Platz für 43 Dauergäste und 15 Tagespflegegäste will die Samariterstiftung am Altdorfer Ortsrand schaffen. Schon im September sollen die ersten Bewohner einziehen. Die Pläne stehen schon seit Jahren – schon vor der Kostenexplosion im Bausektor. Dennoch schmerzen die höheren Baukosten die Stiftung. „Das macht uns ganz schön zu schaffen“, kommentiert Walter Fischer, der bei der Samariterstiftung für das technische Projektcontrolling zuständig ist. „Was Neubauten angeht, wird mittlerweile schon genauer überlegt, ob man das finanziell stemmen kann.“
11,85 Millionen Euro investiert die Stiftung nach eigenen Angaben in das Pflegeheim bei den Seewiesen mit angeschlossener Tagespflege sowie Mitarbeiter- und Mietwohnungen. Und auch für die späteren Gäste bleibt die Kostensteigerung nicht ohne Folgen. Die Heimentgelte steigen. Und da diese nicht komplett von den Pflegekassen übernommen werden, bleibt davon auch etwas an den Bewohnern hängen.
Fluchtrisiken minimieren
Seit dem Richtfest im vergangenen September ist einiges passiert. Im großen Saal, in dem einmal von Tanztees und Heimkino bis Yoga und Krabbelgruppen alles stattfinden könnte, was Altdorf zu bieten hat, wird der Estrich versiegelt, in den Treppenhäusern werden die Geländer angebracht, und die teils bodentiefen Fenster bekommen französische Balkone, damit die späteren Bewohner nicht unbemerkt hinausschlüpfen können.
Das ist besonders im Erdgeschoss wichtig, wo vorwiegend Menschen mit Demenz untergebracht werden sollen. Einen „beschützenden Raum“ nennt Angelika Hermann die dort geplante Wohngruppe. Sie ist die Regionalleiterin Altenhilfe Region Böblingen bei der Samariterstiftung, und kennt sich mit den Bedürfnissen der Bewohner von Pflegeheimen aus. Ein wichtiger Punkt ist für sie die offene Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss. „Beim Kochen sollen die Leute aktiviert werden“, sagt sie. Wer noch schnippeln könne, solle von den Alltagsbegleiterinnen in die Essensvorbereitung einbezogen werden.
Friseur und Fußpflege kommen ins Haus
Auch der Garten – noch ist er nicht angelegt – soll den Gästen die Möglichkeit geben, sich draußen zu bewegen, ohne eine zu große Gefahr darzustellen, dass jemand verloren gehen könnte. Ganz verhindern könne man es vermutlich in keinem Pflegeheim, dass irgendwann mal jemand unbemerkt stiften gehe. Aber man wolle das Risiko minimieren.
13 Einzelzimmer mit eigenem Badezimmer beinhaltet das Erdgeschoss, dazu ein Wohn- und Esszimmer sowie ein Pflegebad mit einem Arbeitsplatz für einen Friseur. Alle zwei Wochen will der Samariterstift Altdorf einen ortsansässigen Friseur oder eine Friseurin kommen lassen, um die Bewohner zu versorgen. Auch eine Fußpflege aus dem Ort soll gewonnen werden.
Abgetrennte Wohnung für ein Ehepaar
Im Obergeschoss werden einmal zwei Hausgemeinschaften untergebracht mit jeweils 15 Zimmern Platz. Auch dort gibt es ein gemeinsames Wohn- und Esszimmer sowie eine Küche. Das soll ein Leben fast wie in einer großen Familie ermöglichen. Eine kleine Besonderheit ist das sogenannte Eins-plus-eins-Zimmer, in dem beispielsweise ein Ehepaar wohnen könnte. Hier gibt es zwei Zimmer – beispielsweise als Schlaf- und Wohnzimmer nutzbar – sowie einen gemeinsamen Flur und ein gemeinsames Bad.
In der Tagespflege im Erdgeschoss gibt es keine eigenen Zimmer für die Gäste, da diese die Nächte in ihrem jeweiligen Zuhause verbringen. Externe Fahrdienste werden sie morgens abholen und nachmittags zurück nach Hause bringen. Allerdings gibt es zwei Rückzugsräume, beispielsweise für ein Mittagsschläfchen. Die Tagespflege hateinen separaten Eingang und eine eigene Terrasse.
Ein Zimmer mit Ausblick
Die Zimmer für die Dauergäste sind allesamt weg von der Straße ausgerichtet. Viele blicken auf die BMX-Strecke und das junge Würmtal nebenan. „Da ist immer was los“, freut sich Projektleiter Ralf Salzer. Er leitet bereits ein Samariterstift in Höfingen. Eine Heimleiterin für das Haus in Altdorf ist ebenfalls schon gefunden. Nicole Szameitat-Schramm hat bereits Erfahrung als Pflegedienstleiterin in Leinfelden-Echterdingen.
Davon abgesehen gestaltet sich die Personalsuche erwartbar nicht leicht. „Die Personalbeschaffung beschäftigt uns extrem“, so Pressesprecherin Ulrike Alberts. So fehle beispielsweise noch ein Hausmeister. Es gebe keine Bewerbungen. Auch Alltagsbegleiter und Pflegekräfte würden noch gebraucht.
Wohnen auch fürs Personal
Das Pflegehaus soll aber nicht nur für alte und demenzkranke Menschen ein Zuhause werden. Es sind auch fünf barrierefreie Mietwohnungen geplant, dazu kommen noch drei Wohnungen für Mitarbeitende. Zwei davon sind als Wohngemeinschaften gedacht, beispielsweise für Auszubildende, FSJler, oder auch für Fachkräfte aus dem Ausland.
Das Haus mit der schokoladenbraunen Fassade ist großflächig mit sibirischer Lärche verkleidet. Das wäre beinahe ein Problem geworden, wie Bauleiter Achim Walther erklärt. „Da ging es um ein oder zwei Wochen, bevor das große Embargo gegen Russland kam“, sagt er. Insgesamt sei man beim Bau gut in der Zeit. Die Lieferzeiten hätten sich schon wieder etwas normalisiert.
„Vom Bau her schaffen wir den Eröffnungstermin“, sind sich die Beteiligten einig. Ob bis September jedoch genug Personal aufgetan werden kann, dass das Pflegeheim in Volllast starten kann, ist noch nicht klar. Vermutlich ab dem 4. September sollen nach und nach die Bewohner einziehen.
Die Samariterstiftung als Bauträgerin und Betreiberin
Die Stiftung
Unter Aufsicht der Evangelischen Landeskirche in Württemberg betreut die Samariterstiftung mehr als 5000 Senioren in ihren Heimen oder zu Hause. Zwei Drittel der Mitarbeitenden sind in der Altenhilfe tätig, knapp ein Drittel in der Eingliederungshilfe. Die Hauptverwaltung der Samariterstiftung ist in Nürtingen.
In der Region
Im Kreis Böblingen gibt es neben dem im Entstehen befindlichen Altenpflegeheim in Altdorf noch Samariterstifte in Dachtel, Gärtringen, Höfingen, Leonberg, Weissach und Nufringen. Dazu gibt es noch mobile Pflegedienste.
Bauen
Neu gebaut wird im Kreis von der Samariterstiftung aktuell nur das Haus in Altdorf. Allerdings stehen für einige der Bestandsgebäude in nächster Zeit Sanierungen an.