Alle Standorte abgelehnt Keine Windkraft in Grafenau
Drei mögliche Gebiete für Windkraftanlagen hätte es gegeben – keiner bekam die Zustimmung des Gemeinderats. Der Bürgermeister ist enttäuscht.
Drei mögliche Gebiete für Windkraftanlagen hätte es gegeben – keiner bekam die Zustimmung des Gemeinderats. Der Bürgermeister ist enttäuscht.
Kräftigen Gegenwind für die drei Windkraftvorranggebiete um den Flecken hat es im Grafenauer Gemeinderat gegeben. Mehrheitlich abgelehnt wurden nicht nur zwei im Regionalplan mittlerweile ohnehin gestrichene Gebiete, sondern – hauptsächlich aus Gründen des Naturschutzes und der Naherholung – auch das dritte südlich der Gemeinde. Damit kann Grafenau vorerst nicht auf Strom aus Windkraft bauen.
Eine längere Kontroverse entspannte sich vor allem um das in Richtung Aidlingen gelegene Gebiet BB-18. Im Regionalplan gestrichen, sprach sich ein interfraktioneller Zusammenschluss von vier Gemeinderätinnen aus den Reihen von Grünen/Bündnis 90 und Freien Wählern ebenso wie im Vorfeld Vertreter der Bürgerinitiative „IG Windenergie Grafenau“ für eine Wiederaufnahme dieses Gebiets in den Regionalplan aus. „BB-18 wieder reinzunehmen, macht als einziges Sinn“, erklärte die Grünenrätin Rita Graf. Die Bürger bei allen Entscheidungen mitzunehmen, forderten nicht nur die Grünen, sondern auch die Freien Wähler. „Ohne die Bürger geht nichts“, unterstrich Ralf Mornhinweg.
„Wir haben das Dilemma, dass wir die Flächen nicht voll im Eigentum haben“, nannte der Bürgermeister Martin Thüringer ein grundlegendes Problem für alle in Frage kommenden Windkraftvorranggebiete. Mehrheitlich gut geheißen wurde die Herausnahme der Fläche BB-19 zwischen Döffingen und Maichingen. Einverstanden waren die Gemeinderäte auch damit, dass das Gebiet BB-17 am Baumberg in Richtung Darmsheim aus dem Regionalplan gestrichen worden ist. Hingewiesen wurde auf die sensible Lage ohne größeren Abstand zur vorhandenen idyllischen Waldlichtung sowie zum Würmtal mit seiner Bedeutung für die Naherholung.
Dann die Abstimmung für eine Wiederaufnahme des Gebiets BB-18: Abgelehnt, wenn ach knapp. „Eine Windkraftanlage erzeugt jährlich so viel Strom wie wir in zwei Jahren brauchen“, zeigte Martin Thüringer zum wiederholten Mal die wirtschaftliche Dimension auf. Freilich nicht, ohne auch auf den Eingriff ins Landschaftsbild mit einer solchen „Anlage höher als der Stuttgarter Fernsehturm“ hinzuweisen.
„Da wurde eine Chance vertan“, sagte Michael Strommer, einer von vier Mitstreitern bei „IG Windenergie Grafenau“. Ein anderer Zuhörer: „Es gibt sicher bessere Plätze.“ Die Mehrheit des Gremiums sah es ebenso. In der mit diesem Beschluss verabschiedeten Stellungnahme an die Regionalversammlung kommen Windkraftvorrangflächen auf Grafenauer Gemarkung damit nicht mehr vor und die von einigen Räten geforderte Bürgerversammlung zum Thema ist ebenfalls vorerst vom Tisch. Ob irgendwann doch auf Grafenauer Gemarkung Windkraftanlagen errichtet werden, liegt nach jetzigem Stand nicht mehr in gemeindlicher Hand.