Altbach Zu Fuß zum symbolischen Spatenstich

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Um den Spaten für das neue Rathaus zu stechen, hatte es der Altbacher Bürgermeister Wolfgang Benignus nicht weit. Er musste einfach nur über die Straße gehen.

Aug’ in Aug’ mit den beiden Vorgängerbauten haben Wolfgang Benignus und seine Mitstreiter den Spaten gestochen. Foto: Michael Steinert
Aug’ in Aug’ mit den beiden Vorgängerbauten haben Wolfgang Benignus und seine Mitstreiter den Spaten gestochen. Foto: Michael Steinert

Altbach - Es kommt nicht häufig vor, dass die kommunale Seite einen Vorsprung vor der Privatwirtschaft hat. In Altbach hat die Verwaltung mit dem Rathaus-Neubau die Nase – noch – vorn. Während hier die Bagger schon bereit stehen, steht für das Haus der Gesundheit, das neben der neuen Verwaltungszentrale in der Ortsmitte entsteht, die Baugenehmigung noch aus. Weil diese jedoch nicht mehr lange auf sich warten lassen kann und die beiden Gebäude laut dem Altbacher Bürgermeister Wolfgang Benignus ohnehin eine „städtebauliche Einheit“ sind, ist der symbolische Spatenstich am Mittwoch schon mal gemeinsam begangen worden.

Das neue Rathaus kostet 6,9 Millionen Euro

Aus den eher kleinräumigen Erdbewegungen, mit denen Benignus und seine neun Mitstreiter den Baubeginn in der Esslinger Straße markiert haben, soll Großes erwachsen. 6,9 Millionen Euro lässt sich die Gemeinde ihr neues Rathaus samt der Außenanlagen kosten. Es ersetzt die marode und nicht mehr praxistaugliche Verwaltungszentrale aus den 70er-Jahren.

Weitere 1,4 Millionen Euro investiert der Bauträger Hartmut Fischer und dessen Unternehmen Planbau Gesellschaft in das benachbarte Haus der Gesundheit. Dort wird, wenn alles nach Plan verläuft, neben einer Apotheke und zwei Hausärzten künftig auch eine medizinische Fußpflegepraxis unterkommen.

Blasen an den Füßen werden sich, zumindest bei dem im September 2017 geplanten Rathausumzug, weder der Schultes, noch seine 18 Mitarbeiter in der Verwaltung holen. Vom derzeitigen Verwaltungssitz aus gesehen, liegt das neue Haus gerade mal auf der anderen Straßenseite. Das historische Rathaus, ebenfalls in der Esslinger Straße, ergänzt das gewachsene Verwaltungsdreieck der rund 6000 Einwohner zählenden Gemeinde.

Auch das denkmalgeschützte Gebäude wird den baulichen Ansprüchen einer modernen Verwaltung nicht mehr gerecht, aber es kann wenigstens mit einer spannenden Geschichte aufwarten. Ursprünglich hatte es ein paar Kilometer entfernt auf dem Schurwald gestanden. Dort, in dem wohl von Herzog Eberhard Ludwig (1677– 1733) angelegten Wildpark Hohengehren, diente es den Herrschaften von Württemberg als Jagdschloss. Als König Wilhelm I. den Park auflöste, erstand die Gemeinde Altbach das Gebäude zum Preis von rund 6000 Gulden. Die Altbacher holten das schmucke Schlösschen im Jahr 1839 Stein für Stein aus dem Wald und ließen es im Ort wieder aufbauen.

Neue Perspektive für die Krankenpflegestation

Bis ihm der Betonanbau in den 1970er-Jahren zur Seite gestellt wurde, ist das Gebäude das alleinige Rathaus der Gemeinde gewesen. Während das Schicksal des Anbaus noch in den Sternen steht – die Bandbreite der Überlegungen reicht von der Generalsanierung und Wiederbelebung als Geschäftshaus bis hin zum Abriss – hofft Benignus, in dem ehemaligen Jagdschlösschen die Krankenpflegestation der Gemeinde unterbringen zu können.

So oder so ist das Millionenprojekt, für dessen Umsetzung die Gemeinde auf einen Zuschuss in Höhe von 800 000 Euro aus dem Topf des Landessanierungsprogramms bekommt, ein Gewinn für die Gemeinde. Allein die Tatsache, dass mit dem Doppelprojekt Rathaus/Haus der Gesundheit eine unschöne geschotterte Brachfläche mitten im Zentrum bebaut wird, hatte Wolfgang Benignus schon vor Jahren zu der Feststellung verleitet, dass es im Grundsatz nicht nur um den Bau eines neuen Rathauses und eines Gesundheitszentrums gehe, sondern auch „um die Fortsetzung der Ortskernsanierung und die städtebauliche Weiterentwicklung Altbachs an einer wichtigen Stelle“.




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