Altenburg Mit Trippelschritten zum Prüfungserfolg

Durch spezielle Bewegungen sollen Verknüpfungen im Gehirn entstehen. Foto: Sybille Neth
Durch spezielle Bewegungen sollen Verknüpfungen im Gehirn entstehen. Foto: Sybille Neth

Mit speziellen Bewegungsübungen lernen Schüler, Lernblockaden abzubauen.

Lokales: Sybille Neth (sne)
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Altenburg - Angst blockiert. Und Angst vor der nahenden Abschlussprüfung haben die Schülerinnen in der neunten und zehnten Klasse der Altenburgschule. Neun Haupt-und Werkrealschülerinnen hat Oliver Domhan zu einem speziellen Training in die Schulturnhalle eingeladen. „Wenn ihr nachher hier rausgeht, ist etwas in eurem Kopf passiert“, verspricht er zu Beginn des Coachings für Schüler. In der Woche zuvor waren die Jungens dran. „Jede wird ihren eigenen Weg erkennen. Vielleicht ist es auch nur die Erkenntnis, mehr zu lernen.“

Domhan ist Schulsozialpädagoge und Evolutionspädagoge. Diese pädagogische Disziplin basiert auf den Erkenntnissen der Hirnforschung und geht davon aus, dass Lernschwierigkeiten und Verhaltensprobleme häufig ihre Ursache aus der unzureichenden Vernetzung im Gehirn haben. Durch spezielle Bewegungsübungen sollen neue Verknüpfungen entstehen. Deshalb werden die neun Schulabgängerinnen an diesem Coaching-Nachmittag vor allem eines machen: Gehen. In kleinen Schritten in Richtung Wand oder auf der Stelle – und unter Umständen mehrmals den gleichen Weg.

Wann die Wiederholung individuell notwendig ist, bestimmen Domhan und die Evolutionspädagogin Rahel Kuhnle, die ehrenamtlich beim Coaching an der Altenburgschule mitwirkt. Die Pädagogen beobachten die Körperhaltung der Teilnehmerinnen und erkennen, ob die stereotype Bewegung Wirkung im Kopf zeigt oder ob weitere Durchgänge nötig sind. Oberste Regel: Nur die Trainer dürfen sprechen. „Ihr sollt ganz bei euch sein“, sagt Domhan.

„Ich weiß jetzt, wenn ich etwas schaffen will, dann schaffe ich das auch.“

Jedes Mädchen musste sich vor dem Bewegungsdurchgang einen Begriff oder Satz merken, der auf einem der Plakate steht, die die Pädagogen in der Turnhalle aufgehängt hatten. Auch das gehört zur Arbeitsweise der Evolutionspädagogen. Domhan hatte vor dem Termin in der Turnhalle einen Fragebogen ausgeteilt und aufgrund ihrer Antworten hat er jeder Schülerin bestimmte Tiergattungen zugeordnet. Miranda beispielsweise musste sich mit dem Affen auseinandersetzen. „Egoistisch sein heißt, für sich sorgen zu können. Das Teilen mit anderen schafft Frieden“, ist der zentrale Satz, den sie sich gemerkt hat. Ihre Mitschülerin Vivian dagegen musste sich vor dem langen Marsch in der Halle mit den Eigenschaften des Tigers beschäftigen. „Ängstlich und aggressiv“ hat sie sich als Begriffe ausgewählt.Die Evolutionspädagogik geht davon aus, dass das menschliche Gehirn vom Zeitpunkt der Zeugung bis zum vierten Lebensjahr in sieben Stufen einen Evolutionsprozess durchläuft. Jede dieser Stufen ist mit der Entwicklung einer bestimmten Kompetenz verknüpft.

Auch Doriana hatte während der guten halben Stunde, in der sie still und konzentriert vor sich hin geschritten ist, an den ängstlich-aggressiven Tiger gedacht. Am Ende der Übung sagt sie sichtlich gelöst, sie fühle sich jetzt mutiger und selbstbewusster. „Ich weiß jetzt, wenn ich etwas schaffen will, dann schaffe ich das auch.“ Mit jedem Schritt habe sie sich stärker gefühlt. Eine Erfahrung, die ihre Mitschülerinnen mit ihr teilen – auch jene, die anfangs alles ziemlich seltsam fanden.




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