Weg mit den Vorurteilen, was beim Bier ging, geht auch beim Wein! Der Markt alkoholfreier Weine wächst schnell – und diese werden auch immer besser.

Vor ein paar Tagen habe ich eine ganz nette Karikatur gesehen. Da war ein Männchen drauf zu sehen und ein paar Sätze, die ungefähr so gingen, in anderer, durch etwas derberer Wortwahl jedoch: Das ist Emil. Emil ignoriert den Dry January. Emil trinkt lieber Wein!

 

Das sah ganz lustig aus, im Grunde bin ich auch voll bei Emil. Ich halte wenig von diesen importierten Gags wie Movember oder dem Veganuary. Aber ich stelle fest: So ist halt die Entwicklung. Früher fasste der Mensch gute Vorsätzen fürs neue Jahr. Weniger Alkohol, einfach mal eine Pause machen. Heute ist halt Dry January. und dem huldigen wir in dieser Kolumne nun auch, ohne deshalb den Wein schlecht reden zu wollen. Wein ist ein Kulturgut, Wein ist mehr als der Alkohol.

Aber was, wenn man dann doch mal gern eine Alternative zum Wein hätte? Sagt der Witzbold: Wasser trinken. Oder es sagt der Ignorant: Für Kinder halt Fanta. Beim Wein überwiegen in dieser Sache noch die Vorurteile. Selbst bei den Produzenten habe ich da schon recht abfällige Bemerkungen gehört, denn klar: Wer danach trachtet, aus dem Wein die besten Aromen raus zu arbeiten, der empfindet es als Frevel, den Alkohol, den klassischen Aromenträger, zu entfernen.

Zum Anstoßen braucht es mehr als ein Glas Wasser

Aber: Es gibt halt Menschen, die auf den Alkohol verzichten müssen. Oder auch wollen. Immer mehr. Und es gibt Gelegenheiten, da will man trotzdem anstoßen. Nicht mit Wasser. Das ist Fakt! Und deshalb ist alkoholfreier Wein auch – wenn noch auf niedrigstem Niveau – der Wachstumsmarkt schlechthin: Vergangenes Jahr auf der Messe Pro Wein war die Rede von 87 Prozent Zuwachs in einem einzigen Jahr. Also stellen sich auch die Erzeuger darauf ein. Sie wären ja dumm, täten sie dies nicht. Die kleinen Genossenschaften aus Esslingen, Marbach, Neuffen und Metzingen haben sich zu einem Gemeinschaftsprojekt vereinbart, weil nicht jeder im stillen Kämmerlein rumprobieren wollte. Ihr Weißwein ohne Alkohol ist auch ziemlich gelungen, und ich weiß, wovon ich rede, dann ich habe schon viel probiert! Dieser, der Libero aus Neuffen etwa, schmeckt nach Wein, frisch, nach Zitrus. Der macht Spaß.

Und damit, lieber Emil, kann man sogar ganz hervorragend anstoßen – und danach dann ohne Sorgen mit dem Auto nach Hause fahren . . .

Das Urteil der Weinrunde

Holger Gayer Das ist ein alkoholfreier Wein, der wirklich an Wein erinnert. Man spürt die lebhafte Säure, die auf der Zunge bitzelt, kann Aromen von Apfel und Kräuter schmecken. Ein gutes Auftaktgetränk für jene, die den Dry January zelebrieren.

Kathrin Haasis Der Libero taugt nicht nur als Ausputzer wie einst im Fußball, er steht für sich. Dieses Getränk kommt Wein ziemlich nahe ihm Geschmack, hat eine erfrischende Säure und duftet wunderbar nach einem Obstgarten.

Der Wein

Libero, Weißwein entalkoholisiert, 7,10 Euro, Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck, www.weingaertner-neuffen.de