Alte Berufe neu entdeckt Überleben in der Nische

Von Kerstin Ruchay 

Das Ausbildungsjahr startet: Welche Berufe sind gefragt, wer hat Chancen? Unsere Serie zeigt, welche neuen Jobs das digitale Zeitalter hervorbringt – und welche alten Berufe überleben. Heute: traditionelle Berufe im Wandel der Zeit. Ein Plädoyer für das Handwerk.

Alte und neue Handwerkskunst: Ein Bügelhorn neben einem Flügelhorn Foto: dpa
Alte und neue Handwerkskunst: Ein Bügelhorn neben einem Flügelhorn Foto: dpa

Stuttgart - Uni oder Ausbildung? In Deutschland entscheiden sich immer mehr Schüler für das Abi, sagt Arbeitsmarkt-Experte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. „2014 haben 57 Prozent eines Geburtsjahrgangs eine akademische Ausbildung begonnen – doppelt so viele wie 20 Jahre zuvor.“ Vor allem in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern, in Mathematik und Informatik – in den sogenannten Mint-Fächern – habe die Zahl der Studierenden zugenommen. Doch ein Studium sei nicht immer ein Garant für gute Jobaussichten: Die Arbeitslosigkeit von Fachkräften im Mint-Bereich sei zwar nicht dramatisch, aber prozentual deutlich gestiegen. „Offenbar wurde hier über den Bedarf hinaus ausgebildet“, sagt Brenke. „Dies lässt Beschäftigungsprobleme erkennen.“

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Akademiker nicht automatisch mit einem Spitzenverdienst rechnen können. Dies liege daran, dass die Bezahlung von Branche zu Branche oft unterschiedlich sei – und manchmal Uni-Absolventen schlechter bezahlt werden als Facharbeiter. Am besten verdienen demnach Akademiker in medizinischen Gesundheitsberufen sowie in Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsberufen mit einem Lebenseinkommen von im Schnitt 2,7Millionen Euro. Dagegen liegen die Akademiker-Gehälter in der Lebensmittelindustrie mit 1,3 Millionen Euro teils sogar unter Hilfsarbeiter-Gehältern gut zahlender Branchen.

Roboter werden Menschen nie überall ersetzen können

Und wie sieht es beim Handwerk aus? Bietet es mehr Chancen, oder werden Maschinen künftig die Arbeit übernehmen? „Die Industrialisierung hat schon einige ­Berufe und Tätigkeiten im Handwerk ­verdrängt“, sagt Arbeitsmarkt-Experte Werner Eichhorst vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. „Aber Roboter werden Menschen nie überall ersetzen können .“ Als Beispiele nennt er die Wartung und Reparatur von Maschinen oder Gebäuderenovierungen. Und: „Es gibt einen Trend hin zum Unikat und zur ursprünglichen, regionalen Produktion.“ Dies ermögliche Handwerkern, dass sie für gute Arbeit einen guten Preis verlangen und in der Nische überleben könnten. „Es gibt immer mehr Menschen, die Wert auf den besonderen Geschmack legen und sich diesen auch leisten wollen.“

Doch seit Jahren machen immer weniger Jugendliche eine Ausbildung im Handwerk, Tausende Stellen sind unbesetzt. In vier Porträts erzählen Handwerker, was sie an ihrem Beruf fasziniert, warum ihr Expertenrat auch als Rentner noch gefragt ist – und warum Totgesagte oft länger leben.

 

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