Verteidigt seine Linie: Konstantin Bitter, Trainer von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann
Die Stuttgarter Volleyballerinnen scheitern im Play-off-Halbfinale erneut an sich selbst – Konstantin Bitter muss nun ein neues Team mit einer größeren Siegermentalität formen.
Die Verantwortlichen des Dresdner SC gaben sich viel Mühe, der Zeremonie einen würdevollen Rahmen zu geben. Und trotzdem blieb es eine Ehrung, die keine Volleyballerin braucht. Nachdem sie auch das zweite Duell der Play-off-Halbfinalserie mit 2:3 (25:20, 21:25, 23:25, 26:24, 13:15) verloren hatten, erhielt jede Spielerin von Allianz MTV Stuttgart eine Rose und eine bronzene Plakette für Rang drei in der Meisterschaft. Getröstet hat dies niemand. „Das Saison-Aus ist unglaublich bitter“, sagte Kapitänin Antonia Stautz später, und sie sprach auch über die Gefühlslage in der Kabine: „Frust, Enttäuschung – und jede Menge Tränen.“ Weil so viel mehr möglich war.
Trotz des großen Umbruchs im Sommer 2025 hat Allianz MTV Stuttgart eine famose Bundesliga-Saison gespielt, 19 von 20 Partien gewonnen, klar Rang eins belegt. Und dennoch stand das Team, abgesehen von den Blumen und Bronzemedaillen, am Ende mit leeren Händen da. Das Pokalfinale gegen den VfB Suhl war ebenso im Tiebreak verloren worden wie nun die beiden Halbfinalduelle in der Meisterschaft gegen den Dresdner SC, beim ersten in der Scharrena hatte das MTV-Team sogar drei Matchbälle verspielt. „Wir haben die Serie schon daheim aus der Hand gegeben, unsere Leistung in Dresden war gut“, sagte Geschäftsführer Aurel Irion, dem das Ausscheiden sichtlich naheging. „Wir waren zweimal so knapp dran. Am Ende keinen Titel geholt zu haben, tut sehr weh.“ Ein Grund war die fehlende Durchschlagskraft.
Konstantin Bitter: „Wir waren nicht konsequent genug“
In Monika Brancuska (VfB Suhl) und Marta Levinska (Dresdner SC) verfügen die beiden großen Konkurrenten über herausragende Diagonalangreiferinnen, die eine entschied das Pokalendspiel, die andere das zweite Play-off-Halbfinale. Levinska machte am Mittwochabend 32 Zähler für den DSC, die Stuttgarter Diagonalangreiferinnen Pauline Martin und Lydia Grote kamen zusammen auf 16. Noch entscheidender war aus Sicht von Konstantin Bitter aber ein anderer Punkt. „Wir sind in diesen drei entscheidenden Spielen nicht cool und konsequent genug gewesen“, sagte der MTV-Trainer, „unter Stress haben wir schlechte Entscheidungen getroffen, es fehlte uns an taktischer Disziplin. Es lag nicht ansatzweise am Willen, das Team hat immer alles gegeben. Aber in den Momenten, in denen es drauf ankam, waren wir nicht gut genug. Wir hatten diese Saison krass gute Resultate. Doch man muss am Ende auch in den großen Spielen abliefern. Das haben wir nicht geschafft.“ Was die Fans sehr beschäftigt.
Am Block zerschellt: Antonia Stautz und die Stuttgarter Volleyballerinnen scheitern im Play-off-Halbfinale am Dresdner SC. Foto: Imago/Matthias Rietschel
In den sozialen Medien häuften sich nach der zweiten titellosen Saison die kritischen Stimmen, kontrovers diskutiert wurde auch über den Coach. „Ich verstehe die Emotionen der Fans. Die Kritik im Netz ist Teil unserer Zeit, damit muss man umgehen können. Ich nehme sie lieber auf mich, als dass sie auf die Mannschaft abzielt“, sagte Konstantin Bitter, „ich bin bereit, jedem alles zu erklären, solange es respektvoll bleibt. Letztlich bin ich aber vor allem meiner Mannschaft und dem Verein Rechenschaft schuldig. Ich weiß, dass der Club hinter mir steht, und der Club weiß, warum ich welche Entscheidung getroffen habe.“ Dies unterstrich Aurel Irion.
Der Geschäftsführer stärkte dem Trainer, dessen Vertrag nach dem Pokalfinale vorzeitig bis 2030 verlängert worden war, den Rücken. „Es sind wenige und immer dieselben Leute, die alles bei uns kritisieren. Das lassen wir nicht an uns heran“, sagte Aurel Irion, „wir haben entscheidende Spiele leichtfertig verloren, aus der Vergangenheit aber gelernt, dass es Kontinuität braucht, um erfolgreich zu sein. Konstantin Bitter ist ein junger Trainer, der noch auf dem Weg ist, sich zu entwickeln. Doch wir sind absolut überzeugt von ihm und seiner Arbeit. Er hat nun die große Aufgabe, die Siegermentalität ins Team zu bekommen, die uns durch das Karriereende von Krystal Rivers und Maria Segura Pallerés vor einem Jahr abhandengekommen ist.“ Was alles andere als einfach wird.
Denn Allianz MTV Stuttgart verliert ein Sextett, darunter in Kapitänin Antonia Stautz („So oft im Tiebreak zu verlieren, ist eine mentale Sache“) und Mittelblockerin Lucia Varela Gomez zwei Stützen des Teams. Auf der anderen Seite bleiben zehn Spielerinnen, so viele wie selten zuvor. Wie die vier externen Neuzugänge, die noch nicht bekannt sind, einschlagen werden, weiß niemand. Doch fest steht für Konstantin Bitter, dass er ab August andere Schwerpunkte setzen kann als vor einem Jahr. „Wir starten als Team von einem anderen Punkt in die Vorbereitung. Viele Spielerinnen wissen, wie wir arbeiten, kennen das System“, erklärte der Coach, „wir können den Fokus von Anfang an auf die mentale Stärke in Drucksituationen legen. Die Dresdnerinnen sind absolute Mentalitätsmonster – wir müssen noch lernen, auch große Spiele zu gewinnen.“
Um am Ende nicht wieder eine Ehrung zu erleben, die niemand braucht.