Sarah Dittmer und Fabian Leinz hätten einfach neu bauen können. Wollten sie aber nicht. Stattdessen haben sie mit Architekt Michael Hanka ihr altes Haus in ein modernes verwandelt.
Als Sarah Dittmer (32) und Fabian Leinz (32) ihre Ölheizung gegen eine Wärmepumpe tauschen wollten, war schnell klar: Da hängt noch mehr dran. Jetzt, rund zwei Jahre später, hat das Paar eine Wärmepumpe, PV-Anlagen auf dem Dach und ein frisch saniertes Haus, das modern und heimelig zugleich wirkt.
Das Haus liegt am Böblinger Tannenberg und wurde 1954 von Leinz’ Großeltern gebaut. Als Dittmer und Leinz einzogen, war vieles noch im Originalzustand. Das Wohnzimmer etwa wurde von einem Öl-Kachelofen gewärmt, Heizkörper gab es nicht. Sie hätten alles abreißen und größer neu bauen können. Doch die beiden wollten den Charakter des Hauses bewahren und zugleich technologisch auf dem neuesten Stand sein. Also was tun – und wie teuer wird das?
Unterm Dach geht es durch große Fenster hinaus auf den Balkon. Foto: Stefanie Schlecht
Altbauten in Böblingen in der Überzahl – Energieberater kann helfen
Zunächst suchten sich die beiden einen Energieberater. Ein erster Schritt, denn sie allen empfehlen würden, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen. Allein dürften sie damit nicht sein. Rund 60 Prozent der Gebäude in Böblingen sind zwischen 1949 und 1979 entstanden. So steht es im Abschlussbericht zur kommunalen Wärmeplanung.
In diesem Bericht geht es darum, wie Böblingen gelingt von fossilen auf nachhaltige Energieträger umsteigen kann – und wie sich der Energieverbrauch senken lässt. Da kommt – neben vielen anderen Aspekten – der alte Gebäudebestand ins Spiel. So heißt es im Bericht, dass sich der Wärmebedarf der zwischen 1949 und 1979 gebauten Häuser im Vergleich zu heute um 64,9 Prozent senken ließe – sollten alle saniert werden.
Das Ehepaar wandte sich an Michael Hanka, der als Energieberater für die Verbraucherzentrale arbeitet, diesen Februar seine 1000. Beratung macht und Architekt in Böblingen ist. Er begleitete sie von der ersten Beratung Ende 2023 über die Planung bis zum Ende der Sanierung im August 2025.
„Wir haben als allererstes einen Sanierungsfahrplan gemacht“, sagt Hanka. Das sei wichtig, um den Überblick zu behalten, wann welcher Förderantrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragt werden sollte. Denn pro Kalenderjahr dürfe nur eine Förderung beantragt werden. „Man kann dann mit der Ausführung aber warten und alles gleichzeitig sanieren“, erklärt er.
Sarah Dittmer und Fabian Leinz haben drei Förderanträge gestellt: einen für den Heizungstausch, einen fürs Dach und einen für neue Fenster sowie die Wärmedämmung. „Insgesamt haben wir knapp 50 000 Euro Förderung bekommen“, sagt Leinz – bei Ausgaben von rund 400 000 Euro, wie das Paar angibt. In dieser Summe sei alles mit einberechnet – die Planung, die Architektenkosten, die PV-Anlage, die Entkernung des Wohnzimmers und die Sanierung.
Während der Altbau-Sanierung: Auf zwölf Quadratmetern gelebt
Daraus Schlüsse auf die Sanierungskosten für andere Häuser zu ziehen, ist schwierig. So gibt Leinz zu bedenken, dass sie einerseits vieles selbst gemacht und dadurch Kosten gespart hätten. „Wir haben beispielsweise den Parkettboden selbst verlegt.“ Andererseits wählten sie teurere Fensterrahmen aus Eichenholz. „Das war uns wichtig, hätten andere aber vielleicht nicht gemacht.“ Grundsätzlich müsse man, je nach Standard, mit Kosten von 1500 bis 3000 Euro pro Quadratmeter rechnen, nennt Hanka als Richtwert.
Das Ehepaar hat nicht nur Zeit und Geld in sein Haus gesteckt, sondern auch auf Komfort verzichtet. Während der achtmonatigen Bauphase wohnten sie mit ihrem Hund auf zwölf Quadratmetern im Keller. Die beiden sehen ihren Einsatz als Investition, die den Wert ihres Hauses steigere und es fit für die Zukunft mache. Und Fabian Leinz freut sich schon jetzt über den Ertrag der PV-Anlage. „An guten Tagen konnten wir im Februar 50 Prozent unseres Strombedarfs, die Wärmepumpe miteingerechnet, decken“, sagt er.
Hilfe bei Altbau-Sanierung vom Architekten: Kreative Lösungen gefunden
Für Hürden fand der Architekt Michael Hanka kreative Lösungen. Da es im Haus keine Heizkörper gibt, schien eine Fußbodenheizung die beste Lösung. Im Erdgeschoss kein Problem. Doch im ersten Stock wollte das Paar den Holzdielenboden nicht aufgeben. „Wir wollten etwas von der Geschichte des Hauses erhalten“, sagt Sarah Dittmer.
Die alten Holzdielen beim Einbau einer Fußbodenheizung zu erhalten wäre nicht praktikabel gewesen, sagt Hanka. Und hatte eine Idee: Eine Deckenheizung, die analog zur Fußbodenheizung in der Decke steckt. Also heiße Köpfe und kalte Füße? Nein, sagen die Haussanierer. Das Raumklima sei nicht anders als mit Fußbodenheizung. „Selbst die Bodenfliesen im Bad sind angenehm warm“, sagt Fabian Leinz.
Wermutstropfen beim Bauamt: keine Doppelgaube
Die beiden zeigen sich mit dem gesamten Prozess zufrieden. Einer der wenigen Wermutstropfen sei eine Doppelgaube, die ihnen mehr Wohnraum verschafft hätte, vom Böblinger Bauamt aber abgelehnt worden sei. „Dabei gibt es dafür Vorbilder in der Stadt – und wir hatten die Unterschrift der Nachbarn, dass es für sie in Ordnung wäre“, bedauert Leinz. Ansonsten habe außer nicht geleerten Dixiklos alles funktioniert – sie fanden Handwerker, es gab keine Lieferengpässe und die Förderungen kamen an.
Stolz führt das Paar durch sein Haus – durch das offen gestaltete Wohnzimmer in den ersten Stock mit den Holzdielen und weiter hinauf unters Dach. Von dort geht es durch zwei große Dachfenster auf einen Balkon, mit herrlichem Blick über die Stadt.
Wohngebiet und Energieberatung
Tanneberg Das Böblinger Wohngebiet ist nicht mit Fern- oder Nahwärme erschlossen. „Es wäre hier auch nicht nachhaltig solche Anschlüsse zu legen“, sagt Hanka. Eine Wärmepumpe war für Dittmer und Leinz die passendste Alternative. „Für uns war das von Anfang an klar“, sagt Leinz. „Es gibt in unserer Nachbarschaft Häuser, die seit zehn Jahren eine Wärmepumpe haben.“
Energieberater Die Energieagentur Landkreis Böblingen bietet einen Überblick über Beratungsmöglichkeiten im Kreis. Ein Energie-Check, bei dem ein Berater nach Hause kommt und einen ersten Überblick zu Sanierungsmaßnahmen gibt, kostet laut Energieagentur 40 Euro.