Alexis Tibidi vom VfB Stuttgart Talent auf dem Irrweg

Alexis Tibidi läuft Gefahr, sein großes Talent zu verschleudern. Foto: Baumann

Der Vater von VfB-Jungprofi Alexis Tibidi kritisiert Trainer Pellegrino Matarazzo und empfiehlt einen Vereinswechsel.

Alexis Tibidi ist abgetaucht. Wie die meisten Profis genießt er die fußballfreie Zeit unter der Sonne des Südens. Via Instagram sendet der Jungprofi des VfB Stuttgart aus Marokko sonnige „Vibes“ an seine Fangemeinde und posiert in Strandkleidung vor Palmenkulisse.

 

Die Bundesliga, sein Arbeitgeber und die Trainingsplätze in Bad Cannstatt sind in diesem Moment weit weg. Und damit auch der Ärger, welcher der 18-jährigen Nachwuchshoffnung bald dräuen könnte. Eine wesentliche Rolle spielt sein Vater gleichen Namens, der früher selbst Profi war und 1995 ein Länderspiel für Kamerun bestritten hat. Auf Instagram hat sich Alexis Flavien Tibidi mit deutlichen Worten vor seinen in Ungnade gefallenen Sohn gestellt und VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo scharf kritisiert.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Nachwuchschef spricht über Zukunft der VfB-Talente

„Zunächst möchte ich mich bei ihm für sein Vertrauen bedanken, das er in meinen Sohn gesetzt hat“, beginnt er seinen in Französisch gehaltenen Post. Um sogleich darum zu bitten, „dass er (gemeint ist Matarazzo) sich beruhigt, wenn er in der Öffentlichkeit spricht und sich erlaubt, die Erziehung meines Sohnes infrage zu stellen“. Hintergrund: Nach Saisonende hatte Matarazzo den Angreifer mit deutlichen Worten angezählt und ihm öffentlich vorgeworfen, „extrem verpeilt“ zu sein und „keine Struktur zu haben, was sehr, sehr schade ist“. Auf die genauen Vorkommnisse ging Matarazzo nicht ein. Fakt ist, dass das regelmäßige Zuspätkommen nur ein Problem bei Tibidi darstellt.

Tibidi senior entschuldigte sich für die notorische Unpünktlichkeit seines Sohnes („ich arbeite täglich hart an ihm“), die öffentliche Schelte durch Matarazzo hält er dennoch für völlig überzogen: „Jemanden, der so jung ist, in den Medien so zu rasieren, ist einfach nicht fair.“

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Diese U-19-Talente sollte man auf dem Zettel haben

Deutliche Worte, die auch in Bad Cannstatt vernommen wurden. Am Donnerstag wollte sich niemand beim VfB zu der Attacke äußern. Klar ist, dass Tibidis Vater dem so talentierten wie unreifen Jungprofi mit seinem Meinungsbeitrag einen Bärendienst erwiesen hat. Daran ändert auch nichts, dass er ihn inzwischen gelöscht hat. Nur noch mit Kopfschütteln werden die neuesten Entwicklungen in der Causa Tibidi an der Mercedesstraße zur Kenntnis genommen.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Günther Schäfer – die Legende wird 60

Aus VfB-Sicht liegt das Problem in erster Linie beim Spieler selbst. Die sportliche Führung habe ihm die Tür zu den Profis geöffnet. Doch statt sein Talent im Kreise der Erwachsenenmannschaft zu veredeln, setzt er alles daran, es durch Undiszipliniertheiten wegzuwerfen. Matarazzo legt Wert auf die Feststellung, mehrfach seine schützende Hand über den antritts- und dribbelstarken Angreifer, der es in dieser Saison auf 13 Einsätze in der Bundesliga gebracht hat, gelegt zu haben. Bis ein Punkt erreicht war, an dem es nicht mehr ging. Oder wie der 44-Jährige auf seiner Saison-Abschlusspressekonferenz sagte: „Alexis hat seine Position bei uns ein Stück weit verbockt.“

Gut möglich, dass sich die Wege von Tibidi und dem VfB trennen

Im Februar wurde er schon einmal für zwei Wochen zur U 21 degradiert. Ohne nachhaltige Wirkung. Weshalb er zum Ende der Saison zurück zu den U-19-Junioren ins Nachwuchsleistungszentrum geschickt wurde. Am Pokalsieg (3:1 gegen Borussia Dortmund) hatte Tibidi mit einem herausgeholten Elfmeter seinen Anteil.

Wie es zur neuen Saison mit ihm beim VfB weitergeht? Möglich, dass der Franzose eine allerletzte Chance bekommt. Genauso kann es passieren, dass sich die Wege trotz eines Vertrags bis 2025 trennen. Letzteres schlägt Tibidis Vater vor, dessen Profilbild bei Instagram ihn mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm zeigt und der bis heute eine enge Beziehung zu ihm pflegen soll: „Vielleicht sind wir einfach noch nicht bereit für so einen großen Club wie Stuttgart und werden woanders versuchen, weiter zu wachsen und zu lernen.“

Weitere Themen