Altdorfer Maler Böblinger Galerie würdigt Hans Bäurles Lebenswerk

Galerieleiterin Corinna Steimel erklärt die Symbolik bei einem Triptychon, das Bäurle unter dem Eindruck der Tschernobyl-Katastrophe gemalt hat. Foto: EIBNER/DROFITSCH/EIBNER/DROFITSCH
Galerieleiterin Corinna Steimel erklärt die Symbolik bei einem Triptychon, das Bäurle unter dem Eindruck der Tschernobyl-Katastrophe gemalt hat. Foto: EIBNER/DROFITSCH/EIBNER/DROFITSCH

Erste umfassende Retrospektive zum Lebenswerk von „Urgestein“ Hans Bäurle: Hinter den Kulissen des Museums Zehntscheuer laufen die Planungen trotz Pandemie auf Hochtouren.

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Böblingen - Der im Jahr 1931 auf der Schwäbischen Alb geborene Maler und Bildhauer Hans Bäurle ist im gesamten Kreis Böblingen seit Jahrzehnten eine feste Größe. Bereits in den 1960er-Jahren engagierte er sich mit einer Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern für die Belange des Klima- und Umweltschutzes. Seine oftmals farben- und formenfrohen monumentalen Skulpturen und großflächigen Wandmalereien im öffentlichen und urbanen Raum – beispielsweise an der „Sculptoura“ oder im alten Schlosspark von Mauren – erfreuen sich einer ungebrochenen Beliebtheit bei Alt und Jung.

Der auf einem Bauernhof groß gewordene Künstler fühlt sich ausnahmslos der Natur und ihrem Abbild verpflichtet. In seiner Malerei erfindet er im steten Wechselspiel zwischen Fakt und Fiktion seine ganz eigenen Welten und Wesen. Einzelne Bildelemente spiegelt der vielseitig talentierte Künstler wiederum in seinen Skulpturen, indem Geschöpfe aus den Gemälden entnommen und in dreidimensionale Formationen übersetzt werden.

Besonderer Blick auf Triptychen

Die chronologisch angelegte Retrospektive, die sich über drei Stockwerke im Museum Zehntscheuer erstrecken wird, stellt erlesene Kleinplastiken mit den Gemälden in lebhaften Dialog.

Ein gesonderter Bereich ist zudem der überaus monumental anmutenden Werkgruppe seiner zwischen Idylle und Inferno angesiedelten, durch alle Werkphasen hindurch entstandenen Triptychen vorbehalten. In diesen kommen sein künstlerisches Anliegen und die hinter den Figurationen von Flora und Fauna sowie den Fantasie- und Fabelwesen stehenden Aussagen am anschaulichsten zum Tragen.

Skulpturen, Triptychen, Malerei und ein Film

Der produktive Maler, der trotz seines hohen Alters noch immer jeden Tag im Atelier verbringt, hat zudem ein großes Repertoire an Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafiken geschaffen, von denen die herausragendsten Beispiele ebenfalls in der Einzelschau präsentiert werden. Als ein weiteres Highlight der Ausstellung darf der in Kooperation mit dem Musiker und Komponisten Martin Schrack entstandene Videofilm „Metamorphosen“ gelten, in dem einige, zwischen 1970 und 2020 gemalte Bilder regelrecht zum Leben erweckt werden. Der auf DVD in limitierter Auflage erhältliche Film wird auf großdimensionierter Leinwand präsentiert und feiert seine Premiere während der Ausstellungslaufzeit.

Von Bäurles Werk inspirierte Schmuckkollektion

Als besondere Hommage an das Lebenswerk ihres Vaters bringt die im Kunsthandwerk erfolgreiche Schmuckdesignerin Karina Bäurle eine in der Gestaltung vom Bäurle’schen Kunstkosmos inspirierte, in der Anzahl begrenzte Kollektion von Einzelstücken in Form von Anhängern, Colliers und Ohrschmuck heraus.

Die Ausstellung erhält angesichts der aktuellen, noch immer besorgniserregenden Lage eine zwar unverhoffte, aber brisante Aktualität. Denn die Pandemie hat insbesondere auch für Hans Bäurle einmal mehr aufgezeigt, wie unumgänglich ein nachhaltiges Umdenken und Umkehren ist, hin zum Schutz der Umwelt und zum Erhalt all ihrer Lebewesen und Pflanzenwelten.

Eröffnung ist für 18. Juli geplant

Die Eröffnungs-Matinée ist – abhängig von der Pandemie-Lage – für Sonntag, 18. Juli, 11 Uhr geplant. Weitere Informationen folgen in den kommenden Wochen. Die Ausstellung läuft voraussichtlich bis zum 24. Oktober 2021. Bis vorerst 30. September 2021 ist der Museumseintritt als Zeichen des Zusammenhalts und der Zuversicht in der Corona-Pandemie kostenlos. „Hierfür danken die drei Böblinger Museen ihren Fördervereinen und Freundeskreisen für den Antrag, dem Gemeinderat für die Genehmigung sowie der Stadtverwaltung für die Umsetzung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Städtischen Galerie.




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