Alternative für Deutschland in Ludwigsburg Sie kommen, um zu bleiben

Die AfD sieht den Euro kritisch Foto: dpa
Die AfD sieht den Euro kritisch Foto: dpa

Es gibt eine neue Partei im Landkreis Ludwigsburg: Die Alternative für Deutschland hat am Montag ihren Kreisverband gegründet – und will sofort richtig durchstarten.

Ludwigsburg: Melanie Braun (meb)
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Ludwigsburg - Das Hinterstübchen im Restaurant Kronenstube ist am Montagabend gut besucht – wenn auch nicht gerade brechend voll. Etwa 40 Gäste haben sich hinter die in engen Reihen aufgestellten Tische gezwängt, einige sitzen auf Stühlen an der Wand entlang. Es sind Menschen mittleren Alters, die meisten um die 50 Jahre alt, die zur Gründung des neuen Kreisverbandes der Alternative für Deutschland (AfD) nach Ludwigsburg gekommen sind. Auch wenn es keine Massenveranstaltung ist: Es ist Zug in der Sache. Die Leute wissen, was sie wollen. „Wir kommen, um zu bleiben“, sagt Jan Rittaler.

Rittaler ist Schatzmeister beim Landesverband der AfD und Veranstaltungsleiter bei der Gründung des Ludwigsburger Kreisverbandes. Der Betriebs- und Volkswirt weiß, was zu tun ist. Zielstrebig führt er durch den Abend, organisiert wie nebenbei die Wahlen zum Vorstand und schwört die Gäste auf die Partei ein.

Sieben neue Kreisverbände in einer Woche

Obwohl diese erst zwei Monate alt ist, ist das nicht der erste Kreisverband, dessen Gründung Rittaler leitet. Allein in dieser Woche werden sieben neue Kreisverbände in Baden-Württemberg aus der Taufe gehoben. Das Rekordtempo hat System: Die Partei will sich für die Bundestagswahl im September positionieren. Denn dann soll die Alternative eine echte Alternative auf dem Stimmzettel sein.

Für viele im Hinterzimmer des Restaurants ist sie das jetzt schon. Insgesamt 26 der Gäste sind bereits Parteimitglieder. Es sind politisch Heimatlose oder von den etablierten Parteien Frustrierte, die sich hier zusammen gefunden haben. Was sie eint, ist der Wunsch nach mehr Mitbestimmung. Wen man auch in der Runde fragt – sie alle fühlen sich von der aktuellen Politik übergangen.

Wunsch nach mehr Basisdemokratie

Die 57-jährige Christine Kempf, in der DDR geboren und einst SED-Mitglied, moniert: „Wieso werden wir nicht gefragt?“ Sie wünsche sich mehr Basisdemokratie und habe den Eindruck, diese bei der AfD finden zu können. Auch inhaltlich findet sie sich bei den als Euro-Rebellen bekannten AfDlern wieder: „Eine eigene Währung wäre schon wichtig“, so die Kornwestheimerin. Auch Waldemar Tobler treibt der Euro um. Er will die Währung zwar nicht abschaffen, aber auch nicht allen zugänglich machen: „Manchen Ländern schadet der Euro, weil sie nicht mithalten können“, glaubt der Bietigheim-Bissinger. Und das wiederum schade dann Deutschland.

Ganz schlecht auf die EU zu sprechen ist Gert Widmann, der zum ersten Sprecher des Kreisverbandes gewählt wurde. Die EU befasse sich mit „so unglaublich wichtigen Dingen“ wie Glühbirnen, Ölkännchen im Restaurant und Duschköpfen, ätzt der 54-jährige Unternehmensberater. „Da muss doch etwas geschehen“, findet er. Sein neu gewählter Kollege, der zweite Sprecher Markus Geörger, will vor allem „gegen die Bevormundung der Bürger“ eintreten. „Jetzt übernehmen die Bürger aus der Mitte der Gesellschaft Verantwortung“, verkündet der 45-jährige Betriebswirt.

AfD als neue politische Heimat

Die 45 Jahre alte Bettina Karkos erzählt, dass sie 1989 in Erfurt stand und rief: „Wir sind das Volk!“ Nun sei es wieder Zeit, dies zu rufen, sagt die Versicherungskauffrau aus Sachsenheim, die nun stellvertretende Sprecherin des AfD-Kreisverbandes ist. Begleitet wird sie dabei von Mario Bösinger, 28 Jahre alt und ebenfalls aus Sachsenheim, der sich „mit aller Energie“ für die AfD einsetzen will. Der 44-jährige Axel Jeromin engagiert sich von nun an als Schatzmeister, weil er als Ostberliner erlebt habe, „wie es ist, wenn Politik alternativlos ist“. Beisitzer im Vorstand sind Hubert Kuhn (68) aus Sachsenheim, der die derzeitige Politik als „Gang in die Diktatur“ empfindet, und Stephan Wunsch (51), der sagt, er sei bislang „bekennender Wechselwähler“ gewesen. Nun aber habe er bei der AfD eine „politische Heimat“ gefunden.




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