An Fastnacht, im Juli und an Silvester herrscht in den Kliniken im Land Hochbetrieb – da werden am meisten Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus gebracht. Das stellt die AOK Baden-Württemberg fest. Seit 2010 nimmt die Zahl der Fälle aber leicht ab.

Landespolitik: Thomas Breining (tb)

Stuttgart - Aufklärungskampagnen gegen Alkoholmissbrauch und das Verkaufsverbot für alkoholische Getränke nach 22 Uhr haben sich positiv ausgewirkt. Das glaubt die AOK Baden-Württemberg.

Die Krankenkasse hat untersucht, wie viele ihrer jugendlichen Versicherten im vergangenen Jahr nach einem Komatrinken in ein Krankenhaus gebracht werden mussten. Dabei stellte man fest, dass der seit 2010 leicht sinkende Verlauf sich auch 2012 fortgesetzt hat.

Allerdings gilt das nicht für Mädchen. Bei ihnen stieg die Zahl der Eingelieferten im Vergleich zum langjährigen Mittelwert um 1,3 Prozent. „Die Präventionsarbeit gegen Alkoholmissbrauch sollte deshalb künftig Mädchen und junge Frauen stärker einbeziehen“, fordert der Vorstandschef der Kasse, Christopher Hermann.

16 ist das gefährlichste Alter

Insgesamt waren vergangenes Jahr 1228 Jugendliche unter 20 Jahren nach übermäßigem Alkoholkonsum reif für die Klinik. Das seien 16,2 Prozent aller von der Kasse registrierten Alkoholvergiftungen. Insgesamt waren es 7600 Fälle. Für deren Auskurieren musste die AOK vergangenes Jahr 6,5 Millionen Euro aufbringen.

Komatrinken hat dabei vor allem in drei Monaten Konjunktur. Die meisten Fälle passieren im Fastnachtsmonat Februar. Dann kommt der Juli mit seinen sommerlichen Grill- und Straßenfesten. Einen Ausschlag macht die Kurve auch an Silvester.

Gesamtzahlen für 2012 liegen noch nicht vor. Das Statistische Landesamt weist erst Werte für 2011 aus. Da mussten 3916 Jugendliche unter 20 Jahren stationär auskuriert werden, davon waren 2435 männlich und 1481 weiblich. Bei den männlichen Kampftrinkern betrug der Zuwachs seit 2001 satte 111 Prozent, bei den weiblichen 127 Prozent. Der Höhepunkt scheint 2009 erreicht, seither sinkt die Zahl wieder.

Das gefährlichste Alter ist 16; hier sind bei beiden Geschlechtern die meisten Fälle zu verzeichnen. Bei den Jüngeren stehen die Mädchen den Jungs in nichts nach, bei den 13-Jährigen hatten sie mit 81 gegenüber 75 Fällen sogar die Oberhand.

Baden-Baden liegt vorn

Die Missbrauchsauffälligkeiten sind auch keineswegs gleich übers Land verteilt. So gab es bezogen auf die Bevölkerung in Baden-Baden dreieinhalb mal so viele Krankenhausbehandlungen von 13- bis 19-Jährigen nach einer Alkoholvergiftung wie im Landkreis Heilbronn. In Freudenstadt, Ravensburg oder dem Bodenseekreis ist die Häufigkeit von Alkoholmissbrauch immer noch doppelt so hoch wie im Rhein-Neckar-Kreis oder in den Landkreisen Karlsruhe oder Schwäbisch Hall.

Auch im bundesweiten Vergleich liegt der Südwesten im vorderen Feld, allerdings noch hinter – vor allem – Bayern und Rheinland-Pfalz.

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