Herr Zimmer, Ihre Bühne in Stuttgart ist der Truck mit Nummer 66. Ist es schwieriger, beim CSD aufzutreten als sonst?
Es ist anders, aber nicht schwieriger. Vielleicht ist es sogar besser. Die Stimmung auf dem CSD ist einfach so wundervoll. Es kommen wahnsinnig viele Leute zusammen. Es sind nicht nur Leute aus dem Queer-Bereich, sondern es sind Leute aus allen Bereichen, die da zusammen stehen und zusammen feiern. Das ist das, was den CSD für mich ausmacht und was es für mich auch nicht schwierig macht, sondern vielleicht sogar noch viel schöner.
Warum ist der CSD immer noch wichtig?
Man braucht weiterhin den CSD, um Leute aufzuklären, Leuten die Angst zu nehmen und Leuten zu zeigen: „Hey, sei so, wie du bist!“ Solange nicht jeder so akzeptiert wird, wie er ist, muss es den CSD geben. Darum finde ich ihn sehr wichtig, weil Liebe frei sein sollte!
Was ist für Sie ein perfektes Outfit für den CSD? In Stuttgart diskutiert man, wie viel Haut man auf einer Politparade zeigen soll, wie viel Sex also sein darf?
Ich glaube, jeder sollte so sein, wie er sich wohlfühlt. Es geht aber auch ein bisschen darum aufzufallen, um eben Aufmerksamkeit für die Sache zu gewinnen. Ich glaube nicht, jeder fühlt sich da so wohl, wenn man sich da so entblößt, aber ich glaube, dass wir auf dem Wagen da viel Haut zeigen werden. Ich fühle mich wohl damit, ich will auffallen, ich habe da Bock drauf!
„She moves“ war 2014 Ihr Durchbruch im kommerziellen Bereich. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?
Plötzlich gab es nicht nur noch Auftritte, sondern einfach alles. Social Media kam dazu, ich musste Interviews geben und in diese Rolle reinwachsen. Ich muss sagen, dass ich mittlerweile auch das ganze Drumherum liebe. Der Anfang war aber schwer für mich. Ich habe da teilweise um 4 Uhr morgens gespielt, und dann hieß es schon wieder um 8 Uhr, dass ich Interviews geben soll. Das war natürlich erst mal gewöhnungsbedürftig und nicht so einfach.
Ihre neue Single ist der mainstreamige Song „Walk away“ mit Superstar James Blunt. Wo haben Sie sich kennengelernt, und wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Die Zusammenarbeit mit ihm war cool, kam aber anders zustande als bei den meisten Songs für mich. Sonst sitze ich viel zusammen mit Leuten in Songwriting-Camps. Bei James Blunt war es so, dass ich eine Demo bekommen habe und diese Demo cool fand und unbedingt mit ihm was machen wollte.
Haben Sie ihm das gleich gesagt?
Zu dieser Demo sagte man mir: „Wenn du etwas Gutes machst, hat James Bock auf dich.“ Das war erst mal Druck für mich, aber unter Druck kann ich gut arbeiten. Ich habe mich dann da rangesetzt, die Demo wurde gut, und James hat es gefallen. Dann haben wir uns getroffen und ein Musikvideo zusammen gedreht. James sagt über sich, dass er uncool ist, aber er ist der coolste uncoole Mensch, den ich je kennengelernt habe!
Sie produzieren einerseits sehr kommerziell und radiotauglich, sind andererseits auf allen coolen Festivals ein gern gesehener Act. Wie bezeichnen Sie selbst Ihren Musikstil?
Ich finde es immer schwer, eine Schublade für meine Musik zu finden. Ich mache elektronische Musik im Großen und Ganzen und wandere dann in den verschiedenen Genres umher. Ich habe Indie-Einflüsse gehabt, ich habe Techno-Einflüsse gehabt und will mich da einfach nicht so festlegen. Viele nennen das Pop-House oder Melodic Deep House, ich finde es immer schwer, diese Begriffe zu nennen. Ich würde sagen: „Ich mache elektronische Musik mit Herz und Melodie.“
Sie haben Anfang des Jahres über öffentliche Musikportale nach einem Praktikanten für Ihre Produktionsfirma gesucht, was bei einem Star wie Ihnen etwas ungewöhnlich ist. War die Suche erfolgreich?
Ja, ich habe zwei Leute bei mir fest im Büro, wir brauchten aber auf jeden Fall noch eine helfende Hand. Die Praktikumsstelle ist zukunftweisend für eine feste Stelle, bloß wollten wir es erst einmal antesten, ob wir zusammenarbeiten können. Vielen Dank fürs Interview!