Überschäumend vor Freude feiert Gauthier Dance im Theaterhaus eine große Ehre: Die junge Compagnie darf sich „Glanzlicht von 2022“ nennen. Am Abend der großen Gefühle verrät Verleger Torsten Kutschke, dass Eric Gauthier eine Oper in Stuttgart inszeniert.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart ist nicht nur die Stadt von Mercedes, Porsche und eines Ballettwunders. Der Berliner Verleger Torsten Kutschke sieht noch eine weitere „internationale Marke“, die ihre Höhenflüge immer weiter fortsetzt. „Gauthier Dance ist ein Ausrufezeichen und ein Statement“, lobt er am Samstagabend im Theaterhaus nach der tosend bejubelten Vorstellung von „The Seven Sins“.

Für die Umfrage des Jahrbuchs „tanz“ haben Kritikerinnen und Kritiker das junge Ensemble von Eric Gauthier als „Glanzlicht des Jahres 2022“ an die Spitze gesetzt. Dafür überreicht der Verleger die Urkunde eher fröhlich als feierlich im voll besetzten Saal, die Freude darüber ist riesengroß – und ganz nebenbei erfahren die Gäste an diesem Abend ungeahnte Neuigkeiten.

Dem Kommunikationsgenie ist ein weiterer Coup gelungen

Nicht nur, dass die hochgelobte Compagnie, die im nächsten Jahr den 15. Geburtstag feiert, im Frühjahr zur Audienz beim Papst geladen ist – dem Kommunikationsgenie Eric Gauthier ist ein weiterer Coup gelungen. Auf der Bühne erwähnt Kutschke, was die Beteiligten noch geheim halten wollten: Der Kanadier wird 2023 eine Oper für das Staatstheater Stuttgart inszenieren. Bei der Feier im Foyer (dabei: Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Kulturbürgermeister Fabian Mayer, MdB Melis Sekmen aus Konstanz) kann also eine kleine Sensation erörtert werden. Gauthier bleibt bei diesem Thema zugeknöpft. Er will Opernintendant Viktor Schoner nicht vorgreifen, der den Spielplan erst noch verkündet. Doch nun hat es das zahlreich erschienene Kulturpublikum von Stuttgart erfahren, was sich in der Stadt schnell herumsprechen wird. Nur so viel verrät der Compagnie-Chef am Abend seines Triumphs: „Es geht um eine neue Oper, nicht um einen Klassiker.“

Cem Özdemir bedankt sich für „demokratische Kultur“

Theaterhaus-Chef Werner Schretzmeier hofft, dass die „Glanzlicht“-Ehrung für die Politik ein „Weckruf“ wird. „Es wird höchste Zeit für eine solide und nachhaltige Förderung auf allen Ebenen“, sagt er bei seiner Gratulationsrede im Foyer. Landtagspräsidentin Aras sieht Eric Gauthier und seine Compagnie als „weltweit großartige Botschafter für Stuttgart und das Land Baden-Württemberg“. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir bedankt sich bei den Geehrten für „demokratische Kultur“. Vorbildlich findet er, dass die Tänzerinnen und Tänzer vor Menschen aufträten, die sonst selten ins Theater kämen, etwa in Altenheimen.