Allianz MTV Stuttgart Deshalb gibt es in der Königsklasse nichts zu verdienen

Hohe Ziele: Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart wollen zum dritten Mal in ihrer Geschichte ins Viertelfinale der Champions League einziehen – in unserer Bildergalerie finden Sie den kompletten Kader auf einen Blick. Foto: Baumann

Nach dem Gewinn des Doubles wollen die Stuttgarter Volleyballerinnen nun auch in der Champions League eine gute Rolle spielen. Einfach wird das nicht.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte die Champions League für Allianz MTV Stuttgart nicht die alleroberste Priorität. Im Sommer 2016 verzichtete der Volleyball-Bundesligist auf die Teilnahme an der Qualifikation zur Königsklasse – aus finanziellen Gründen. So haben sich die Zeiten geändert. Geld zu verdienen, das ist auf dem Trip durch Europa immer noch nicht möglich. Doch sportlich ist die Champions League längst ein höchst erstrebenswertes Ziel. „Wer als Verein etwas auf sich hält, will dabei sein“, sagt MTV-Sportdirektorin Kim Renkema vor dem ersten Gruppenspiel an diesem Mittwoch (18 Uhr) bei LKS Lodz, „es ist das Niveau, auf dem auch wir uns präsentieren möchten.“ Und das nicht, um lediglich ein bisschen mitzuspielen.

 

In den vergangenen sechs Jahren hat sich nicht nur der Etat von Allianz MTV Stuttgart nahezu verdoppelt (auf mittlerweile rund zwei Millionen Euro), im Frühjahr 2022 holte der Club erstmals das Double. Kein Wunder, dass beim Meister und Pokalsieger auch die eigenen Ansprüche wachsen – zum Beispiel auf die Krönung eines perfekten Jahres in der Königsklasse. „Wir haben uns einen Namen gemacht, gehören jetzt zu den 20 besten Vereinen in Europa“, sagt Kim Renkema, „und wir werden mittlerweile auch in der Champions League ernst genommen.“ Entsprechend lange wollen die Stuttgarterinnen im Wettbewerb bleiben.

Lodz ist der Konkurrent um Rang zwei

Platz eins in der Gruppenphase und damit der direkte Sprung ins Viertelfinale wird nur schwer zu schaffen sein, Fenerbahce Istanbul gilt als klarer Favorit. Das Ziel von Allianz MTV Stuttgart ist deshalb, als Zweiter die Play-offs für die Runde der letzten acht Teams zu erreichen. Größter Konkurrent dürfte LKS Lodz sein, derzeit unbesiegter Spitzenreiter der polnischen Liga. Außerdem geht es gegen den spanischen Meister Tenerife La Laguna. „In den Duellen gegen Lodz steht Rang zwei auf dem Spiel“, meint die MTV-Sportchefin, „das ist ein starker Kontrahent. Um zu bestehen, brauchen wir einen richtig guten Tag.“ Und Stabilität.

Bisher, das leugnet niemand, ist Allianz MTV Stuttgart noch nicht in Topform. Es gab in dieser Saison bereits zwei Niederlagen gegen den SC Potsdam (im Supercup sowie in der Bundesliga) und zudem die eine oder andere Schwankung zu viel. „Uns fehlt es noch an Konstanz“, sagt Kim Renkema, „wir haben weiterhin viel Arbeit.“ Aber keine grundsätzlichen Zweifel am Potenzial des Kaders: „Unsere Mannschaft kann sicher wieder oben mitspielen. Aber wir sind nicht der FC Bayern, der jedes Jahr garantiert mindestens einen Titel gewinnt.“ Und zugleich in der Champions League höchste Ziele hat.

Weiterer Verzicht ist ausgeschlossen

Allianz MTV Stuttgart läge, würde tatsächlich wie 2019 (gegen Novara) und 2020 (gegen Conegliano) das Viertelfinale der Königsklasse erreicht werden, bereits über dem Soll. Sportlich. Und damit auch finanziell. Denn, das ist ein weiterer markanter Unterschied zum Fußball: Bis zur K.-o.-Runde gibt es in der Champions League nichts zu holen.

Der deutsche Meister und Pokalsieger ist ja schon froh, dass die teilnehmenden Teams nicht mehr die Produktion der TV-Bilder bezahlen müssen. Trotzdem kalkuliert der MTV für die Startgebühr, die Reisen und die Heimspiele mit Kosten zwischen 100 000 und 150 000 Euro. Demgegenüber stehen Einnahmen aus dem Ticketverkauf und von Sponsoren sowie etwaige Preisgelder. „Bei unseren Fans und Partnern ist eine große Euphorie zu spüren. Es gibt für uns alle nichts Größeres als die Champions League“, sagt Aurel Irion, der Geschäftsführer von Allianz MTV Stuttgart, „doch solange für die TV-Rechte keine Gelder fließen, ist für einen Verein, der mit dem Viertelfinale sein sportliches Maximum erreicht, nichts zu verdienen.“ Die Königsklasse ist aber, zumindest wenn es gut läuft, auch kein Zuschussgeschäft mehr. Und wenn doch? Würde in Stuttgart trotzdem niemand über den Sinn einer Teilnahme nachdenken. Der MTV hat mit seinen vier großen Partnern Absprachen getroffen, die garantieren, dass eine Absage ausgeschlossen ist. „Wir können die Champions League jetzt und künftig in jedem Fall stemmen“, sagt Irion, „einen Verzicht wird es nicht mehr geben.“ Sondern stattdessen den Blick nach vorne.

Das Pokal-Halbfinale steht an

An diesem Mittwoch gilt es, in Lodz den ersten Schritt in Richtung Viertelfinale zu gehen, danach folgt am Samstag (19.40 Uhr) in der Scharrena das brisante Pokal-Halbfinale gegen den SSC Schwerin. „Die Mannschaft bräuchte eigentlich noch ein bisschen Zeit, um ihr höchstes Niveau zu erreichen“, sagt Geschäftsführer Irion, „was nichts daran ändert, dass diese beiden Spiele enorm wichtig sind.“ Auch, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

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