Allianz MTV Stuttgart Antonia Stautz will endlich den ersten Titel
Die Kapitänin des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart hat noch nie eine wichtige Trophäe gewonnen. Das will Antonia Stautz nun ändern – doch die Konkurrenz ist stark.
Die Kapitänin des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart hat noch nie eine wichtige Trophäe gewonnen. Das will Antonia Stautz nun ändern – doch die Konkurrenz ist stark.
Volleyballerin Antonia Stautz (32) hat, daran gibt es keine Zweifel, eine außergewöhnliche Karriere hingelegt. Seit drei Jahren gehört die Außenangreiferin zum Nationalteam, bei Allianz MTV Stuttgart reifte sie zur Führungsfigur. Der Bundesligist gewann in der Hauptrunde nicht zuletzt dank seiner Kapitänin 19 von 20 Partien, nun geht es ab diesem Sonntag (16.45 Uhr/Scharrena) in der Halbfinalserie der Play-offs gegen den Dresdner SC. Auch der Trainer des Dauerrivalen zeigt sich von Antonia Stautz beeindruckt. „In dieser Saison“, sagt Alexander Waibl, „ist sie die beste Stuttgarter Spielerin.“ Deren Bilanz allerdings einen Makel aufweist.
Obwohl Antonia Stautz fünf Jahre das Trikot des SC Potsdam trug, ehe sie im Sommer 2024 nach Stuttgart kam, hat sie mit keinem der beiden Topclubs einen großen Titel gewonnen. In der Meisterschaft war viermal im Halbfinale Schluss, alle drei Pokalendspiele verlor sie mit ihren Teams, zuletzt vor fünf Wochen mit den MTV-Kolleginnen trotz einer 13:11-Führung im fünften Satz gegen den VfB Suhl. Das Gefühl, eine wichtige Trophäe in die Höhe zu stemmen, würde auch Antonia Stautz gerne mal erleben, zumal dann die oft an sie gestellte Frage, wann es denn endlich klappt mit dem ersten Triumph, beantwortet wäre. „Ich will die Schale unbedingt gewinnen“, sagt die Außenangreiferin vor den finalen Wochen der Meisterschaft, betont aber zugleich: „Ich wäre genauso motiviert, wenn ich schon ein paar Titel geholt hätte.“
Der Weg auf den Thron wird jedoch alles andere als einfach. Das hat mit der Qualität der Gegner zu tun. Aber auch mit der eigenen Leistung. Seit dem Pokalfinale erlebten die Stuttgarter Volleyballerinnen in vielen Spielen ein Auf und Ab, zuletzt im ersten Viertelfinalduell gegen den Bundesliga-Achten Schwarz-Weiß Erfurt, in dem sich der haushohe Favorit erst im Tie-Break durchsetzte. „Das verlorene Pokalendspiel hat uns sicher einen kleinen Dämpfer verpasst“, sagt Antonia Stautz, „eine Formdelle sehe ich aber nicht. Wir haben anschließend alle fünf Spiele gewonnen, das zählt. Und in den Play-offs ist alles, was vorher war, ohnehin egal.“ Erst recht gegen den Dresdner SC.
Die zwei Begegnungen in dieser Saison hat Allianz MTV Stuttgart zwar 3:0 und 3:1 gewonnen, dennoch warnt Antonia Stautz vor dem Kontrahenten: „Der Dresdner SC hat sich immer weiter verbessert und zuletzt im Halbfinale des CEV-Cups bei den beiden 2:3-Niederlagen gegen Reale Mutua Fenera Chieri zwei extrem starke Spiele gemacht. Das war schon eine Nummer“, sagt die MTV-Kapitänin, die vor allem Diagonalangreiferin Marta Levinska, Außenangreiferin Lorena Lorber Fijok („Sie hat eine extreme Palette an Lösungen“) und den DSC-Mittelblock hervorhebt: „Wenn man eine Problemstelle finden wollte, dann vielleicht, dass viel von der Stammbesetzung abhängt.“ Anders als in Stuttgart.
Die große Stärke des MTV ist sein breit aufgestellter Kader. Und die daraus resultierende Unberechenbarkeit. „Kein anderer Bundesligist ist so tief besetzt. Das hat Stuttgart in allen Spielen geholfen, nur nicht in dem einen, in dem es drauf ankam“, sagt Alexander Waibl mit Blick aufs Pokalfinale, „unser Gegner hat mit Abstand das teuerste Team der Bundesliga und eine dominante Saison hingelegt, war zuletzt aber nicht mehr ganz so überzeugend. Wir haben zweimal gegen Stuttgart verloren, das macht uns nicht zum Favoriten. Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken. Ich erwarte ein enges Duell, in dem womöglich die Tiefe des Kaders den Unterschied ausmachen könnte.“ Vor einem Jahr war das nicht der Fall.
Auch im April 2025 standen sich die beiden Teams im Play-off-Halbfinale gegenüber. Das erste Spiel gewann Allianz MTV Stuttgart klar mit 3:0, versäumte es dann aber nach einer 2:0-Satzführung in Dresden, das Duell für sich zu entscheiden. In der dritten Partie gab es – ohne die erkrankte Krystal Rivers – in der Scharrena eine 1:3-Pleite und Tränen der Enttäuschung. „Der Heimvorteil spricht auch diesmal wieder für Stuttgart, weil alle Teams vor eigenem Publikum noch mal einen Tick stärker sind“, sagt Alexander Waibl, „uns kann die Erinnerung an 2025 helfen und Mut machen, sollten wir das erste Spiel verlieren. Denn wir haben damals gezeigt, dass wir in der Lage sind, eine Serie zu drehen – das wären wir auch diesmal.“ Antonia Stautz hat andere Pläne.
Die Kapitänin wird Allianz MTV Stuttgart nach dieser Saison verlassen, es zieht sie ins Ausland. Sie hat zwar noch keinen neuen Club, aber ein großes Ziel: Anders als Krystal Rivers, Roosa Koskelo und Maria Segura Palleres, die sich 2025 mit einer Niederlage verabschieden mussten, will Antonia Stautz ihr letztes Spiel im blauen Trikot unbedingt gewinnen. Und endlich den großen Titel holen, der ihr noch fehlt.