Allmersbach: Ausbildungszertifikat für Harro Höfliger Die Säulen des Unternehmens

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Der Allmersbacher Sondermaschinenhersteller Harro Höfliger wird für sein besonderes Engagement in der Ausbildung ausgezeichnet. Markus Höfliger erklärt, warum dieses Engagement auch Selbstzweck ist.

Das erste Ausbildungsjahr verbringen die Lehrlinge komplett in der Harro-Höfliger-Academy. Dort werden ihnen die Grundfertigkeiten ihres Berufs beigebracht. Foto: Gottfried Stoppel
Das erste Ausbildungsjahr verbringen die Lehrlinge komplett in der Harro-Höfliger-Academy. Dort werden ihnen die Grundfertigkeiten ihres Berufs beigebracht. Foto: Gottfried Stoppel

Allmersbach - Seit der erste Lehrling im Jahr 1981 bei Harro Höfliger seinen Vertrag unterschrieben hat, haben dort 400 junge Menschen ihre Ausbildung absolviert. 120 sind es aktuell, am 1. September sind 36 neue hinzugekommen.

Doch nicht allein die Menge macht für Christine Käferle das außerordentliche Engagement des Allmersbacher Sondermaschinenherstellers in der betrieblichen Berufsausbildung aus. „Man merkt, dass Ihnen Ausbildung ganz, ganz wichtig ist“, sagt die Leiterin der Arbeitsagentur Waiblingen. Für dieses besondere, auch gesellschaftlich relevante Engagement ist das Unternehmen jetzt mit einem entsprechenden Zertifikat der Arbeitsagentur gewürdigt worden. Die Auszeichnung wird nur einmal im Jahr verliehen.

„Wir müssen besser sein als die anderen“

Vom Zerspanungsmechaniker über den Elektriker, Mechatroniker oder Fachinformatiker bis zum Dualen Studium in den Fachrichtungen Elektrotechnik oder Maschinenbau: Die Möglichkeiten der Ausbildung bei Höfliger sind vielfältig. Für Aus- und Weiterbildung hat das Unternehmen eigens die „Harro-Höfliger-Academy“ eingerichtet – und das hat durchaus einen traditionell unternehmensphilosophischen Hintergrund: „Wir müssen technologisch besser sein als die anderen, um erfolgreich zu sein“, sagt der Firmenchef Markus Höfliger, „und dafür brauchen wir die besseren Leute.“

Am liebsten ist ihm, wenn seine Firma diese Leute selbst ausgebildet hat, denn dann müsse man einer neuen Fachkraft nicht erst mühsam nahe bringen „wie unser Unternehmen tickt“. 60 Prozent aller Ausbildungsverträge mündeten nach dem Ende der Lehrzeit in eine Festanstellung, sagt der Personalchef Uwe Amann. Das Ziel jedes Ausbildungsverhältnisses sei, die Fachkraft zu übernehmen und langfristig im Unternehmen einbauen. Markus Höfliger: „Diese Mitarbeiter sind die Säulen unseres Unternehmens.“

Eine Chance auch für vermeintlich Schwächere

Deshalb sei bei der Auswahl der Azubis auch wichtig, nicht nur potenzielle „Überflieger“ einzustellen, die das Unternehmen möglicherweise sowieso nur als Sprungbrett nutzten. Auch den Schulnoten nach Schwächeren werde eine Chance gegeben, wenn sich im Vorstellungsgespräch andeute, dass sie gut zum Unternehmen passen könnten. Und dabei verlasse er sich voll auf den Instinkt seiner Führungskräfte, sagt Höfliger. „Wir hatten bis heute nie einen Einstellungstest, sondern dafür ein Gespräch, bei dem wir schauen, ob der Mensch zu uns passt – das Fachliche kriegen wir dann schon hin.“

Vom Garagen- zum Weltunternehmen

Ursprünge
Mit einem Ein-Mann-Garagenbetrieb zur Generalüberholung von gebrauchten Kartoniermaschinen hat Harro Höfliger 1975 in in Untertürkheim begonnen. Wenig später zog man als GmbH nach Backnang und 1979 nach Allmerbach im Tal um.

Aktuell
Der Firmengründer ist dieses Frühjahr kurz nach seinem 82. Geburtstag verstorben. Seine Unternehmensanteile an dem Unternehmen mit seinen weltweit rund 1300 Mitarbeitern hat er sechs Jahre zuvor in eine Familienstiftung eingebracht. Seinen Sitz als Vorsitzender des Aufsichtsrats hat sein Sohn Markus Höfliger übernommen. Die Betriebsleistung laut Unternehmensangaben betrug zuletzt 259 Millionen Euro im Jahr 2018.