Das erste Pflichtspiel der Saison steht an – mit der ersten Titelchance. Im Supercup treffen die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart am Sonntag (17 Uhr/Sport 1) in der Porsche-Arena auf den SSC Schwerin. „Wir wissen, dass uns alle jagen werden“, sagt Coach Konstantin Bitter.
Herr Bitter, bei der Teampräsentation in dieser Woche standen vorne an der Bühne die Meisterschale, der Pokal und der Supercup. Wie groß ist der Druck, der daraus entsteht, ständig an die Triple-Saison erinnert zu werden?
Für mich ist das kein Druck.
Wirklich nicht?
Es sind drei Titel, die einem niemand wegnehmen kann und auf die man immer stolz sein darf. Aber es ist Vergangenheit. Jetzt geht es darum, die Zukunft so zu gestalten, dass wir die Freude, eine solche Trophäe in die Höhe zu strecken, erneut erleben dürfen. Das könnte sogar noch emotionaler werden.
Warum?
Weil wir einen Neuanfang starten – mit vielen Spielerinnen, die sich erst dahin entwickeln müssen, Titel gewinnen zu können.
Hat die Triple-Saison Sie persönlich in irgendeiner Art und Weise verändert?
Das Selbstverständnis schon ein bisschen. Denn diese Titel waren eine Bestätigung, dass ich es kann. Dass ich am richtigen Ort bin. Dass wir gut gearbeitet haben. Und zugleich wissen wir: Wer stehen bleibt, kann so einen Erfolg nicht wiederholen.
Sie sprechen oft von einem Umbruch, dabei sind nicht nur die drei Urgesteine Krystal Rivers, Roosa Koskelo und Maria Segura Palleres weiter dabei, sondern auch Olympia-Teilnehmerin Jolien Knollema. So neu ist die Geschichte, die nun beginnt, doch gar nicht.
Das sehe ich anders.
Weshalb?
Wir hatten in der vergangenen Saison ein Team, in dem wir keine Sekunde darüber sprechen mussten, was Volleyball in Stuttgart bedeutet. Diesmal müssen wir jeder Einzelnen, die dazugekommen ist, aufzeigen, was unsere Philosophie ist und welche Werte wir leben. Das wird Zeit brauchen.
Und trotzdem droht doch, wenn Rivers, Koskelo und Segura, die alle den 30. Geburtstag schon hinter sich haben, mal aufhören, der viel größere Umbruch.
Der wird unausweichlich kommen. Doch damit beschäftigen wir uns, wenn es so weit ist.
Was sind die Stuttgarter Werte, von denen Sie immer wieder sprechen?
Da gehen wir sehr weit in einen Bereich hinein, der absolut intern ist. Grundsätzlich bedeutet es: Je schwieriger der Weg ist, umso gestärkter gehen wir daraus hervor. Für uns ist kein Berg zu hoch.
Darauf verständigt sich das komplette Team in jedem Jahr neu?
So ist es es. So schwer der Weg auch wird – wir werden ihn gemeinsam meistern.
Ist Ihre neue Gruppe schon ein Team?
Ich glaube, dass die Mannschaft sich bereits sehr gut versteht, auch außerhalb des Feldes. In der Kabine, so wird mir erzählt, gibt es eine große Harmonie. Doch jetzt beginnen die Spiele, es wird schwierige Momente geben. Entscheidend ist dann, diese zu überstehen und immer weiter zusammenzuwachsen.
Was sind die Ziele für diese Saison?
Das Selbstverständnis aufrechtzuerhalten, dass wir zu den besten Mannschaften in Deutschland und in der Champions League gehören. Und auch, die Leute, die zu uns in die Halle kommen, weiter zu begeistern.
Werden die Fans die eine oder andere Niederlage mehr verkraften müssen?
Das wäre nicht neu für sie.
Inwiefern?
Wir mussten vergangene Saison Spiele verlieren, um am Ende alle drei Titel gewinnen zu können. Damals gab es durchaus Kritik, weil wir mit Blick auf die Belastungssteuerung Niederlagen in Kauf genommen haben. Sollte das wieder nötig sein, werden wir uns erneut nicht mit der Kritik beschäftigen, sondern auf uns selbst schauen.
Ihr Kader scheint diesmal ausgeglichener besetzt zu sein, auf jeder Position gibt es einen Konkurrenzkampf. Wie komfortabel ist das für einen Trainer?
Einerseits ist es eine schöne Situation. Andererseits muss ich jeder Spielerin die Chance geben, sich zu zeigen. Alle wissen, dass sie wichtig fürs Team sind, ich muss es allerdings schaffen, dass dies auch jede spürt. Das wird eine Herausforderung.
Werden Sie künftig mehr rotieren?
Ja.
Sie betonen immer wieder, wie wichtig die Champions League für die Entwicklung Ihres Teams ist. Warum?
Das Niveau ist schon in der Gruppenphase enorm hoch. Spiele gegen die besten Teams der Welt sind immer eine gute Lektion, egal wie sie ausgehen. Wir hätten das Triple ohne die Champions League nicht gewonnen.
Das müssen Sie uns erklären.
Das Bekenntnis, selbst den schwierigsten Weg gemeinsam zu gehen, wurde in der Königsklasse auf eine harte Probe gestellt. Diese haben wir mit dem Einzug in Viertelfinale bestanden. Das hat uns extrem viel Kraft für den Rest der Saison gegeben.
Ist wieder der Viertelfinaleinzug das Ziel?
Das ist auf jeden Fall möglich, den Anspruch haben wir. Allerdings ist die Herausforderung noch größer, denn es gibt diesmal in der Gruppenphase keinen Außenseiter, gegen den zwei Siege Pflicht sind.
An diesem Sonntag geht es in der Porsche-Arena um den ersten Titel der Saison. Wie wichtig ist der Supercup gegen den SSC Schwerin?
Schon wichtig, aber unabhängig vom Resultat. Natürlich wollen wir gewinnen, und ein Sieg wäre auch perfekt fürs Selbstvertrauen.
Wenn es nicht reichen sollte . . .
. . . bringt es enorm viel Erfahrung, ein solches Finale gespielt zu haben. Viele meiner Spielerinnen haben den Druck, der in so einem Duell vor 5500 Fans entsteht, noch nie gespürt. Da muss man erst mal cool bleiben.
Was dürfen die Zuschauer von Ihrem Team auf jeden Fall erwarten?
Wir werden mit viel Herz und großem Willen auftreten. Die Volleyball-Qualität wird sein, wie sie eben ist in einem allerersten Spiel.
Was muss passieren, damit Sie in einem Jahr sagen können: Es war erneut eine erfolgreiche Saison? Müssen wieder drei Trophäen auf der Bühne stehen?
Nein. Wir wissen, dass uns alle jagen werden. Deshalb wäre ich glücklich, wenn ich sagen könnte, dass wir erneut eine große Spieldominanz und Selbstsicherheit entwickelt und dem Druck standgehalten haben – auch im Pokalfinale und den Play-offs.
Wenn das gelingt, dann wurden auch wieder Titel gewonnen.
Schön wäre es. Darauf arbeiten wir auf jeden Fall hin – mit allem, was wir haben.
Der Stuttgarter Triple-Trainer
Volleyball
Konstantin Bitter wurde 1989 als Sohn russlanddeutscher Eltern im heutigen Kasachstan geboren. Aufgewachsen ist er in der Schweiz. Dort begann er einst auch seine Karriere als Volleyballtrainer. 2015 ging er nach Deutschland. Über die Roten Raben Vilsbiburg und den Dresdner SC kam er zu SW Erfurt, wo er 2021 erstmals Chefcoach wurde. 2023 wechselte er zu Allianz MTV Stuttgart und holte mit dem Team direkt das Triple.
Familie
Bitter ist mit der Ex-Nationalspielerin Lenka Dürr verheiratet. Die beiden haben einen Sohn.