Allianz MTV Stuttgart Krystal Rivers fehlt – und steht im Fokus

Schmerzlich vermisst: Krystal Rivers, die Kapitänin von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Auf das Finale um die Deutsche Volleyball-Meisterschaft folgt die Diskussion, ob es mit der stärksten Spielerin von Allianz MTV Stuttgart anders ausgegangen wäre.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Dresden - Es war eine berührende Geste. Als sich die Stuttgarter Volleyballerinnen nach der verlorenen Finalserie zum letzten Mannschaftsbild der Saison versammelten, formten alle mit dem Zeigefinger der einen und drei Fingern der anderen Hand die Zahl 13 – die Rückennummer von Krystal Rivers. Die Diagonalangreiferin, die nach einem Infekt mit hohem Fieber tagelang im Krankenhaus gelegen hatte, wurde am Samstag aus der Klinik entlassen, just zu dem Zeitpunkt, als ihre Teamkolleginnen in Dresden vergeblich um den Titel kämpften. Weshalb dort, obwohl sie gar nicht vor Ort war, vor allem über Krystal Rivers diskutiert wurde.

 

Meinungen gehen auseinander

Das Fehlen der US-Amerikanerin in den Spielen vier und fünf, so viel war klar, hat die Chancen von Allianz MTV Stuttgart auf die Titelverteidigung geschmälert. Wie sehr, darüber gingen die Meinungen auseinander. „Es ist enorm schade, dass wir das Finale nicht in voller Stärke beenden konnten“, meinte Kim Renkema, die Sportchefin von Allianz MTV Stuttgart, „sonst wäre das Ergebnis wahrscheinlich anders ausgefallen.“ Und Trainer Tore Aleksandersen sagte: „Glückwunsch an den Dresdner SC. Aber in meiner Vorstellung hätten wir mit Krystal Rivers in dieser Finalserie niemals drei Duelle nacheinander verloren. Sie macht 30 Punkte, selbst wenn sie schlecht spielt. Das hätte für uns gereicht.“

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Alexander Waibl, der Coach des Dresdner SC, sprach Allianz MTV Stuttgart zwar sein Mitgefühl aus („Kompliment an unseren Gegner!“), er sagte aber auch: „Es wäre nicht richtig, unseren Erfolg auf das Fehlen von Krystal Rivers zu reduzieren. Als klar war, dass sie ausfällt, hat das die ganze Sache emotional eher schwieriger gemacht.“ Ähnlich sah es Lenka Dürr. „Sich auf die vielen Rotationen im Stuttgarter Team einzustellen, war echt übel“, erklärte die DSC-Libera, „dass Krystal Rivers nicht dabei war, hat die Situation für uns nicht erleichtert.“

Riskante Kaderplanung?

Am Ende ging es dann noch um die Frage, ob sich Allianz MTV Stuttgart womöglich zu sehr auf die Klasse einer Spielerin verlässt. „Wenn man es sich leisten kann und will, auf eine Sache zu setzen, muss das nicht falsch sein“, sagte Waibl, „dann muss man aber auch mit dem Risiko leben, dass es schwierig wird, wenn einem diese Sache wegbricht.“ Kein Wunder, dass Renkema diese Sicht auf ihre Kaderplanung nicht teilte: „Wir haben diesmal sehr viel in die Breite unseres Teams investiert. Natürlich ist Krystal Rivers unsere absolute Leistungsträgerin. Aber der Ausfall der besten Spielerin wäre für fast jedes Volleyball-Team katastrophal, das wäre beim Dresdner SC auch nicht anders, wenn Maja Storck nicht spielen könnte.“

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Die Diagonalangreiferin, die den DSC durch die Finalserie geschmettert hat und als wertvollste Akteurin der Saison ausgezeichnet wurde, wollte sich an der Diskussion nicht groß beteiligen. „Es war schade, dass Krystal Rivers nicht auf dem Feld stand, sie hätte es absolut verdient gehabt“, meinte die Schweizerin nur, „ich wünsche ihr, dass sie schnellstmöglich wieder gesund wird.“

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