Allianz MTV Stuttgart Darum platzte der Königstransfer mit Kathleen Weiß

Von Tim Wohlbold 

Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart muss die erst vor Wochen verpflichtete Schlüsselspielerin Kathleen Weiß ersetzen. Die 311-malige deutsche Nationalspielerin bat den Deutschen Volleyball-Meister um sofortige Vertragsauflösung. Wir haben die Hintergründe.

Kathleen Weiß wird nie das Trikot von Allianz MTV Stuttgart tragen. Kim Renkema ist enttäuscht von Kathleen Weiß. Foto: Baumann
Kathleen Weiß wird nie das Trikot von Allianz MTV Stuttgart tragen. Kim Renkema ist enttäuscht von Kathleen Weiß. Foto: Baumann

Stuttgart - Nicht ohne Stolz präsentierte Kim Renkema, die Sportliche Leiterin vom deutschen Volleyball-Meister Allianz MTV Stuttgart, Ende Mai ihren Königstransfer: „Wer eine Spielerin wie sie bekommen kann, muss sie holen“, sagte die 32-Jährige über ihre neu verpflichtete Zuspielerin Kathleen Weiß. Die 311-malige Nationalspielerin sollte der Fixpunkt bei den Stuttgarterinnen werden und mit ihrer Erfahrung Nationalspielerin Pia Kästner (21) auf ihre zukünftige Rolle als alleinige Chefin vorbereiten.

„Wir sind sehr enttäuscht“

Zwei Monate später sieht die Gefühlswelt bei Renkema anders aus: „Wir sind sehr enttäuscht“, sagt die Sportliche Leiterin. Grund: Kathleen Weiß (35) bat den Deutschen Meister um die sofortige Vertragsauflösung. Zwei Wochen vor Beginn der Vorbereitung – ein denkbar schlechter Zeitpunkt. „Die momentane Situation ist alles andere als befriedigend, aber ich kann natürlich keine Spielerin zwingen, für uns aufzulaufen“, so Renkema, die gemeinsam mit Geschäftsführer Aurel Irion der Bitte der Ex-Nationalspielerin nachkommen will.

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Umso bitterer ist die Geschichte für den MTV, weil der Club nach der Verpflichtung von Weiß der bisherigen zweiten Zuspielerin Madison Bugg (25) kein neues Vertragsangebot gemacht hatte. Bugg, mittlerweile beim französischen Meister von 2018, ASPTT Mulhouse, unter Vertrag, hatte einen maßgeblichen Anteil am ersten Titelgewinn der Stuttgarterinnen. „Der Abschied von Madison fiel uns sehr schwer und wir haben ihr die Daumen gedrückt, dass sie einen tollen Verein findet“, sagt Irion, der eine Rückholaktion der US-Amerikanerin mehr oder weniger ausschließt: „Sie hat dort einen Arbeitsvertrag und deshalb wäre eine Ablösesumme fällig.“

Ausbildung als Grund

Der Grund für den Sinneswandel bei Kathleen Weiß ist der Beginn ihrer Ausbildung bei der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern. Vor drei Wochen hatte sie die Stuttgarter von ihrem Ausbildungswunsch informiert, woraufhin sich Renkema und Co. bemühten, eine Ausnahmeregelung beim Beamtengesetz in Baden-Württemberg zu erwirken. Hintergrund: Im Südwesten kann man – wie in den meisten anderen Bundesländern auch – nach dem 40. Lebensjahr nicht mehr verbeamtet werden. „Die Stadt hat sich für uns beim Land eingesetzt“, sagt Renkema: „Am Ende leider ohne Erfolg.“

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In Mecklenburg-Vorpommern wurde der gebürtigen Schwerinerin eine Ausnahmeregelung zugesichert, woraufhin Kathleen Weiß in ihre mecklenburgische Heimat zurück wollte. „Wir wollen Frau Weiß nichts böses“, betont Irion, gibt aber zu: „Das war ein Schlag, den wir so kurz vor Saisonbeginn nur schwer nachvollziehen können.“ Renkema nennt das Vorgehen der Ausnahmevolleyballerin „einigermaßen unprofessionell“.

Stuttgart will nach vorne schauen

Dennoch wollen sie in Stuttgart nicht nachtreten und gehen davon aus, dass Weiß nicht bei der Konkurrenz in Schwerin anheuert, „sondern eine Zukunft außerhalb des Volleyballs sucht“, wie Irion betont. Für die Verantwortlichen bei Allianz MTV heißt es nun, kurzfristig einen Ersatz für Kathleen Weiß aus dem Hut zu zaubern. „Wir sind in einer schwierigen Position“, sagt Renkema. Erstens sei der Markt schon leer gefegt. Zweitens wüssten die potenziellen Spielerinnen und deren Management um die Dringlichkeit beim Deutschen Meister, was die Preise in die Höhe treibt.

Bei zwei Spielerinnen seien die Verhandlungen fortgeschritten gewesen, allerdings wären beide erst ab dem 1. Januar zur Verfügung gestanden. „Das war für uns keine Option“, sagt Renkema, die hofft, zum Vorbereitungsbeginn in zwei Wochen die Nachfolgerin für Weiß gefunden zu haben. Erschwerend kommt hinzu, dass Pia Kästner zum Vorbereitungsbeginn bei der Nationalmannschaft weilt. „Wir können nicht ohne Zuspielerin in die Vorbereitung gehen“, so Renkema, die das Kapitel Kathleen Weiß schnell abschließen und von nun an „nach vorne schauen“ möchte. Eine wichtige Rolle spielt dabei Meistertrainer Giannis Athanasopoulos: „Er hat viele nationale und internationale Kontakte“, sagt Renkema und ist überzeugt, „dass wir in den kommenden Wochen eine gute Lösung finden“.

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Eine Ausnahmekönnerin wie Kathleen Weiß zu finden, scheint dabei ein äußerst schwieriges Unterfangen. Die Zuspielerin war für unsere Redaktion bis dato nicht zu erreichen.