Wer den Limerick ehrt, ist den Wortwitz wert. Aber: was reimt sich denn bloß auf Wimpelinhof?!

Poesie - Hobbydichter, Gossenpoeten und Schmalspurlyriker aufgepasst! Weil wir an dieser Stelle immer für Überraschungen gut sind, wird heute ausnahmsweise keiner durch den Kakao gezogen. Stattdessen ist diese Kolumne einer viel zu selten praktizierten Form von Dichtung gewidmet: dem Limerick. Jene britischste aller Variationen des gemeinen Schüttelreims ist nämlich das Vehikel, womit sich das Museum Wimpelinhof in Markgröningen zu seinem zehnten Geburtstag feiern lässt. Grüne Zettelchen, auf Wäscheleinen hängend, finden Besucher derzeit dort. Darauf stehen viele der meist fünfzeiligen Gedichte im beliebten, aber tückischen AABBA-Schema, die sich Haus und Museum widmen. „Ich wollte mal was anderes machen“, sagt die Vorlimerickerin und Stadtarchivarin Petra Schad.

 

Rund 30 Werke, darunter Grandioses, so viel sei verraten, sind schon eingegangen. Bis zum Sonntag, 19. Juli, nimmt Petra Schad noch Limericks entgegen, am besten per Mail unter petra.schad@markgroeningen.de. Zu gewinnen gibt es ein Säckchen Markgröninger Taler (Markgröninger Drachmen, quasi), eine Überraschungsführung mit der Archivarin höchstselbst oder Geschenkpakete der Stadt. Die besten Gedichte landen in einer Lostrommel, aus der der Bürgermeister Rudolf Kürner die Gewinner zieht.

Drahtloser Lebertran oder TTIP?

Weil heutzutage jeder weiß, was Bluetooth (Blauzahn), Wireless-Lan (Drahtloser Lebertran) und TTIP (irgendeine Abkürzung) sind, aber kein Mensch mehr Limericks kennt, und weil diese Dichtvariation wirklich süchtig machen kann, sollen an dieser Stelle drei Werke hingeworfen werden, die einerseits literarisch völlig wertlos sind, andererseits aber laut Frau Schad als offizieller Beitrag unserer Zeitung zum Wettbewerb akzeptiert werden – schließlich sind auch wir heiß auf Taler:

„Elegie

Der Wimpelinhof in Markgröningen/

da sollte man nichts beschönigen/

wurde teuer saniert/

und hübsch renoviert/

leider ist er nur einer von wenigen.“

Versmaß und Reimschema verstanden? Wichtig für den dramatischen Effekt scheint uns aus der Laienperspektive, zu Beginn möglichst viel Spannung in Form eines unmöglich scheinenden Reimwortes aufzubauen und diese dann in den Versen zwei und fünf möglichst unmöglich aufzulösen. Dabei zeigt sich der unvermeidliche Protagonist selbst als hervorragendes Beispiel, wie Limerick Nummer Zwei zeigt:

„Krisis

Was reimt sich denn bloß

auf Wimpelinhof?/

Das Haus? Wunderbar!

Das Wort? Lyrisch doof!/

Ich kann da nichts dichten/

ein and’rer soll’s richten/

Den nenn’ ich dann Reimphilosoph!“

Spätestens jetzt sollte klar sein:

1. Warum der Autor dieser Zeilen Journalist geworden ist und nicht Lyriker

2. Rhythmus und Klang eines Limericks können hypnotisch wirken.

Darum jetzt, um dem Dilettantismus die Krone aufzusetzen, Beitrag Nummer Drei:

„Tragödie

Es taten zwei Jungs

aus Markgröningen/

Im Wimpelinhof

ganz wunderschön singen/

Doch hört’ keiner zu/

das frustet im Nu/

also mussten sie flugs vom

Balkön springen.“

Apropos Sprachspiel: die Nachrichtenagentur dpa lässt verlauten, dass die Stadt Freiberg in Sachsen zwei kleine Chinesen ehrt: Frei und Berg. Kein Witz: der 2012 geborene Frei Fulai Shen und seine im März geborene Schwester Berg Beige Elisabeth Shen wurden von ihren Eltern nach einem Besuch in Freiberg benamst, als Liebeserklärung an die Stadt. Fragt sich: wozu hat Freiberg (am Neckar) eigentlich ein Chinahaus? Und: wann kommt ein Bub namens „Aff, alter Bach“ oder „Weinstadt-Strümpfelbach“ auf die Welt? Limericks dazu verbieten sich. Sonst droht ein Löch-GAU.