Alternative für Deutschland Zwei Fraktionen, die sich beide für die wahre AfD halten

Rivalen an der Parteispitze: Frauke Petry und Jörg Meuthen liefern sich einen offenen Machtkampf – und trafen in Stuttgart direkt aufeinander. Foto: dpa
Rivalen an der Parteispitze: Frauke Petry und Jörg Meuthen liefern sich einen offenen Machtkampf – und trafen in Stuttgart direkt aufeinander. Foto: dpa

Alternative für Baden-Württemberg soll die Fraktion heißen, die AfD-Chef Jörg Meuthen im Landtag bilden will. Seine Co-Vorsitzende im Bund, Frauke Petry, allerdings verfolgt ganz andere Ziele.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Am Morgen nach dem Beben, das die AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg zerreißt, steht eine Frage über allem: Kann der am Abend zuvor erfolgte Austritt Wolfgang Gedeons aus der Fraktion die Spaltung rückgängig machen? Wird jetzt alles wieder gut?

An Gedeon, der in seinen Büchern antisemitische Positionen vertritt, hatte sich der Streit vor vier Wochen entzündet. Und Ex-Fraktionschef Jörg Meuthen, der früh die Parole ausgegeben hatte, in der AfD sei kein Platz für Antisemitismus, hatte am Dienstag die Fraktion verlassen, zusammen mit weiteren zwölf Abgeordneten. Er zog damit die Konsequenz aus seinen vergeblichen Bemühungen, eine Zwei-Drittel-Mehrheit von 16 der ursprünglich insgesamt 23 Fraktionsmitglieder für einen Rauswurf des pensionierten Mediziners und Hobby-Philosophen aus Singen hinter sich zu scharen.

Meuthen demonstriert Härte

Am Mittwochvormittag demonstriert Jörg Meuthen, jetzt fraktionslos, aber immer noch Chef der AfD im Land und gemeinsam mit seiner Intimfeindin Frauke Petry an der Spitze der Bundespartei stehend, zunächst einmal Härte. Er macht unmissverständlich klar, dass er nach dem Rückzug Gedeons keine neue Lage sehe. Wie am Vortag bekräftigt er, mit seinen zwölf Mitstreitern eine neue Fraktion gründen zu wollen. Er hoffe, so Meuthen, dass sich der eine oder andere aus dem Lager der zehn in der Fraktion verbliebenen Abgeordneten dazu durchringen könne, sich ihm anzuschließen.

„Mein Ziel ist es, dass die AfD eine von Antisemitismus, Rassismus und Extremismus saubere Partei ist“, erklärt er. Eine Rückkehr seiner Gruppe zur bisherigen Fraktion schließe er definitiv aus. Ein Rücktritt vom Rücktritt sei „überhaupt keine sinnvolle Option.“ Und noch einen heiklen Punkt spricht Meuthen an. Für ihn sei es keine Frage, wer sich im Stuttgarter Landtag künftig AfD nennen dürfe. „Wir sind AfD, definitiv“, so der Wirtschaftsprofessor.

Gedeon schleicht wie ein Gespenst durch die Flure

Was dann folgt, sind hektische Beratungen in den Räumlichkeiten der AfD im vierten und fünften Stock des Königin-Olga-Baus. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, getagt wird in wechselnden Besetzungen. Kamerateams lungern herum, Journalisten versuchen, jeden noch so winzigen Gesprächsfetzen aufzufangen, wenn Mandatsträger – mal mit, mal ohne Fraktionszugehörigkeit – sich blicken lassen. Wie ein Gespenst schleicht dazu der 69-jährige Gedeon über die langen Flure. Trotz seines roten Sakkos sieht er noch bleicher aus als sonst und ziemlich mitgenommen.

Die beiden Hauptfiguren aber sind Meuthen und Petry. Die Sächsin ist am Dienstag aus Straßburg nach Stuttgart geeilt, um sich bis in den Abend hinein mit den Mandatsträgern der AfD-Restfraktion zu beraten. Dass Gedeon anschließend seinen Rückzug verkündet, verbucht die Co-Chefin der AfD im Bund als ihren persönlichen Erfolg, natürlich auch im Machtkampf mit Parteifeind Meuthen. Das Signal aus Stuttgart soll lauten: Petry hält die Partei zusammen - auch in schweren Zeiten. Und Meuthen spaltet.

Unsere Empfehlung für Sie