Altdorfer Weihnachtsmarkt Familiär, mit Herzblut und in Eigenregie

Ein beliebter Anlaufpunkt beim Altdorfer Weihnachtsmarkt war die „Krippe“ in der Scheune von Siegfried Holzapfel. Foto: Eibner-Pressefoto/ Francesco Gianni Consentino

Der Altdorfer Weihnachtsmarkt findet nur alle zwei Jahre statt. Was ihn so besonders macht, ist der Fokus auf Selbstgemachtes – und zwei sehr engagierte Menschen.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Manche Dinge in der Adventszeit nimmt man irgendwie als selbstverständlich an: Chöre und Orchester geben Weihnachtskonzerte, Straßen und Plätze sind festlich geschmückt, und es findet natürlich ein Weihnachtsmarkt im eigenen Ort statt.

 

Dass dies in Wahrheit gar nicht so selbstverständlich ist, zeigt das Ehepaar Reinhold und Miriam Mickeler in Altdorf. Dem ehrenamtlichen Einsatz der beiden ist es zu verdanken, dass in der Schönbuchgemeinde alle zwei Jahre ein kleiner, dafür aber sehr charmanter Weihnachtsmarkt stattfindet.

Den Altdorfer Weihnachtsmarkt gibt es erst seit 2004

Bis vor 20 Jahren hatte es hier keinen Weihnachtsmarkt gegeben. „Die Idee geht zurück auf unsere 800-Jahr-Feier im Jahr 2004“, erzählt Miriam Mickeler, die für die Fraktion Bürgerliche Wählervereinigung im Altdorfer Gemeinderat sitzt und sich in dem Verein Kreis der Kreativen engagiert. Dieser Verein mit dem vor 13 Jahren verstorbenen Gründungs- und langjährigen Gemeinderatsmitglied Liane Zanner hatte damals den Impuls für den Markt gegeben.

Miriam Mickeler und ihr Mann setzen bei dem Markt seit jeher auf einen Zweijahresrhythmus. „Zum einen ist es schon ein großer Aufwand, zum anderen wollen wir auch die Spannung aufrechterhalten“, sagt die Altdorferin. Die beiden sind mit sichtlicher Freude bei der Arbeit, laufen von Stand zu Stand und schauen, wo etwas fehlt. Sie ist 63, er 67 Jahre alt, ans Aufhören denken sie noch lange nicht – gleichwohl hoffen sie, dass sich eines Tages jemand finden wird, der bereit ist, ihre Arbeit fortzuführen.

Am diesem dritten Adventssonntag fand der Weihnachtsmarkt zum zehnten Mal statt. An 67 Ständen verkauften überwiegend Menschen aus dem Ort oder den umliegenden Gemeinden ihre handgearbeiteten Waren: Die Altdorferin Sandra Kühn, die unter dem Namen „Babylishes“ einen „Mama-Podcast“ produziert, bietet unter diesem Markennamen personalisierte Geschenkartikel an. Ein paar Stände weiter verkauft Melanie Frasch aus Schönaich weihnachtliche Dekogegenstände, die sie aus Raysin-Gießpulver herstellt. „71101 handmade“ steht auf ihren schicken Visitenkärtchen.

Sie organisieren den Altdorfer Weihnachtsmarkt: Miriam und Reinhold Mickeler. Foto: Langner

An anderen Ständen präsentiert man sich vielleicht nicht immer ganz so professionell, aber auch hier gibt es schöne und leckere Sachen aus eigener Herstellung: Gestricktes oder Gehäkeltes, Holzskulpturen, Keramik, Hefezöpfe, Liköre, Honig, Schmuck, Keramik, Malerei und pfiffige Einrichtungsgegenstände wie beispielsweise Anton Lintners zu Kerzenhaltern umfunktionierte Dachziegel von alten Häusern aus Italien oder Spanien.

Der aus Bayern stammende Wahlaltdorfer hat es gut erwischt: Sein Stand ist drinnen im Bürgerhaus, wo ihm die eisigen Windböen draußen nichts anhaben können. Gemütlich warm ist es auch im Obergeschoss. Hier können Eltern ihre Kinder in Silke Ritters Bastelstube abgeben, während sie in Ruhe bummeln gehen oder beim Ehepaar Karina und Peter Burger Cider und Marmeladen aus heimischem Gartenobst oder Griechischen Joghurt aus Altdorfer Milch probieren.

Handgemacht und abseits des Allerleis sind auch die Angebote an den Essensständen, die hier ganz bewusst in einem Bereich zusammengefasst sind. „Dann riechen die gestrickten Socken nicht nach Bratfett“, erklärt Reinhold Mickeler grinsend. An einem Stand gibt es Nudeln aus dem Parmesanlaib, an einem anderen verkauft die Altdorfer Feuerwehr Bratkartoffeln mit Leber- und Blutwurst, und vor Familie Holzapfels Garage bestellt man „Omas Pfannenbäuschtle“ – eine Art schwäbische Langos-Variante.

Krippe mit Esel, Schafen, Zebras, Nilpferd und Löwe

Siegfried Holzapfel betreibt im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft und hat in einem seiner Altdorfer Stallgehege eine Krippe aufgebaut. Maria und Josef sind hier umgeben von Pferden, Hasen, Schafen, einem Esel und sogar Zebras, einem Nilpferd, einem Gorilla und einem Löwen – wobei die exotischen Tiere nur als Skulpturen im Garten stehen. „Mein Vater ist ein großer Afrika-Fan“, erklärt Tochter Maren Holzapfel lächelnd.

Neben den Altdorfern veranstalteten am Wochenende noch weitere Kreisgemeinden einen Weihnachtsmarkt – darunter Maichingen und Waldenbuch am Samstag sowie Breitenstein am Sonntag. So wie in Altdorf liegt auch in dem Weilemer Ortsteil der Schwerpunkt auf Selbstgemachtem – wobei hier ein Großteil der Erlöse für einen guten Zweck gespendet wird.

Weitere Themen