgerprojekt finanzieren. Bauherr des astronomischen Observatoriums ist ein Förderverein mit rund 300 Mitgliedern unter dem Vorsitz des CDU-Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten. Das Gelände auf dem Schlossareal stellt das Haus von Stetten zur Verfügung.

Ausstattung Geplant ist in der Sternwarte auch ein Seminarraum für Schüler und andere Interessierte. Den Strom liefert eine direkt benachbarte Solaranlage.