Als Mama allein verreisen Berlin, Berlin – ich fahre ohne Kind!
Unsere Autorin ist das erste Mal seit sie Mutter geworden ist ohne Kind verreist. Bei ihrer Rückkehr aus Berlin hatte sie coole, neue Boots und jede Menge Erkenntnisse im Gepäck.
Unsere Autorin ist das erste Mal seit sie Mutter geworden ist ohne Kind verreist. Bei ihrer Rückkehr aus Berlin hatte sie coole, neue Boots und jede Menge Erkenntnisse im Gepäck.
„Warum sollte man als Elternteil auch mal ohne Kind verreisen?“, habe ich zunächst einmal ChatGPT gefragt. Einfach auch um meine ganzen Gedanken, Erlebnisse und Erkenntnisse zu sortieren, aber auch aus Interesse oder vielleicht auch zur Bestätigung, dass es gut war – für alle Beteiligten – was ich da getan habe.
Klingt fast schon so, als hätte ich etwas Verbotenes getan – oder zumindest etwas Verpöntes. Sehe schon die ganzen „judgy“ Eltern vor mir, wie sie sich Blicke zuwerfen und hinter meinem Rücken zueinander sagen: „Wie konnte sie nur? Hat einfach ihr Kind im Stich gelassen!“ Ufff!
Dabei sind mir aus meinem Umfeld nur positive Reaktionen um die Ohren geflogen. „Ja endlich, es wurde aber auch Zeit!“, „Du wirst sehen, wie gut dir das tut!“ und „Yay, bin neidisch!“, waren nur einige Sätze, die ich zu hören bekam. Und das motivierte mich. Trotz des schlechten Gewissens! (Was aber auch normal ist, oder!?)
Ich habe das Kind ja nicht allein, sondern beim Papa gelassen – und das war auch gut so. Dazu später mehr. Also machte ich mich mit meinem Kumpel David auf nach Berlin, um unsere Freundin Caro zu besuchen. (Sie hatte Geburtstag.)
Es war ein langes Wochenende, Feiertag, Brückentag – drei Nächte DURCHSCHLAFEN standen mir bevor. OMG! Nach dreieinhalb Jahren das erste Mal nicht nur ohne Kind, sondern ohne Störung in der Nacht – unvorstellbar!
Darauf habe ich mich ehrlich gesagt mit am meisten gefreut, nahm mir ein Täschchen voll Seren, Cremes und Augenpads mit und dachte, ich komme neugeboren und erholt – aus Berlin! – zurück. Nicht. Natürlich, was hatte ich mir da nur vorgemacht?!
Wir waren jeden Abend lange wach (bis nach Mitternacht – das ist für Eltern sehr lang!) und standen dann um zehn, elf Uhr auf, schließlich wollten wir ja auch etwas von und in Berlin sehen. Wer in dieser Stadt nicht „Fomo“ hoch 1000 bekommt, muss mir das bitte mal genau erklären. Häää.
Diese Stadt, unsere Hauptstadt, ist wild, frei und voller Möglichkeiten. Aber sie verschluckt dich auch und spuckt dich am Ende wieder aus. Darauf muss man klarkommen. Gefühlschaos vorprogrammiert. Und das alles mit einem Energy-Drink in der Hand. Gives me „Absturz im Club“-Vibes. Anderes Thema.
Und dann diese Entfernungen und weiten Strecken. Puh. Vom Stuttgarter Westen laufe ich in zehn Minuten in die Stadt, in das EINE Stadtzentrum, das wir haben. In Berlin ist jeder Kiez wie eine eigene Stadt. Wahnsinn. Das hatte ich total vergessen, obwohl ich schon so oft „oben“ war. Und ich habe es vermisst.
Denn da war dieses Gefühl, wie damals, als mein Partner und ich noch keine Kinder hatten. Nicht auf die Uhr gucken zu müssen, nur mit Handy und Geldbeutel das Haus zu verlassen und bei einem guten Drink nicht an Morgen denken zu müssen. Knaller! Und so befreiend – im ersten Moment.
Mein Handy, genauer die Kindergarten-App, erinnerte mich daran: „Dein Kind wurde gerade ausgecheckt.“ Stimmt, jetzt hätte ich eigentlich meinen Kleinen vom „Kindi“ abgeholt und mir überlegt, welchen Spielplatz wir heute „unsicher“ machen. Dabei war ich noch gar nicht sooo lange wach. Haha. Das hat sich vielleicht verrückt – und irgendwie auch verboten – angefühlt.
Naja, und so verbrachten wir die Tage und Nächte mit dem Rein- und Rausfeiern des Geburtstags, vielen Coffee- und Matcha-Stopps, Shopping, Tanzsessions und Jubel, Trubel, Heiterkeit. Und natürlich auch langen U- und S-Bahn-Fahrten.
Die ersten zwei Tage gingen deshalb nicht nur um wie im Flug, sondern ließen mich wenig an daheim, den Kessel und meinen Job denken. Doch am Samstag, als ein Video von dem Kleinen auf dem Markt ankam, als er gerade eine Erdbeere geschenkt bekam und sich wahnsinnig freute, da wurde ich ganz schnell, ganz arg wehmütig.
Und ja, vielleicht hatte ich auch ein bisschen Pipi in den Augen. Dieser kleine Mensch ist schließlich mein bester Freund. Und was macht man mit Freund:innen, wenn man sie in dieser gefühlten Ewigkeit nicht sieht? Richtig, vermissen. Wie verrückt!
Die Liebe für meinen Sohn ist unbeschreiblich, es ist das, was das Mamasein mit einem macht, das, wofür man vieles in Kauf nimmt, sich und seine Bedürfnisse hinten anstellt und einfach nur gibt. Habe schon wieder Pipi in den Augen. Will gar nicht so dramatisch oder fast episch klingen, aber ist es das, was zählt.
Und trotzdem, sich selbst nicht zu vergessen, sich etwas zu gönnen und einfach nur an sich zu denken, tut gut und muss einfach sein, immer wieder, so zwischendurch, bevor Mr. Mental Load mal wieder an die Türe klopft.
Aber. Halt. Stopp. Ich bin euch noch die Antworten von ChatGPT schuldig:
Im Familienalltag bleibt oft wenig Raum, um in Ruhe über sich selbst, eigene Wünsche oder Ziele nachzudenken. Alleinreisen bietet eine Gelegenheit, sich wieder mit der eigenen Identität außerhalb der Elternrolle zu verbinden.
Eltern zu sein, ist fordernd – emotional, physisch und mental. Eine Auszeit kann helfen, Kraft zu tanken, Schlaf nachzuholen oder einfach mal nichts zu „müssen“. Gut erholte Eltern sind meist geduldigere, ausgeglichenere Eltern.
Eltern, die sich selbst wichtig nehmen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen, leben ihren Kindern vor, wie Selbstfürsorge aussieht. Das vermittelt: Man darf sich selbst auch mal an erste Stelle setzen.
Ein bisschen Abstand kann die Beziehung zum Partner oder den Kindern sogar stärken. Man lernt, den anderen zu vermissen, sieht gewisse Dinge klarer und bringt neue Impulse in den Familienalltag zurück.
Je nach Alter der Kinder kann deine Abwesenheit ihnen helfen, unabhängiger zu agieren, neue Verantwortung zu übernehmen oder andere Bindungspersonen (z. B. Großeltern oder den anderen Elternteil) stärker zu erleben.
Reisen allein schärft die Sinne, erweitert den Horizont und lässt einen oft offener, kreativer und gestärkter zurückkehren – was sich wiederum positiv auf das Familienleben auswirken kann.