Auch zwischen den Jahren sind sie im Dienst: Die Alpakas von der Alpakafarm Schaber in Nürtingen-Neckarhausen. Was es bei einer kurzen Wanderung mit kleinen Kindern zu beachten gilt.
Disideria geht ruhig und selbstbewusst. Das Alpaka führt den kleinen Treck mit rund zehn Artgenossen an diesem Samstagmorgen auf Feldwegen bei Nürtingen an, an der Leine geführt von der siebenjährigen Chiara und ihrer Mutter. Disideria hat einen wuscheligen weißen Fellschopf zwischen den aufgestellten Ohren und wie ihre Artgenossen eine Schnute, die wie ein immer freundliches Lächeln ausschaut. „Süß“, findet Chiara das. Deswegen ist sie mit ihrer Familie nun schon zum dritten Mal bei der Familienschnupperwanderung auf der Alpakafarm Schaber. Die verzeichnet auch zwischen den Jahren großen Besucherzulauf, wie der Inhaber Ulrich Schaber berichtet.
Der Aussiedlerhof außerhalb des Nürtinger Stadtteils Neckarhausen bietet Wanderungen und Touren mit den Tieren vor allem für Erwachsene an. Etabliert habe sich aber auch die Alpakaschnupperwanderung für Familien, denn die ist mit 30 Minuten Dauer bei einer kurzen Runde ums Farmgelände auch mit kleinen Kindern unter sechs möglich – das gebe es sonst kaum, sagt Schaber.
Mit Tieren an der frischen Luft: Alpakawanderung für Kinder in den Ferien
Das nutzt auch Chiara Klemms Familie, die mit Vater Daniel, Mutter Dorota und dem zweijährigen Schwesterchen Amilia aus Metzingen gekommen ist. In den Ferien zwischen den Jahren seien sie für gewöhnlich zu Hause und schauten, wie sie die Zeit mit den Kindern mit Leben füllen, sagt Daniel Klemm. „Schön ist die Kombination mit den Tieren und der frischen Luft.“
Zwar schauen die Alpakas niedlich aus. Kuscheltiere seien sie aber nicht, sagt Paul Carib, der auf dem Hof mit den Alpakas arbeitet. Die zur Familie der Kamele gehörenden Tiere mögen es beispielsweise ausgerechnet nicht, wenn man ihnen durch die wuschelige Frisur streicht – sie seien am Kopf empfindlich, erklärt Carib. Nur am Rücken sollte man sie streicheln. Und Ruhe ist den laut Carib eher schreckhaften Tieren weitaus lieber als Lärm. Außerdem mögen Alpakas keine Hitze – an diesem kalten, sonnigen Dezembermorgen herrschen also ideale Bedingungen für eine Tour mit den Tieren, die ursprünglich aus den Anden stammen.
Nürtinger Experte: Alpakas haben eigenen Charakter
„Das Gute ist, dass Alpakas deutlich zeigen, wenn ihnen etwas nicht gefällt“, sagt Carib. Dabei bissen sie aber nicht, sondern zögen sich beispielsweise zurück. Dass sie ihren Gegner anspucken, passiere eher im Streit mit Artgenossen als gegenüber Menschen. Obwohl also das ein oder andere Kleinkind bei der Runde um die Alpakafarm bitterlich weinen muss, sind die Tiere nicht unleidig. Wenn sie auch hin und wieder ihren Menschen an der Leine zu Verstehen geben, dass es nun schneller gehen müsse. Zwischen den Alpakas dürfe kein großer Abstand bleiben, erklärt Carib, sonst fühlten sich die Herdentiere unsicher. Für einige Kleinkinder ist es gar kein so leichtes Unterfangen, Schritt zu halten. Deswegen stoppen Chiara und ihr Alpaka immer mal wieder, damit alle aufschließen können. Dass Disideria den Treck anführt, ist kein Zufall, das können nur mutige Alpakas. Eine Frage des Charakters und nicht des Trainings, sagt Carib.
Vor 22 Jahren kamen die ersten Alpakas nach Nürtingen
Gut 160 Alpakas haben Ulrich und Bettina Schaber auf ihrer Farm. Sie züchten die Tiere seit mittlerweile 22 Jahren. Zuvor hatte die Familie eine Gärtnerei und umfirmiert – samt Paul Carib, der zuvor schon bei den Schabers gearbeitet hatte und sich mit ihnen zum Alpakaexperten entwickelte. Ein Karrierewechsel, der sich offenbar als erfolgreich erwiesen hat: Auch zwischen den Jahren ist viel los auf den Touren und im Hofladen. Besuchertage sind freitags und samstags.