Mehr als 40 Jahre lang lebte in der Alten Schuhfabrik die Kunst. Doch der Traum von einem Kulturzentrum ist ausgeträumt: Die Stadt Leonberg plant auf dem Gelände Wohnraum.
Gut vier Jahrzehnte lang war die Alte Schuhfabrik in der Eltinger Straße 11 ein lebendiger Treffpunkt für Kunst, Kultur und Kreativität. Am 30. November des vergangenen Jahres endete das Kapitel dieser Leonberger Kulturgeschichte. Denn alle Künstlerinnen und Künstler mussten ihre Ateliers räumen.
Der finale Schritt folgte nun im Sommer mit der offiziellen Auflösung des Vereins Kulturfabrik Leonberg. „Unsere letzte Mitgliederversammlung hatten wir am 11. Juli dieses Jahres“, sagt der Vorsitzende Chris Heinemann, der noch immer enttäuscht darüber ist, dass ein erarbeiteter Vorschlag für einen Kompromiss letztendlich keine Mehrheit gefunden hat. Lange hatten Mitglieder des Vereins Kulturfabrik darum gekämpft, das historische Gebäude zumindest in Teilen zu erhalten. Ohne Erfolg, weil die Stadt und der Gemeinderat letztendlich andere Pläne haben.
Idee: Ein Ort auch für Begegnung und Zusammenarbeit
Das über 120 Jahre alte Gebäude – bis 1977 war es Produktionsstätte für Schuhe – prägte die lokale Kunstszene über Generationen hinweg. Drei Gemeinschaftsateliers, die Kunstschule der Volkshochschule und das Stadtmuseum haben die Räume genutzt. Auch das kunsthandwerkliche Geschäft Bild + Rahmen von Carina Straub war hier ansässig, bis ihr im vergangenen Jahr gekündigt wurde. Sie eröffnet im November 2024 ihr neues Geschäft in der Zwerchstraße 6 in der Altstadt.
Der Verein Kulturfabrik, gegründet im Oktober 2021, hatte sich für die Erhaltung und die Sanierung der Alten Schuhfabrik eingesetzt, hierfür ein Konzept erarbeitet und der Stadtverwaltung sowie dem Gemeinderat vorgelegt. „Unsere Vorstellung war, dass an diesem Ort bürgerschaftliches und gemeinnütziges Engagement auf den Gebieten Kunst, Kultur, Kreativität und Bildung gefördert wird“, sagt Heinemann. Es sollte auch ein Ort sein für zwischenmenschliche und internationale Begegnung und Zusammenarbeit, gegenseitige Toleranz und Völkerverständigung.
Aus der Traum: Wohnungsbau statt Kulturfabrik
Es sollte allerdings bei diesem Traum bleiben. Denn in der Gemeinderatssitzung am 9. April 2024 wurde unter dem Tagesordnungspunkt „Bekanntgaben“ ein Beschluss der Räte aus der Sitzung von 27. Februar 2024 kundgetan: Man suche für das Ziel, auf dem Areal der Alten Schuhfabrik sozial geförderten Wohnungsbau zu schaffen, nun einen Investor.
Schon in den Haushaltsberatungen war die Mehrheit der Gemeinderäte – vorwiegend die Grünen hatten sich hinter die Kulturschaffenden gestellt – zu dem Entschluss gekommen, dass eine Umwandlung der ehemaligen Schuhfabrik in eine Kulturfabrik aus finanziellen Erwägungen unwahrscheinlich sei.
Das Auswahlverfahren zur Beauftragung der Projektsteuerung sei bereits im Gange, sagte die städtische Sprecherin Leila Fendrich Anfang dieses Jahres auf Anfrage. Angebote seien eingereicht worden. Doch da sich „Parameter im Verfahren geändert haben, werden derzeit neue Angebote eingeholt. Im Anschluss daran kann das Auswahlverfahren gestartet werden. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es also keine nähere Information“, sagt Fendrich.