Alte Poststraße in Steinenbronn/Echterdingen Für viele ist die Schranke im Wald kein Hindernis

Von Leonie Schüler 

Trotz Schranke an der Alten Poststraße zwischen Echterdingen und Steinenbronn ignoriert mancher Autofahrer das Durchfahrverbot. Besucher der Gaststätte schimpfen über die umstrittene Maßnahme. Wir haben uns vor Ort umgehört.

Manch einer meint, mit der Schranke im Rücken schmecke das Bier nicht mehr. Foto: Schüler
Manch einer meint, mit der Schranke im Rücken schmecke das Bier nicht mehr. Foto: Schüler

Steinenbronn/Echterdingen - Ein Nachmittag zur Feierabendzeit: Ein silberner Toyota fährt die Alte Poststraße entlang, wird auf Höhe der Schlösslesmühle langsamer und passiert schließlich die offen stehende Schranke. Ein guter Moment, den Fahrer an die Seite zu winken und zu fragen: Warum nutzen Sie den Schleichweg quer durch den Schönbuch? „Ich stehe sonst im Stau“, sagt der junge Mann auf dem Weg zu seiner Spätschicht. „Ich wohne in Waldenbuch und arbeite in Echterdingen. Hier komme ich schneller zur Arbeit und bin pünktlich.“ Weiß er denn nicht, dass die Durchfahrt verboten ist? „Doch, ich wurde auch schon mal erwischt und musste 20 Euro zahlen“, sagt er und betont, die Schranke nicht eigenhändig zu öffnen, falls sie doch mal zu sei, und mit seinem Fahrzeug auch nicht drum herum zu rangieren. „Jetzt muss ich aber los“, sagt er mit Blick auf die Uhr und braust davon.

Die Besucher sind zwiegespalten

Im Biergarten der Schlösslesmühle sehen die Besucher die Schranke, die seit April die Durchfahrt zwischen Steinenbronn und Echterdingen unterbinden soll, zwiegespalten. Ruth Angermaier aus Echterdingen findet gut, „dass jetzt bissle ein Hindernis da ist. Ohne sind schon manche durchgefahren“. Aber da die Schranke manchmal offen stehe, würden manche halt trotzdem noch durchfahren.

„Die Schranke ist die größte Dummheit, die’s je gegeben hat in Echterdingen“, schimpft Karl-Heinz Hertneck aus Rohr. „Optisch ist das eine Katastrophe. Da schmeckt doch kein Bier mehr!“ Dass nun weniger Autos die Abkürzung durch den Wald nehmen, sei natürlich gut, „aber es ist schade, wenn man die Leute nicht mit vernünftigen Argumenten davon abhalten kann“. Hertneck findet, dass man die Autofahrer auf „anständige Art“ zur Ordnung rufen solle. Er selber habe sich immer an das Durchfahrtsverbot gehalten, die Schilder hätten genügt.

Schreckt die Schranke Besucher ab?

Erich Dengler aus Musberg kommt gerne zur Schlösslesmühle. „Es ist ein schöner Ausflugsort mit guter Gastronomie“, sagt er. Die Schranke bezeichnet er als „Schwabenstreich“. „Ich verstehe nicht, was damit bezweckt wird.“ Für ein Auto sei die Schranke schließlich kein Hindernis, da sie umfahren werden könne und meist offen stehe. Seiner Meinung nach müssten Schilder ausreichen, die die Durchfahrt verbieten und Anliegern die Fahrt bis zur Schlösslesmühle erlauben – also genau jene Regelung, die vor dem Anbringen der Schranke gegolten hat. „Zu kontrollieren, ob das dann eingehalten wird, ist Sache der Polizei“, fordert Dengler. Er wundere sich, dass an diesem Nachmittag nur wenige Gäste in der Schlösslesmühle anzutreffen sind. „Ob das wegen der Schranke ist?“, fragt er sich.

Der Betreiber der Gaststätte, Walter Stäbler, ist von der Situation genervt. Die Aggressivität, mit der manche Naturschützer das Durchfahrtsverbot durchzusetzen versuchen, macht ihn fassungslos. „Mir hat schon mal einer seinen Regenschirm voll aufs Dach gehauen“, erzählt er von einem Erlebnis auf der Alten Poststraße. Dabei dürfe ja jeder – nicht nur er als Inhaber – die Strecke bis zur Schlösslesmühle fahren. „Das ist ein kleiner Kriegszustand.“