Allianz MTV Stuttgart Der heiße Kampf um die Meister-Schale

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Das Duell um die Deutsche Volleyball-Meisterschaft zwischen Allianz MTV Stuttgart und dem SSC Palmberg Schwerin wird nichts für schwache Nerven. Am Ende dürfte zwischen zwei Teams auf Augenhöhe die Tagesform entscheiden.

Wollen den Titel: Femke Stoltenborg (li.), Molly McCage von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann
Wollen den Titel: Femke Stoltenborg (li.), Molly McCage von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Stuttgart - Wer darf spätestens am 5. Mai im Goldkonfetti-Regen die MeisterSchale in die Höhe stemmen? Nur zwei Teams sind nach 20 Normalrunden- und vier Play-off-Spielen übrig geblieben. Das Duell Allianz MTV Stuttgart gegen SSC Palmberg Schwerin geht im Maximalfall über fünf Runden. Das erste Spiel findet an diesem Samstag (19.30 Uhr) in der Stuttgarter Scharrena statt. Ein Vergleich:

Die Trainer Giannis Athanasopoulos (39) betreut Stuttgarts Volleyballerinnen nach drei Jahren als Co-Trainer in seiner ersten Saison als hauptverantwortlicher Cheftrainer. Mit Erfolg: Der Grieche hat mit seinem Team auf Anhieb das Finale erreicht, könnte also auch gleich seinen ersten Titel gewinnen.

Dieser erste Titel ist seinem Gegenüber Felix Koslowski (34) erst im vergangenen Jahr vergönnt gewesen. Der gebürtige Schweriner kehrte nach Stationen in Italien und Suhl 2013 zurück nach Schwerin als Cheftrainer und feierte 2017 im Finale gegen Stuttgart seine erste Meisterschaft. Seit Ende 2015 ist Koslowski auch Bundestrainer des Frauen-Nationalteams. Diese Doppelfunktion ist nicht unumstritten.

Die Offensive Eingesetzt werden die Angreiferinnen jeweils von National-Zuspielerinnen – Femke Stoltenborg (Stuttgart, Niederlande) und Denise Hanke (Schwerin, Deutschland). Schwerin hat in Louisa Lippmann, Deutschlands Volleyballerin des Jahres 2017, die effektivste Angreiferin der Liga. Sie ist sehr groß, sehr athletisch, sehr punktehungrig. Gefahr drohen auch durch die 1,95 Meter große US-Mittelblockerin Lauren Barfield, die Nationalspielerin Jennifer Geertjes sowie durch die quirlige ungarische Nationalspielerin Greta Szakmáry, die wie Geertjes über Außen angreift.

Die Stuttgarter Angreiferinnen sind weniger leicht auszurechnen, weil in fast jeder Begegnung unterschiedliche Spielerinnen für die meisten Punkte sorgen. Auf Außen schmettern die Nationalspielerinnen Nika Daalderop (Niederlande), Michaela Mlejnková (Tschechien) sowie Renáta Sándor. Diagonalangreiferin Deborah van Daelen macht zwar weniger Punkte als Lippmann, aber zumeist die wichtigeren. Und der Stuttgarter Mittelblock mit Molly McCage und Paige Tapp ist nicht nur blockstark sondern extrem angriffslustig.

Die Verteidigung Ausgerechnet zwei Stuttgarter Spielerinnen, die in der Saison wenig im Einsatz waren, haben mit die besten Abwehrwerte der Liga: Micheli Tomazela Pissinato (Rang 3) und Jenna Potts (Rang 5). Gleich dahinter folgt Schwerins Mittelblockerin Beta Dumancic. Die Libera Teodora Pušić (Stuttgart, tschechische Nationalspielerin) und Luna Carocci (Schwerin, italienische Nationalspielerin) agieren auf demselbem Level, allerdings ist der Einsatz von Pušić nach dem vor zwei Wochen erlittenen doppelten Bänderriss zu Play-off-Beginn sehr unsicher. Im Stuttgarter Team liegt also die Last auf Nachwuchsspielerin Annie Cesar, die sich bisher wacker schlägt, aber auf diesem Niveau noch wenig Erfahrung hat. Das spricht für Schwerin Die größere Erfahrung, das eingespieltere Team aufgrund der vielen Nationalmannschafts-Akteure. Schwerin ist besser im Angriff und hat häufiger gegen Stuttgart gewonnen als verloren (3:0, Supercup und zweimal in der Bundesliga).

Das spricht für Stuttgart Der Heimvorteil aufgrund der top Normalrunde, denn beide Teams sind zu Hause am besten. Allianz MTV ist besser im Block und ausgeglichener besetzt.

Das Fazit Der Slogan des SSC zur Wiederauflage der Finalserie der vergangenen Saison heißt: Die Schale bleibt hier. In Stuttgart heißt es: Her mit der Schale. Die Chancen sind in etwa gleichwertig, werden von der Tagesform und der Anzahl der jeweils angeschlagenen Spielerinnen bestimmt und wie nach der anstrengenden Saison mit der Dreifachbelastung von Liga, Pokal (beides Halbfinalisten) und europäischem CEV-Cup (beides Halbfinalisten) im Schlussspurt mit den Kräften gehaushaltet werden kann. Eine Entscheidung wie im vergangenen Jahr in nur drei Spielen ist nicht zu erwarten.