Alpintouren im Kreis Esslingen Alpine Welten vor der eigenen Haustüre

Alpiner geht auch in den Alpen nicht: Das Felsenmeer markiert das Ende des Felssturzes unterhalb des Lenninger Wielandsteins. Foto: oh/Sauer

Der Autor Philipp Sauer hat ein Buch geschrieben für Wanderer im Ländle, die hoch hinaus wollen.

Kreis Esslingen - Auf der Schwäbischen Alb, genauer: im Lenninger Tal, gibt es eine Bergwacht. Wo es eine Bergwacht gibt, gibt es Berge. Wo es Berge gibt, gibt es Bergtouren. Und wo es Bergtouren gibt, gibt es alpines Gelände. Dieser Logik folgend, hat der in Plochingen geborene und in Bad Urach lebende Autor Philipp Sauer 20 alpine Pfade in Baden-Württemberg in Buchform gebracht.

 

Die Tourenbeschreibungen haben einen Nerv getroffen. Obwohl sie schon weit vor dem Corona-Dilemma in den Regalen der Buchläden standen, hat ihnen der durch die Pandemie-Einschränkungen hervorgerufene kollektive Natur-und Bewegungshunger zusätzlichen Rückenwind verschafft. Die erste Auflage war schnell vergriffen. Nun hat Sauer nachgelegt. „Neue alpine Pfade Baden-Württemberg“ heißt die Fortsetzung, in der der überzeugte Frischluft-Freund „20 neue abenteuerliche Bergtouren, Felsenwege, Wildnispfade und Klettersteige“ vorstellt.

„Alpin“ ist ein dehnbarer Begriff

Weil „alpin“ ein dehnbarer Begriff ist, präzisiert der Autor, der im Hauptberuf an einer Förderschule unterrichtet, die Zielgruppe. „Für gemütliche Städter können die Touren ein Abenteuer und der Einstieg in alpine Welten sein, für sportliche Wanderer der Einstieg in alpine Welten und für erfahrene Bergfexe ein kleines Training für die nächste Alpenroute“, schreibt er in seiner Einführung.

Auf die Idee mit den alpinen Touren war Sauer gekommen, als er bei seinen Wanderungen unweit des Schlosses Lichtenstein (Kreis Reutlingen) auf drei Schilder gestoßen war, die auf Steinschlag- und Absturzgefahr hinwiesen.

Auf Nachfrage bei der Bergwacht ist ihm mitgeteilt worden, die Schilder würden aufgestellt, „weil es dort zuvor Abstürze gab“. Daraus schloss Sauer, dass es alpine Verhältnisse nicht nur in den Alpen, sondern eben auch auf der Schwäbischen Alb geben muss. Nachdem im Schwarzwald und im Odenwald ähnliche topografische Verhältnisse herrschen, ist der abenteuerlustige Wanderer auf der Suche nach sportlichen Herausforderungen dort ebenfalls schnell fündig geworden.

Zwei Touren mit Ausgangspunkt im Lenninger Tal

Auch in seinem zweiten Alpinbuch beschreibt Philipp Sauer zwei Touren direkt vor der Haustüre im Landkreis Esslingen. Eine als leicht klassifizierte Tour führt, vom Lenninger Tal ausgehend, über steile Pfade durch das Tobeltal zum Felssturz unterhalb der Ruine Wielandstein. Eine kurze Leseprobe – „wer entlang des ersten, größeren umgefallenen Baumes bis zu dessen Ende bergauf kraxelt, und dann links hält, trifft auf die Pfadfortführung“ – macht deutlich, dass Sandalenträger am Albtrauf fehlt am Platze sind.

Das trifft noch mehr auf die zweite Tour zu, die über vergessene Flankenpfade zum nach Einschätzung des Autors „schönsten Felssporn der Alb“, dem Pfingstberg, und weiter zur Ruine Sperberseck führt und am Ausgangspunkt in Lenningen-Schlattstall wieder endet.

Im Revier der Jäger und Kletterer

Philipp Sauer ist sich bewusst, dass er sich mit seinen alpinen Gratwanderungen auch auf einem schmalen Grat der zwischenmenschlichen Beziehungen bewegt. Schließlich wildert, wer sich abseits der ausgetretenen Wanderwege in freier Natur bewegt, immer auch im Revier der Jäger und Kletterfreunde.

„Da hilft nur gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis“, sagt er. Seinen Beitrag leistet der 50 Jahre alte Autor im Kapitel „Verhalten bei Kletterfelsen“ wo er den Kletterern absolute Vorfahrt einräumt und betont, dass Wanderer in deren Revier nur geduldet sind. Sorge, dass ihm nach nunmehr 40 Tourenbeschreibungen der alpine Stoff ausgeht, hat Sauer nicht. „Ein dritter Band ist in Arbeit“, sagt er.

Das Buch „Neue alpine Pfade Baden-Württemberg“ ist im J. Berg Verlag in der Bruckmann Verlag GmbH in München erschienen. Das reich bebilderte, mit Karten und GPS-Daten versehene Buch kostet 19,99 Euro.

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