Allianz MTV Stuttgart in der Krise Es gibt finanziellen Spielraum für eine Verstärkung

Maria Segura Palleres im Block: In der Champions League kommt es nun auch auf die Widerstandsfähigkeit von Allianz MTV Stuttgart an. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Volleyballmeister Allianz MTV Stuttgart befindet sich in einer schwierigen Situation: Ist das Spiel in der Champions League in Rumänen Belastung oder Chance?

Nach dem blamablen Pokal-Aus beim SC Potsdam (1:3) hat Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart nicht viel Zeit, um über Wege aus der sportlich größten Krise der vergangenen Jahre nachzudenken: Schon an diesem Mittwoch steht ab 19 Uhr bei CSO Voluntari in der rumänischen Hauptstadt Bukarest das nächste wichtige Auswärtsspiel an – es geht darum, die kleine Chance auf das Erreichen der Play-offs um den Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse zu wahren. Oder ist das gerade gar nicht das Thema? „Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein“, sagt Geschäftsführer Aurel Irion, „nach den beiden Niederlagen in Potsdam in der Bundesliga und im Pokal darf keiner bei uns glauben, dass wir zu den besten acht Teams in Europa gehören.“

 

Kommt die Champions League also zur Unzeit, weil der Triple-Sieger der vergangenen Saison aktuell ganz andere Sorgen hat? Von wegen! „Das Spiel in Rumänien ist sehr wichtig für uns, denn nur mit Siegen gewinnt man an Selbstvertrauen“, sagt Kim Renkema, die Sportdirektorin von Allianz MTV Stuttgart. Und Aurel Irion erklärt: „Die Champions League ist genauso bedeutsam, wie sie es vor unseren Pokal-Aus war. Vielleicht schaffen wir es ja am Mittwoch in einem Spiel, in dem wir keinen großen Druck haben, zu unserer Form zu finden und als Team zusammenzuwachsen.“

Aurel Irion: „Das macht keinen Spaß“

Der Geschäftsführer ist nicht in Potsdam gewesen, er verfolgte zu Hause, wie seine Mannschaft in den Sätzen eins und drei hoch zurücklag (2:9, 0:9) und letztlich chancenlos war. „Wie wir uns präsentiert und am Ende aufgegeben haben, war für mich unverständlich“, meint Irion, „wir kommen aus der erfolgreichsten Phase der Vereinsgeschichte, umso mehr tut es weh, derart auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Das macht keinen Spaß, ist sehr unangenehm und äußerst schmerzhaft.“

Vor allem zwei Punkte findet Aurel Irion „enttäuschend“. Wenn er sich anschaue, was die neuen Spielerinnen leisten, nicht nur auf der Zuspiel-Position, „dann gibt es da viel Luft nach oben“. Und auch „wie unsere etablierten Kräfte derzeit agieren, gefällt mir nicht“. Es werde nun eine tiefer gehende Analyse erfolgen, um zu ergründen, wie nachhaltig die Probleme sind: „Vielleicht müssen wir uns ja mit dem Gedanken anfreunden, mal eine Saison weniger erfolgreich zu sein. Wir haben kompetentes Personal, das für den sportlichen Bereich zuständig ist. Ich bin gespannt, welche Erklärungen und Lösungsansätze kommen.“

Wie viel Zeit bleibt für Verbesserungen?

Einer könnte sein, den Kader noch einmal zu verstärken – zum Beispiel im Zuspiel, wo die Sorgen am größten sind. Obwohl es im Pokal (kein Heimspiel) und in der Champions League (womöglich kein zusätzliches Heimspiel, kaum Siege) weniger Ticketeinnahmen und Prämien als erhofft geben wird, besteht laut Irion durch das Plus aus dem Supercup-Duell gegen den SSC Schwerin in der Porsche-Arena ein kleiner finanzieller Spielraum, weshalb es nicht ausgeschlossen sei, dass personell nachgebessert werde – „sofern der Markt eine sinnvolle Lösung hergibt“.

Ein positiver Aspekt für den kriselnden Meister und Bundesliga-Dritten ist, dass der DM-Titel erst im Frühjahr 2025 ausgespielt wird und bis zu den Play-offs noch genügend Zeit bleibt, um sich zu entwickeln. Auch wenn es dem Geschäftsführer am liebsten wäre, wenn sein Team – weil es noch genügend Heimspiele gibt, für die Karten verkauft werden müssen – schon morgen wieder zu alter Klasse zurückfinden und den bekannt attraktiven Volleyball zeigen würde. „Wir tun gut daran, uns schnell zu verbessern“, sagt Irion, „national wie international.“

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