Sie glänzen schwarz-silbern, sind schwer und haben eine lange Geschichte hinter sich: die alten Schreibmaschinen in der Sammlung des Ludwigsburgers Lothar K. Friedrich.
Ludwigsburg - Wenn der Ludwigsburger Schreibmaschinen-Sammler Lothar K. Friedrich seine schwarz-silbern glänzenden Schätzchen besucht, dann tut er dies nur mit weißen Stoffhandschuhen an den Händen. Zu kostbar sind seine 96 alten Stücke, die er sorgsam in penibel geputzten Glasvitrinen aufbewahrt.
Kleine und mit Silikon gefüllte Päckchen sorgen in den Glasschränken für die richtige Luftfeuchtigkeit, zahlreiche Unterlagen auf den Tischen zeugen von der Kompetenz des Sammlers. Seit kurzem befindet sich eine ganz besondere Maschine in seiner Sammlung, Lothar K. Friedrich ist mächtig stolz.
„Es ist eine sehr seltene Royal Bar-Lock Modell 10 aus dem Jahr 1900“, erklärt der 74-Jährige und beschreibt auch gleich die Besonderheit dieser Maschine: Ihre Typenhebel sind um zwölf Grad aus der Vertikalen geneigt und schlagen von oben auf die Walze. In die richtige Richtung geführt werden diese Hebel von einem kleinen, halbkreisförmigen Kamm aus Metallstiften. So ist ein direkter Blick auf das Geschriebene möglich und das Ergebnis ist eine zeilengerade Schrift.
„Bei anderen Modellen dieser Epoche war es ja meist so, dass man das Geschriebene erst dann sehen konnte, wenn man das Papier mit der Walze nach oben gedreht hat“, so Friedrich. Erstaunlich sei es außerdem, dass die Maschine eine so genannte Volltastatur mit Groß- und Kleinbuchstaben sowie eine Taste mit dem @-Zeichen hat. „Dieses Zeichen wurde schon im Jahr 1882 vom amerikanischen Stenografenverein als kaufmännisches Kürzel gefordert“, weiß der Sammler.
Rund 18 Kilogramm wiegt das gute Stück, das Friedrich seinem Restaurator in Ansbach abgekauft hat. In goldenen Lettern steht oben auf der Maschine „By special appointment to Her Majesty the Queen“ („Auf speziellen Auftrag durch Ihre Königliche Hoheit, die Königin“). Besonders faszinierend sei für ihn aber die Tatsache, dass sogar ein Magnet an der Maschine hängen bleibe. „Das zeigt mir, dass sie aus Kupfer getrieben sein muss“, so Friedrich.
Das @-Zeichen gibt es schon seit 1882
Neben seiner neuesten Errungenschaft stehen allerhand Maschinen in den Schränken, die häufig auch eine besondere Bedeutung haben. Die AEG Mignon aus dem Jahr 1923 etwa sei seine „Königin im Haus.“
„Es ist eine Maschine für Menschen mit Handicap, denn diese Maschine können sogar Einhändige bedienen“, sagt Friedrich. Eine Art Stichel wird mit der Hand auf die jeweiligen Buchstaben auf einer Platte gesetzt, der Stichel wird nach unten gedrückt und produziert so die Schrift. Daneben stehen Maschinen der Marke Adler, Erika Empire, Oliver, The Fox, Ideal, Olymp oder The Chicago. Allesamt Namen, die für einen Laien klingen wie Schiffsnamen oder Hotels. Für den 74-Jährigen aber bedeuten sie die Welt – eine Welt, die er den Nachkommen unbedingt erhalten möchte. „Auch ich schreibe natürlich mit dem Computer, aber ich finde es schade, dass so viele Menschen heute nicht einmal mehr wissen, wie eine Schreibmaschine funktioniert“, sagt der studierte Maschinenbauer.
Das Basteln überlässt er seinem Restaurator
Also verkauft oder verschenkt er so manche Maschine, präsentiert sie in Ausstellungen oder schreibt Bücher darüber. An seinen Maschinen selbst herumtüfteln und basteln mag er allerdings nicht, das überlässt er dann doch lieber seinem Restaurator. Doch auch wenn man als Besucher staunt über so viele Maschinen: In Lothar K. Friedrichs Sammlung findet nicht jede Maschine Eingang.
„Ich sammle nicht jede Maschine, sondern nur die unterschiedlichen Aufschlagsysteme, und das auch nur bis zum Jahr 1949, denn danach sind die Maschinenarten explodiert“, betont er. Nur noch ein einziges Exemplar fehlt Lothar K. Friedrich zur Vollständigkeit: die Olympia Plurotyp. Bis er sie hat, steht schon mal ihr kopiertes Bild inklusive sämtlicher technischer Angaben auf einer seiner Vitrinen. Ein schönes Plätzchen für das letzte, wertvolle Stück ist auch schon freigeräumt.