Alter Friedhof in Stuttgart-Vaihingen Venedig als Vorbild für Vaihingen

Die Stufe ist für viele Menschen ein unüberwindbares Hindernis. Foto: Sandra Hintermayr
Die Stufe ist für viele Menschen ein unüberwindbares Hindernis. Foto: Sandra Hintermayr

Ein Bürger kritisiert, dass der Haupteingang des Alten Friedhofs nicht barrierefrei ist. Dabei funktioniere die Erhöhung des Zugangs auch in Italien – trotz Denkmalschutz.

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)
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Vaihingen - Am Alten Friedhof sieht Wolfgang Müller Handlungsbedarf. Er war am vergangenen Dienstag in den Bezirksbeirat gekommen, um bei den „Fünf Minuten für die Bürger“ den nicht barrierefreien Haupteingang zur Sprache zu bringen. Die Stufe ist für so manchen Friedhofsbesucher ein unüberwindbares Hindernis. Auch die Arbeitsgruppe Barrierefrei forderte dort bereits Nachbesserungen in Form einer Rampe. Diese würde Menschen, die auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind, den Weg auf den Friedhof erleichtern. Die Stadt allerdings lehnte den Vorstoß der Gruppe bislang ab. Der Denkmalschutz verbiete eine bauliche Veränderung an dem historischen Ensemble, zu dem neben dem Eingangsgebäude auch die kleine Kirche gehört.

Die Stufe könnte im Boden versinken

Wolfgang Müller kam nicht unvorbereitet in den Bezirksbeirat. Er hatte sich Gedanken gemacht, wie der Zugang trotz Denkmalschutz barrierefrei werden könnte, nämlich, in dem der Boden vor dem Gebäude mit einer leichten Steigung so angehoben wird, dass die Stufe schlichtweg in den Boden sinkt. Als Vorbild nannte er den Dogenpalast in Venedig. An dem Gebäude sowie an anderen Stellen in der italienischen Stadt sei der umgebende Boden immer wieder angehoben worden, sodass bauliche Barrieren im Boden verschwanden. Denkmalgeschützt seien die Gebäude dort offensichtlich immer noch. Auch in Vaihingen wäre eine solche Anhebung des Bereichs vor dem Gebäude denkbar, befand Müller. „Das wäre ein geringer Eingriff an dem Baudenkmal und zum Wohle der körperbehinderten und älteren Menschen.“

Eine ähnliche Idee hatte bereits Harald Marquardt. Der freischaffende Künstler ist seit 2007 Vorsitzender von Kultur am Kelterberg und hat sich ebenfalls Gedanken über den Zugang zum Alten Friedhof gemacht. Bereits im vergangenen Jahr hat er Pläne für eine Rampe, etwa aus gegossenem Beton, entworfen, die vor dem Gebäude installiert werden könnte. „An dem Bauwerk würde damit nichts verändert“, erläuterte Gabriele Leitz von der Arbeitsgruppe Barrierefrei Marquardts Vorschlag. Die Stadt hat den Entwurf allerdings bereits abgelehnt. „Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt hat erneut den Denkmalschutz als Grund genannt“, so Leitz. Die Gruppe möchte allerdings nicht locker lassen und sich direkt an die Untere Denkmalschutzbehörde wenden, die bei der Stadt Stuttgart im Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung angesiedelt ist.

Arbeitsgruppe fordert mehr Behindertenparkplätze

In einem Antrag forderten die Mitglieder der Arbeitsgruppe zudem die Stadtverwaltung auf, zeitnah zu zeigen, in welcher Form Denkmalschutz am Alten Friedhof besteht und ob Pläne für einen barrierefreien Zugang den Status erweitern oder einschränken würden. „Es ist die feste Überzeugung des Bezirksbeirats, dass Denkmale nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Begehen da sind, für Menschen mit und ohne Handicap“, heißt es in der Begründung. Der Antrag wurde im Gremium einstimmig angenommen.

Des Weiteren hatte der Arbeitsausschuss einen Antrag zur Ausweisung eines Behindertenparkplatzes am Nebeneingang aufgesetzt. Die Gartenstraße, an der der ebenerdige Zugang liegt, werde gerne von den Beschäftigten im angrenzenden Stuttgarter Engineering Parks (Step) als kostenlose Parkmöglichkeit genutzt. „Für Besucher des Alten Friedhofs mit Handicap gibt es derzeit keine adäquate Parkmöglichkeit“, heißt es in dem Schreiben. Aus diesem Grund fordert die Barrierefrei-Gruppe, entsprechend Behindertenparkplätze an der Gartenstraße sowie an allen Eingängen zum Alten Friedhof einzuzeichnen. Auch diesem Antrag stimmten die Vaihinger Bezirksbeiräte einstimmig zu.




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