Es ist eine harte Maßnahme, die die Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz in ihrer Abteilung ergriffen hat: Dort gibt es nun eine Weihnachtsfeier mit Sprudel, Apfelschorle und Cola. Weil im Fall der Beamtin, die dem Inspekteur vorwirft, sie sexuell genötigt zu haben, viel Alkohol geflossen war, reagiert Hinz so drastisch.
Richtig oder falsch – das ist beim Umtrunk am Arbeitsplatz eine schwierige Frage. Richtig ist, dass es dem Arbeitsklima guttut, wenn man auch mal mit den Kolleginnen und Kollegen feiert, dabei ist bei normalem Umgang auch nichts gegen Alkohol einzuwenden. Aber auch nur dann, wenn niemand gedrängt oder verspottet wird, wenn er oder sie ablehnt. Es gibt gute Gründe, nicht zu trinken, und leider wird gerade dieses eigentlich vernünftigere Verhalten stigmatisiert.
Und genau deshalb ist es eben oft auch falsch, dass Alkohol bei Feiern am Arbeitsplatz als selbstverständlich angesehen wird. Toxische Gruppendynamik kann da Druck aufbauen, auch das Ausnutzen von Machtverhältnissen kann hier eine Rolle spielen – wer schlägt dem Chef schon aus, einen Absacker zu nehmen?
Die meisten Behörden reagieren auf die Anfrage unserer Zeitung mit einer Botschaft, die ein Problembewusstsein enthält oder eine kleine Hürde wie die notwendige Zustimmung Vorgesetzter – wie zum Beispiel im Finanzministerium. Das ist ein sauberer Weg. So ufert nichts aus, und es kann erst gar nicht zu unangenehmem Gruppenzwang kommen. Das wäre ein Königsweg.