Die Blaubären-Anhänger aus Flacht schafften in der Scharrena in Stuttgart eine Heimspiel-Atmosphäre und feierten die Volleyballerinnen – da störte das klare 0:3 nur wenig. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch
Bundesliga-Aufsteiger TSV Flacht wird bei Allianz MTV Stuttgart im Volleyball-Derby in 59 Minuten mit 0:3 abgefertigt. Manager Michael Kaiser ist aber stolz auf die Fan-Kultur.
Henning Maak
16.11.2025 - 13:00 Uhr
An den Fans lag es nicht. Die blaue Wand der Binder Blaubären Flacht feierte jeden Block und jeden Punkt ihrer Mannschaft bei der Bundesliga-Partie in der Stuttgarter Scharrena frenetisch. „Unsere gut 300 Fans waren zeitweise so laut, dass man sich fragen konnte, wer die Heimmannschaft ist“, meinte Manager Michael Kaiser. Das seien die Werte, die die Blaubären tragen, und auf denen man die Mannschaft Schritt für Schritt weiterentwickeln wolle, fügte er hinzu.
Dass sportlich eine Riesenlücke zwischen dem Aufsteiger und dem viermaligen deutschen Meister und sechsmaligen Pokalsieger klaffen würde, war zu erwarten. Kaum eine Stunde dauerte es, ehe das 0:3 (8:25, 12:25, 18:25) gegen den großen Nachbarn feststand. „Für uns war das ein Highlight- und ein Image-Spiel. Wir wussten, was uns sportlich erwartet“, führte Kaiser weiter aus. „Insbesondere die acht Punkte im ersten Satz tun weh, zweistellig sollte man schon werden“, meinte auch Trainer Manuel Hartmann, der dennoch positive Aspekte fand.
Stuttgart greift an: Allianz-Spielerin Antonia Stautz (li.) schmettert gegen die Blaubären Roxana Vogel (li.) und Lizzy Irine Lobzhanidze (re.) Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch
So sei es der Mannschaft im dritten Satz gelungen, etwas freier aufzuspielen und auch den ein oder anderen längeren Ballwechsel für sich zu entscheiden. Tatsächlich lagen die Blaubären zu Beginn mit 1:0 und 3:2 in Führung und veranlassten Stuttgarts Coach Konstantin Bitter, beim Stand von 8:7 eine Auszeit zu nehmen. Bis zum 11:8 konnten die Gäste den Durchgang offen gestalten, ehe sich Stuttgart vorentscheidend absetzte.
Allianz MTV Stuttgart ein paar Nummern zu groß für Binder Blaubären Flacht
Das lag auch daran, dass Stuttgart seine starken Aufschläge wiederfand, mit denen Allianz MTV den Blaubären in den ersten beiden Durchgängen den Zahn gezogen hatte. Im ersten Satz dauerte es einmal zehn Punkte, ehe Flacht Stuttgarts 1,98 Meter große Mittelblockerin Lucia Varela von der Aufschlaglinie wegbrachte – da war Allianz MTV von 11:5 auf 21:5 weggezogen. „Nicht nur, aber auch wegen unserer Annahme dauert es diese Saison immer zu lange, bis wir in Erfolg versprechende Angriffspositionen kommen“, erläuterte Coach Hartmann.
Und anders herum leisteten sich die Flachterinnen just in der entscheidenden Phase im dritten Satz selbst vier Aufschlagfehler, im gesamten Spiel waren es zehn. Und auch den letzten Punkt musste sich Allianz MTV nicht selbst erarbeiten: Eine Netzberührung war dafür verantwortlich, dass die Stuttgarterinnen nach 59 Minuten Spielzeit das Feld als Sieger verließen. „Ein eigener Fehler beim Matchball des Gegners ist leider auch ein Aspekt, der sich durch unsere Saison zieht“, meinte Hartmann.
Wie sich ein Sieg in der Scharrena anfühlt, wusste als einzige im Blaubären-Trikot Frauke Neuhaus. Die Diagonalangreiferin stand im Team des Schweriner SC, der 2022 im Pokal-Halbfinale in Stuttgart mit 3:2 gewann und danach Pokalsieger wurde. „Mit Schwerin wollten wir gewinnen. Heute ging es nur darum, so viele Punkte wie möglich zu machen“, erklärte die 32-jährige Kapitänin. Im dritten Satz habe das Team ganz gut dagegen gehalten, in den ersten beiden Durchgängen habe die Aufregung auch eine Rolle gespielt. Dennoch könne die Mannschaft einiges mitnehmen, etwa wie man gegen einen richtig guten Block zu spielen habe.