Alternative Baustoffe Nachhaltig bauen mit Bambus und Pilzen
Architekten suchen nach Wegen, mit recycelten und nachwachsenden Stoffen umweltfreundlicher zu bauen. Sogar lebende Pflanzen können als Baumaterial dienen.
Architekten suchen nach Wegen, mit recycelten und nachwachsenden Stoffen umweltfreundlicher zu bauen. Sogar lebende Pflanzen können als Baumaterial dienen.
Stuttgart - Dirk Hebel forscht daran, wie beim Bauen künftig die Umweltbilanz weitaus besser ausfallen könnte als heute. „Wir müssen eingesetzte Materialien wiederverwenden“, sagt der Professor für nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie. Künftig müssen Bauindustrie und Architekten umdenken – was heute Müll ist, gilt morgen als Werkstoff: „Aus gemahlenem Bauschutt lässt sich neues Baumaterial gewinnen“, sagt Hebel, „aus recyceltem Plastik entstehen neue Möbel.“
Hebel hat zuletzt in der Bundesgartenschau in Heilbronn bewiesen, dass nachhaltiges Bauen funktioniert. Sein sogenannter Mehrwertpavillon wurde vollständig aus wiederverwerteten Materialien errichtet; der Stahl stammt aus einem Kohlekraftwerk bei Dortmund, in der Fassade wurde Glas aus dem Container verbaut. Doch Öko allein, glaubt Hebel, werde nicht ausreichen, damit sich nachhaltiges Bauen wirklich am Markt durchsetzt.
„Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, müssen wir immer über die ästhetische Ebene reden“, sagt er. Nur was designmäßig überzeugt, hat bei den Kunden eine Chance. Den perfekt umgesetzten Kreislaufgedanken hat der Forscher dort entdeckt, wo die Ärmsten wohnen: in den Slums von Äthiopien. Slumbewohner gelten weltweit als Meister der Wiederverwendung – in Slums fällt kaum Müll an, weil fast alles gesammelt, verkauft und wiederverwendet wird.
An den Rändern der industrialisierten Welt findet Hebel oft jene Ideen, die in die Zukunft weisen. So ist er auch auf Lehm als modernen Baustoff gestoßen. „Lehm kann Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Ein Lehmverputz von 24 Millimetern Dicke wirkt wie eine kleine Klimaanlage.“ Wenn sie über künftiges Bauen nachdenken, entdecken Forscher alte Materialien wie Lehm neu, zudem orientieren sie sich an der Natur: „Die Fasern von Bambus besitzen enorme Zugkraft“, erzählt Hebel, „sie sind in diesem Punkt sogar dem Stahl überlegen.“
Megacitys wie Singapur, die vorwiegend in die Höhe schießen, entdecken derzeit Bambus als Baumaterial. Kultivierte Baumaterialien geraten zunehmend in den Blickpunkt – zu ihnen zählen auch Pilze. Das Flechtwerk ihrer Wurzeln ähnelt in seiner Struktur dem Zement. „Pilze stehen für eine ganze Generation neuer Materialien, die wir entwickeln werden“, sagt Dirk Hebel.
Wissenschaftler der Technischen Universität München untersuchen auch Bauwerke aus lebenden Pflanzen. Ein Beispiel dafür sind Brücken aus den Luftwurzeln von Gummibäumen, wie sie etwa in Malaysia zu finden sind. Allerdings kann es bis zu 15 Jahre dauern, bis eine 20 Meter lange Brücke heranwächst und benutzt werden kann.