Das Ende einer Ära bei Allianz MTV Stuttgart: Die langjährige Sportdirektorin Kim Renkema wird an diesem Samstag offiziell verabschiedet. Foto: Baumann/Julia Rahn
Kim Renkema, die langjährige Sportdirektorin des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart, wird an diesem Samstag offiziell verabschiedet. Die unschöne Trennung von ihr hat auch finanzielle Folgen – drei Sponsoren haben gekündigt.
Jochen Klingovsky
27.02.2025 - 17:18 Uhr
Das Bundesliga-Duell an diesem Samstag (19 Uhr) gegen den SC Potsdam ist enorm wichtig für Allianz MTV Stuttgart: Der Triple-Sieger darf keine Punkte mehr abgeben, um zumindest als Hauptrunden-Zweiter in die Play-offs um die Meisterschaft einzuziehen. Und trotzdem werden in der Scharrena nicht nur die Volleyballerinnen auf dem Feld im Fokus der Fans stehen – schließlich wird an diesem Abend Kim Renkema offiziell verabschiedet.
Die Enttäuschung vieler MTV-Anhänger über die Trennung von der langjährigen Sportdirektorin ist immer noch groß. Die Antwort auf die Frage, wie sehr ihre Führungskraft und ihr Netzwerk sportlich fehlen werden, wird es in der Zukunft geben. Einige Verluste, die mit ihrem Abgang zu tun haben, schlagen jedoch schon früher zu Buche.
Sponsoren
Aktuell dürfte der Jahresetat von Allianz MTV Stuttgart bei rund 2,3 Millionen Euro liegen. Nicht unwahrscheinlich ist, dass der Volleyball-Bundesligist in der nächsten Saison mit etwas weniger Geld auskommen muss. Diese Einschätzung hat mit der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation in Deutschland zu tun, aber auch mit dem Abschied von Kim Renkema. Nach Informationen unserer Zeitung haben mindestens drei Sponsoren ihr Engagement beendet, weil sich der Verein von der Sportdirektorin getrennt hat.
Zu diesen drei Unternehmen gehören zwei Premiumpartner (dritte Kategorie nach den beiden Toppartnern Allianz und Scharr sowie den beiden Hauptpartnern Kärcher und Sparda-Bank). Markus Zimmer, Leiter Marketing und E-Commerce bei Bito-Lagertechnik, teilte auf Anfrage mit, dass seine Firma künftig beim Thema Sponsoring ihren Fokus auf den Bereich Fußball (1. FC Kaiserslautern, Icon League) lege. Das Kündigungsschreiben aus Meisenheim soll allerdings explizit den Hinweis darauf enthalten haben, dass das Ende der Partnerschaft am Ausscheiden von Kim Renkema liege.
Ihre Wege haben sich getrennt: Kim Renkema und Aurel Irion. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch
Aus dem selben Grund hat auch Citizen Machinery Europe sein Engagement bei Allianz MTV Stuttgart aufgekündigt. Nach Informationen unserer Zeitung überwies das Esslinger Unternehmen – je nach Erfolgsprämie – pro Saison einen Betrag zwischen 50 000 und 70 000 Euro an Allianz MTV Stuttgart, dem Vernehmen nach wäre der Vertrag verlängert worden, wäre Kim Renkema im Amt geblieben. Allerdings soll es, trotz der Kündigung, eventuell noch ein Gespräch mit Geschäftsführer Aurel Irion und ein offenes Hintertürchen für eine Rückkehr geben. Bestätigen mochte Marketingchef Sascha Gersmann dies alles nicht: „Zu den Details wollen wir uns nicht äußern.“
Wesentlich auskunftsfreudiger war Dirk Mölter. Mit seinem Winterbacher Reisebüro organisierte er in den vergangenen Jahren alle Reisen des Stuttgarter Bundesliga-Teams, zudem investierte er eigenen Aussagen zufolge als Sponsor einen „fünfstelligen Betrag“. Das wird er künftig nicht mehr tun. „Grund für unseren Abschied ist die Trennung von Kim Renkema und die fehlende Wertschätzung ihr gegenüber. So geht man nicht mit jemandem um, dem man so viel zu verdanken hat“, sagte Dirk Mölter, „Kim Renkema ist dafür verantwortlich, dass Allianz MTV Stuttgart zu einem europäischen Spitzenverein geworden ist. Ohne sie möchte ich nicht mehr Teil dieses Projekts sein.“
Zu den drei Kündigungen wollte sich Aurel Irion nicht äußern, wohl aber zur allgemeinen Situation. „Angesichts der wirtschaftlichen Lage ist der Kampf um Sponsoren nicht einfacher geworden“, sagte der Geschäftsführer des Meisters, „wir werden nach dieser Saison eine kleine Anzahl an Sponsoren verlieren, gleichzeitig haben wichtige Partner positive Signale gesendet. Wir müssen für die Zukunft mit einer kleinen Reduzierung der Sponsoringeinnahmen rechnen, werden aber alles dafür tun, damit es anders kommt.“
Betreuerstab
Seit 2015 ist Stefan Zieger einer der ehrenamtlichen Mannschaftsärzte von Allianz MTV Stuttgart, in der nächsten Saison wird der Internist und Kardiologe nicht mehr am Ball sein. „Es war ein tolles Netzwerk aus Leuten, die das Stuttgarter Volleyball-Projekt unglaublich erfolgreich gemacht haben“, sagte Stefan Zieger, „nun wurde dieses Netzwerk kaputt gemacht – wie die Vereinsverantwortlichen dies initiiert, durchgezogen und nicht stimmig kommuniziert haben, ist beispiellos. Ich halte Kim Renkema für genial, sie war zusammen mit den Trainern der wesentliche Grund für die Erfolge. Was die Zukunft von Allianz MTV Stuttgart angeht, bin ich persönlich sehr pessimistisch.“
Ehrenamtliche
Nach der Trennung von Renkema haben einige ehrenamtliche Helfer ihren Job sofort hingeschmissen, wie viele am Ende der Saison folgen werden, ist unklar. Aus Sicht von Aurel Irion ist das kein ungewöhnlicher Vorgang. „Wir haben ein Team aus 60 bis 70 Ehrenamtlichen“, sagte der Geschäftsführer, „regelmäßig stoßen weitere Helfer hinzu, es fallen aus unterschiedlichen Gründen aber auch immer mal wieder welche weg. Die Ausfälle, die wir bisher in dieser Saison hatten, haben wir kompensiert.“