Alter, neuer Weltmeister in der Formel 1 Max Verstappens Stärke ist Schwäche der Rivalen

Max Verstappen hat seinen WM-Titel in der Formel 1 vorzeitig verteidigt und sich die Fahrerkrone in Japan nach 2021 erneut gesichert. Foto: IMAGO//Zak Mauger

Der Niederländer Max Verstappen ist ein absolut verdienter Champion, aber die Konkurrenten von Ferrari und Mercedes haben es ihm zu leicht gemacht, meint unser Sportredakteur Jürgen Kemmner.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Max Verstappen hatte es eilig in diesem Jahr. Nachdem 2021 der Formel-1-Weltmeister erst in der letzten Runde feststand, ist das Feld 2022 bereits nach 18 von 22 Großen Preisen bestellt. In der vergangenen Saison haftete dem Titel des Niederländers noch ein Geschmäckle an, wie man im Schwäbischen sagen würde, weil eine äußerst strittige Entscheidung des Renndirektors dem Red-Bull-Piloten die Tür für den Titel geöffnet hatte. Diese Saison hat Max Verstappen seinen zweiten WM-Triumph in einer außerordentlichen souveränen Manier erobert, der jegliche Zweifel an seiner Klasse (und der seines Fahrzeugs) ausräumt.

 

Doch im Sport ganz allgemein gilt: Man ist immer nur so stark, wie es der Gegner zulässt. Ein Teil der erdrückenden Dominanz des Red-Bull-Paketes war auch die Schwäche der großen Rivalen, namentlich Ferrari und Mercedes. Die Scuderia war lange auf Augenhöhe, hat es aber vor allem durch eigene Fehler geschafft, sich aus dem WM-Rennen zu havarieren. Und der einstige Dauer-Weltmeister Mercedes hat bei der Entwicklung des neuen Silberpfeils aufs falsche Aerodynamik-Konzept gesetzt, was Rekordweltmeister Lewis Hamilton zum interessierten WM-Zuschauer degradierte.

Max Verstappen ist ein verdienter und würdiger Champion, daran gibt’s nichts zu deuteln – insgeheim haben (mit Ausnahme der Red-Bull-Freunde) alle Motorsport-Liebhaber aber die Hoffnung, das Formel-1-Feld möge an der Spitze bitteschön wieder etwas näher zusammenrücken. Nachdem Mercedes die Branche von 2014 bis 2020 fast nach Belieben dominiert hatte, wäre es im Sinne des Sports erfreulich, wenn das Red-Bull-Imperium nicht eine ähnliche Allmacht auf den internationalen Rennstrecken etabliert – bis 2026 die nächste Technikreform für neue Kräfteverhältnisse in der Formel 1 sorgen kann.

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