Alles Klohr Nepper, Schlepper, Namensgeber

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Während die Menschheit schwitzt, machen sich auch bei uns umtriebige Kriminelle einen schönen Lenz.

Heimliche Aufnahme vom Schleppertreff in Prevorst Foto: AP
Heimliche Aufnahme vom Schleppertreff in Prevorst Foto: AP

Kriminalität - Wir sollten alle miteinander dankbar sein, dass es das sogenannte Sommerloch gibt. Ein Phänomen, dem völlig zu Unrecht ein übler Ruf vorauseilt. Dabei ist das Sommerloch die Hochzeit für den investigativen Journalisten. In Zeiten von Digital Dada und Cross-over-Media hat der Schreiber ja kaum noch Schwierigkeiten, einen vom Papier vorgegebenen inhaltlichen Rahmen mit irgendeinem Quatsch (Neudeutsch: Content) zu füllen. Er kann nämlich dort hinschauen, wo sonst, beengt von Pflichtsitzungen und Presseterminen, niemand guckt.

Dem Sommerloch ist es also zu verdanken, dass wir allerhand Schockierendes feststellen durften. Der Schweiß, der zurzeit von allen Stirnen rinnt, scheint den Blick der Menschen zu trüben für illegale Umtriebe, die hier mitten unter uns passieren. So fiel uns eine Pressemitteilung der Stadt Bietigheim-Bissingen in die Hände, wo allein der Titel Übles erahnen lässt: „Internationale Rentenberatung mit der Schweiz.“ Hier geht es zweifelsohne um staatlich subventionierte Beihilfe zum Renten- und Steuerbetrug. Bei den Eidgenossen, so die versteckte Botschaft, lassen sich die Rentnermillionen fiskussicher ­aufbewahren. Zu Verdunkelungszwecken wurde der Ort dieser dubiosen Beratung auch noch in einen Vorort von Bietigheim (Stuttgart-Mitte) verlegt.

Der doppelte Guido?

Aber damit nicht genug. Fabian Gramling hat sich kürzlich einen Wolf gefreut. Der CDU-Landtagskandidat für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen hat, umgeben von zwielichtigen Bodyguards der Jungen Union (aus brandschutztechnischen Gründen ganz in Warn-Orange gekleidet), den Spitzenkandidaten Guido Wolf empfangen. Warum ist eigentlich dabei keinem aufgefallen, dass Gramling aussieht wie Wolfs 30 Jahre jüngeres Alter Ego? Gleiche Brille, gleiche Frisur, gleiches Jackett und: keine Krawatte!

Aber wir schweifen ab. Just jener Besigheimer Clanchef der Christdemokraten hat auf der Online-Plattform Facebook platt verkündet, er sei bei „Süddeutschlands größtem Schleppertreffen in Prevorst“ zu Gast gewesen. Allerhand! Nicht nur, dass sich die Christdemokraten offen für Schleuser starkmachen (unlängst luden etliche Ortsverbände ein zur „Neckarkonferenz zum Schleuserausbau“) – jetzt sympathisieren deren jungdynamische, stramm wirtschaftsliberale Protagonisten auch noch mit Schleppern. Auch hier war der Ort des Geschehens (mit 500 Teilnehmern!) kein Zufall: Der Strom der Flüchtlinge aus der Landkreis-Exklave Prevorst (inmitten der Krisenkreise Heilbronn und Rems-Murr) ans rettende Ufer von Oberstenfeld (genannt „Das Lampedusa des Landkreises“) schwillt nämlich ständig an.

Ein Christiano Ronaldo der Orthopädie

Dabei, und das sei aus Gründen politischer Korrektheit betont, ist weder jede Form von Einwanderung illegal, noch sind Wirtschaftsflüchtlinge im Landkreis automatisch nicht willkommen. So hat es unlängst ein renommierter Gelenk- und sonstiger Orthopäde an die rettenden Ufer der RKH-Klinikholding mit Sitz in Ludwigsburg geschafft. Zuvor wurde er – so hätten es Recherchen ergeben können – in der orthopädischen Klinikgaleere eines privaten Ausbeuterbetriebs jahrelang geknechtet. Der Mann gilt als Transfercoup, eine Art Cristiano Ronaldo der Orthopädie, und soll den kleinen Holding-Standort in Neuenbürg (Enzkreis) wieder in die Champions League katapultieren. Solche Sensationswechsel waren für den anderen, nun ja: Kreisligastandort Vaihingen leider undenkbar. Sonst hätte man der eigenen Spitzenmannschaft in Markgröningen zu viel Konkurrenz gemacht.

Das Spannende ist: die Holding hat für den umgekrempelten Standort Neuenbürg einen Namenswettbewerb unter den Mitarbeitern ausgelobt. Als Paten empföhlen sich Menschen mit Rückgrat und einwandfreier Haltung – zum Beispiel Fabian Wolf, Pardon: Guido Gramling. Stünde das Krankenhaus in Bietigheim-Bissingen, böte sich der Name „Internationale Orthopädieklinik mit der Schweiz“ an. Aber weil vor allem Patienten ausländischer Landkreise (Calw) angelockt werden sollen, steht der Name vermutlich eh schon fest: „Schlepper- und Schleuserklinik“.




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