Alkoholverbot auf Plätzen in Stuttgart Schilder sollen künftig auf das Verbot hinweisen

An bestimmten Plätzen ist der Alkoholkonsum aktuell nicht erlaubt – wie etwa am Feuersee im Stuttgarter Westen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Oft vergisst man im Alltag, welche Coronaregel jetzt wo genau gilt. Die Stadt schafft in einem Bereich Abhilfe: Schilder sollen die Alkoholverbotszonen markieren. Sie kommen bald.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - „Das sieht ja hier aus, als ob es Corona nie gegeben hätte.“ Diesen Satz hört man in Stuttgart am Wochenende bei sonnig-warmem Wetter an fast allen schönen Orten: Am Schlossplatz, am Feuersee, auf dem Marienplatz. Eben genau da, wo es normalerweise in besseren Zeiten nett ist, ein Eis zu schlotzen, einen Kaffee zu schlürfen und wenn es auf den Abend zugeht, ein Bierchen zu köpfen. Aber all das ist zurzeit eben eher problematisch: Zu dicht sollen die Menschen nicht aufeinanderhocken, denn das Coronavirus ist immer noch unterwegs. Deswegen gilt auch ein Alkoholverbot auf einigen öffentlichen Plätzen in der Stadt, das schon im Spätherbst erlassen wurde und den ganzen Winter über galt. Nur eben zog es da kaum jemand hinaus zum Konsum von Kaltgetränken. Nun erwischt es die Menschen aber eiskalt beim geselligen Prosten auf der Parkbank.

 

Schilder sind so gut wie fertig

„Die Polizei hat eine Runde nach der anderen um den Feuersee gedreht und allen das Alkoholverbot erklärt, offenbar wusste das keiner“, sagt eine Anwohnerin aus dem Stuttgarter Westen, die dort am Samstag in der Sonne saß und das Treiben betrachtete. „Das ging immer weiter, denn das Publikum wechselt ja auch. Kann man da nicht einfach mal ein Schild aufstellen, damit das alle wissen?“ fragt die 38-Jährige.

Doch, kann man, heißt es bei der Stadt. Und das wird man auch tun. „Die Schilder sind so gut wie fertig, Mitte der Woche sollen sie aufgehängt werden. Wir sind in der finalen Abstimmung“, sagt Albrecht Stadler vom Amt für öffentliche Ordnung. Die Schilder sollen an „zentralen Bereichen“ auf das Alkoholverbot hinweisen. Das heißt auch: Wenn die Allgemeinverfügung zum Alkoholverbot am Freitag ausläuft, kommt eine neue, die es verlängern wird. „Die haben immer eine Laufzeit von vier Wochen. Normalerweise kann man Allgemeinverfügungen auch länger erlassen“, erläutert Stadler. Doch bei der sich dauernd ändernden Lage in der Coronapandemie sei das die Regel. Neben Piktogrammen zum Alkoholverbot sollen die Schilder auch eine Erinnerung an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, im Alltag Maske tragen) zeigen.

Polizei begrüßt das Aufstellen von Schildern

Die Polizei begrüßt das: „Die Schilder machen es uns schon leichter“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. „Das erspart die eine oder andere Diskussion.“ Denn die Antwort, man wisse nichts von einem Alkoholverbot, komme immer wieder, das würden die Kollegen berichten. Die Regeln überwacht und durchgesetzt hat die Polizei am Wochenende vor allem an den Stellen, die sie als Hotspots benennt. Das sind besagter Feuersee, der Marienplatz, der Schlossplatz, aber auch Ausflugsziele wie die Grillstellen rund um den Max-Eyth-See am Rande der Landeshauptstadt. „Wo es richtig voll war, haben wir es mit Lautsprecherdurchsagen versucht“, schildert Widmann, etwa am Feuersee. Eine größere Menschenansammlung habe die Polizei im Weißenburgpark beim Teehaus gesehen und weggeschickt. Im Westen wurde die Polizei außer am Feuersee noch an der Bismarckstraße aktiv: Dort hatten sich etwa 60 Personen versammelt. „Aber das war keine homogene Gruppe, lauter kleine Gruppen, die an einem Kiosk dort Getränke gekauft hatten“, sagt der Polizeisprecher.

Jugendlichen fehlt die Übersicht

Man habe auch hier die Leute aufgefordert, sich auf den Weg zu machen. Insgesamt habe die Polizei vor allem auf Gespräche gesetzt, was bei den meisten auch wirke. Ein paar Verwarnungen seien dann im Rahmen der Kontrolle der Ausgangssperre und der diversen Kontakt- und Aufenthaltsverbote doch zusammengekommen:  16 am Freitag, 43 am Samstag und sechs am Sonntag. Was davon Verstöße gegen die Ausgangssperre oder andere Regeln waren, werde nicht differenziert erfasst, so die Polizei.

Seine Klientel ziehe sich größtenteils zurück, wenn es auf den Beginn der Ausgangssperre zugehe, sagt Simon Fregin von der Mobilen Jugendarbeit. „Wenn es auf 22 Uhr zugeht, ist es eine halbe Stunde vorher schon leer in der Stadt“, sagt er. Alkohol spiele im öffentlichen Raum unter Jugendlichen aktuell kaum eine Rolle. „Wir hatten in diesem Jahr noch keinen Alkoholnotfall, das hätten wir sonst schon längst gehabt“, sagt Fregin. Die jungen Leute hätten „Verständnis, dass man was tun muss“. Doch es fehle ihnen eine Perspektive: Wann kann was wieder öffnen, und wie kommen wir dahin? Dieser Plan fehle. „Aber einsichtig sind sie.“ Jedoch fehle den Jugendlichen die Übersicht. „Was gilt jetzt? 21 Uhr oder 22 Uhr, Medizinische Maske oder FFP2? Viele sind verwirrt, weil sich dauernd etwas ändert.“

An diesen Plätzen in Stuttgart gilt das Alkoholverbot

Das Verbot des Alkoholkonsums und des Ausschanks gilt an mehreren Plätzen in Stuttgart. Dazu zählt der Bereich innerhalb des Cityrings. Ebenfalls in Stuttgart-Mitte gilt das Alkoholverbot im Mittleren und Unteren Schlossgarten, am Wilhelmsplatz, am Berliner Platz einschließlich Bosch-Areal, im Stadtgarten, am Pariser Platz und am Mailänder Platz. Im Westen gilt das Verbot am Feuersee einschließlich der umliegenden Straßen Feuerseeplatz, Gutenbergstraße und Rotebühlstraße sowie am Bismarckplatz. Im Süden zählen zum Bereich mit Alkoholverbot der Weißenburgpark, der Marienplatz, der Erwin-Schoettle-Platz und die Karlshöhe, im Osten die Parkanlage Villa Berg. In Stuttgart-Nord ist es der Höhenpark Killesberg. In Bad Cannstatt ist das Verbot für den Wilhelmsplatz, den Bahnhofsvorplatz und den Kurpark verhängt.

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