Feiern gemeinsam die Meisterschaft: Kim Renkema und Konstantin Bitter Foto: Baumann/Cathrin Müller
Konstantin Bitter verlängert seinen Vertrag bei Allianz MTV Stuttgart vorzeitig bis 2027 – trotzdem steht der ehrgeizige Volleyball-Bundesligist laut Sportdirektorin Kim Renkema vor einem großen Umbruch.
Im Interview mit unserer Zeitung erklärte Konstantin Bitter (34), der Cheftrainer des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart, vor dem Start der Saison: „Ich bin am richtigen Ort.“ Dies hat er nun auch schriftlich dokumentiert. Der Coach verlängerte seinen Vertrag beim Triple-Sieger vorzeitig bis 2027. „Hier zu arbeiten erfüllt mich mit viel Freude und Stolz“, sagt er, „ich bin Teil von etwas Großem.“ Was nicht zuletzt an ihm selbst liegt.
Als Konstantin Bitter im Frühsommer 2023 nach Stuttgart kam, war seine Rolle unklar. Offiziell ist damals noch Tore Aleksandersen MTV-Cheftrainer gewesen, allerdings wusste niemand, ob er noch genügend Kraft für diesen Job haben würde. Bitter war bereit, als Co-Trainer des schwer an Krebs erkrankten Norwegers zu arbeiten, doch im Juli 2023 änderte sich die Konstellation: Tore Aleksandersen hatte nicht mehr genügend Energie, fünf Monate später verlor er den Kampf gegen die Krankheit. Folglich stand Konstantin Bitter in Stuttgart von Anfang an in der Verantwortung – und löste seine Aufgabe mit Bravour.
Die Verantwortlichen verteilen Komplimente an Konstantin Bitter
Der neue Coach holte mit seinem Team auf Anhieb den Supercup, den Pokal und die Meisterschale – das gab es nie zuvor im deutschen Frauen-Volleyball. Anschließend gingen elf Spielerinnen, zehn neue kamen. Doch auch dieser erste Umbruch scheint gut gelungen zu sein. Die MTV-Volleyballerinnen haben erneut den Supercup gewonnen, in der Bundesliga sind sie vor dem Topduell an diesem Samstag (17.15 Uhr/Scharrena) gegen den SSC Palmberg Schwerin noch ohne Satzverlust. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen des Vereins Konstantin Bitter unbedingt halten wollten.
„Trainer werden an ihren Ergebnissen gemessen, die Resultate von Konstantin Bitter sprechen für sich“, sagt Sportdirektorin Kim Renkema, „er hat stets eine klare Strategie, macht einen super Job.“ Das findet auch Aurel Irion. „Die Trainer-Position ist im sportlichen Bereich am wichtigsten, da haben wir nun Klarheit und Sicherheit“, erklärt der Geschäftsführer, „Konstantin Bitter ist ein akribischer und fleißiger Arbeiter, der trotz seiner jungen Jahre sehr abgeklärt ist. Besonders beeindruckt mich, dass er in wichtigen Spielen sehr gute Entscheidungen trifft und seine beste Leistung abruft.“ Auch Gesellschafter Rainer Scharr lobt den Chefcoach: „Er ist im positiven Sinn ein Volleyball-Verrückter. Er schafft es, Spielerinnen besser zu machen. Wir sind stolz, diesen tollen Trainer in Stuttgart zu haben.“ Wo Konstantin Bitter die Aufgaben nicht ausgehen werden.
Konstantin Bitter: „Ich bin Optimist“
Schon jetzt spricht er stets davon, nach dem Triple eine neue Geschichte schreiben zu wollen. Und spätestens wenn Krystal Rivers (30), Roosa Koskelo (33) und Maria Segura Palleres (32) mal nicht mehr auf dem Feld stehen, wird es wieder von vorne losgehen. „Es gibt in Volleyball-Deutschland keinen spannenderen Ort als Stuttgart“, sagt Konstantin Bitter, „die Herausforderungen werden eher größer als kleiner, auch was die Situation in der Bundesliga, den Frauensport allgemein, der ja nur im Fußball wächst, und die wirtschaftliche Lage angeht. Doch ich bin Optimist und werde alles dafür tun, dass die Entwicklung bei uns positiv bleibt.“
Stratege am Spielfeldrand: Konstantin Bitter Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch
Bisher stehen ihm bei seiner Arbeit Kim Renkema und Aurel Irion zur Seite. Das Problem: Die Verträge der Sportdirektorin und des Geschäftsführers laufen am Ende dieser Saison aus, Verhandlungen mit ihnen haben bislang nicht stattgefunden. Diese Situation führte nun dazu, dass Kim Renkema zwar die Verlängerung mit Konstantin Bitter vorangetrieben hat, sich mit dem Trainer laut eigener Aussage aber nicht über die mittelfristigen Ambitionen des Triple-Siegers austauschen konnte. „Ich weiß nicht, welche Ziele die Gesellschafter und der Verein haben“, sagt die Sportchefin, „mit mir gab es bis heute noch kein Gespräch über meinen Vertrag und die künftige Ausrichtung. Die Kontinuität in vielen Bereichen hat uns große Erfolge beschert, doch bald wird es den größten Umbruch in der Geschichte von Allianz MTV Stuttgart geben – und manche Personen werden sehr schwer zu ersetzen sein.“
Aurel Irion bestätigt, dass bislang weder mit Kim Renkema noch mit ihm selbst über die Verlängerung ihrer beiden Kontrakte verhandelt wurde. „Dies sind nun die nächsten Schritte, die gegangen werden müssen“, erklärt der Geschäftsführer, der hofft, bis Weihnachten Klarheit zu haben: „Das ist ambitioniert, wäre aber gut und wichtig.“