Allianz MTV Stuttgart Auch Alexis Hart bleibt – allerdings auf einer anderen Position

Ist bei Allianz MTV Stuttgart künftig auch in der Annahme gefragt: Alexis Hart. Foto: Baumann

Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart trifft im Play-off-Halbfinale auf den Dresdner SC. Gleichzeitig bastelt der Verein am Team der Zukunft: Hart verlängert, wechselt aber in den Außenangriff – weil andere gehen werden.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Alle, die erfolgreich einen Verein im Profisport leiten, wissen: Ruhephasen sind eher selten. Und trotzdem geht es manchmal besonders hektisch zu – zum Beispiel, wenn gegen Ende einer Saison noch mehr als sonst zu erledigen ist. In diesen finalen Wochen befinden sich derzeit die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart, was den Verantwortlichen zu schaffen macht. Vor allem Sportdirektorin Kim Renkema geht die Arbeit nicht aus.

 

Play-offs Allianz MTV Stuttgart musste warten, ehe der Gegner für die Halbfinalserie feststand. Am Ende wurde es Dauerrivale Dresdner SC. Das Team von Trainer Alexander Waibl, der die Stuttgarterinnen einst in die Bundesliga führte, setzte sich am Mittwochabend in der entscheidenden dritten Partie des Viertelfinals beim VC Wiesbaden mit 3:1 durch. Weil unklar war, gegen wen es gehen würde, hat sich der Titelverteidiger zuletzt vornehmlich mit sich selbst beschäftigt. „Wir haben viel an uns gearbeitet, es gibt trotz der beiden Siege gegen Vilsbiburg reichlich Verbesserungspotenzial“, sagt Kim Renkema. Ihrem Team war eine ungewohnt hohe Zahl an Fehlern unterlaufen, vor allem beim Aufschlag, und auch der Block befand sich nicht immer auf der Höhe. Solche Nachlässigkeiten darf und will sich der Favorit im ersten von maximal drei Spielen am Samstag (19 Uhr, Scharrena) nicht leisten. „Der Dresdner SC hat die Fähigkeit, sich in eine Serie reinzukämpfen, das ist ein gefährlicher Gegner“, erklärt Kim Renkema, „für uns ist deshalb wichtig, erfolgreich zu starten. Wenn wir unser Potenzial zu 100 Prozent ausschöpfen, dann bin ich guter Dinge, dass wir ins Finale kommen können.“

Trainer Tore Aleksandersen hat Prostatakrebs im Endstadium, Mitte März verschlechterte sich sein Zustand. Mittlerweile geht es ihm wieder besser. Er hat zwei neue Therapien begonnen und kann wieder bei der Mannschaft sein – allerdings noch nicht regelmäßig. In der Woche vor dem Spiel in Vilsbiburg war er nicht im Training und trat auch die Reise nach Niederbayern nicht an, in den vergangenen Tagen war er dagegen bei den Einheiten dabei. Am Samstag gegen den Dresdner SC wird der Norweger wohl in der Halle sein, aber eher nicht an der Seitenlinie stehen. „Es ist nicht so, dass die Mannschaft alle Aufgaben alleine lösen könnte. Sie braucht die Autorität des Trainers, der zudem ganz genau weiß, wie er sein Team auf ein wichtiges Spiel vorbereiten muss“, sagt die MTV-Sportdirektorin, „die Präsenz von Tore Aleksandersen ist enorm wichtig. Dass er hin und wieder fehlt und wir von Tag zu Tag schauen müssen, ist natürlich nicht optimal und macht mir mit Blick auf den Kampf um die Meisterschaft schon Sorgen.“

Kaderplanung Zum Endspurt einer jeden Saison gehört die Zusammenstellung des künftigen Teams. Nach den Stützen Krystal Rivers, Maria Segura Pallerés, Roosa Koskelo und Eline Timmerman hat nun auch Alexis Hart ihren Vertrag verlängert – zugleich zeigt ihre Personalie aber, dass sich bei Allianz MTV Stuttgart einiges verändern wird.

Bisher war Hart (24) auf der Diagonalposition die Nummer zwei hinter Superstar Krystal Rivers und machte ihre Sache, wenn sie gefordert wurde, meist recht gut. In der nächsten Saison wird die 24-jährige US-Amerikanerin in den Außenangriff wechseln. „Auch dort hat sie starke Konkurrenz“, sagt Kim Renkema, „aber trotzdem die Chance auf mehr Spielzeit.“ Weil sich der Club auf dieser Position neu aufstellen muss.

Mit Simone Lee gab es keine Einigung über einen neuen Kontrakt, laut Renkema waren ihre Gehaltswünsche zu hoch. Die US-Amerikanerin wird in die Türkei wechseln. Dorthin zieht es wohl auch Laura Künzler, was der Verein allerdings noch nicht bestätigt hat. Und auch Luisa Keller dürfte vermutlich bestrebt sein, bei einem anderen Club öfter auf dem Feld stehen zu können. Gleichzeitig ist es für die MTV-Verantwortlichen nicht leicht, schlagstarke Angreiferinnen nach Stuttgart zu locken. „Es gibt mittlerweile sogar in Ungarn oder Griechenland Vereine, die zwar leistungsmäßig bei weitem nicht auf unserem Niveau sind, dafür aber wesentlich mehr Geld bezahlen als wir – teilweise dreimal so viel“, erklärt Kim Renkema, „angesichts dieser Konkurrenz tun wir uns bei der Suche nach Spielerinnen, die uns weiterhelfen, viel schwerer als in der Vergangenheit.“ Weshalb es durchaus hilfreich sein kann, flexible Leute im Kader zu haben.

Alexis Hart wird nun auf die Position zurückkehren, auf der sie vor ihrem Wechsel nach Stuttgart in Vilsbiburg gespielt hat. „Sie verfügt auf Außen über großes Potenzial, kann dort ihr Niveau sicher weiter steigern und noch wichtiger für uns werden“, sagt Renkema, die der US-Amerikanerin ein sehr gutes Zeugnis ausstellt: „Natürlich kann sie die Zahl ihrer Fehler noch minimieren. Doch sie ist enorm explosiv, hat gute Kraftwerte und passt als echte Frohnatur auch charakterlich perfekt in unser Team.“

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