Altersgerechtes Wohnen Heute auch an morgen denken

Von Ingo Dalcolmo 

Die Nachfrage nach altersgerechten Wohnungen zum Kauf in den Städten steigt kontinuierlich. Die Immobilienwirtschaft hat sich längst auf die zahlungskräftige Klientel eingestellt.

Beim Erwerb einer Eigentumswohnung denken vieleKäufer auch an die Nutzbarkeit der Immobilie im Alter. Foto: Mierendorf
Beim Erwerb einer Eigentumswohnung denken viele Käufer auch an die Nutzbarkeit der Immobilie im Alter. Foto: Mierendorf

'Senioren wollen nicht als Senioren behandelt werden, sie wollen auch nicht nur mit Gleichaltrigen in einem Haus wohnen wie in einem Altenheim.' Julian Pflugfelder kennt seine Kunden. Seit etwa Mitte der 90er Jahre beschäftigt sich das Ludwigsburger Immobilienunternehmen Pflugfelder mit senioren­gerechtem Wohnen als Bauträger und als Makler. 'Unter altersgerecht verstehen wir Wohnungen, in die die Bewohner ebenerdig, also ohne Stufen, gelangen können oder die über bodentiefe Duschen ver­fügen'. Diese Erleichterungen für später haben auch Jüngere schon im Auge, wenn sie sich für eine Wohnung zum Kauf interessieren. Wer um die 40 Jahre ist und eine Wohnung kauft, plane auch schon für später, ist seine Erfahrung.

Vieles ist heute fast schon Standard

Vor einigen Jahren sei altersgerechtes oder auch barrierefreies Bauen noch etwas Besonderes gewesen. 'Heute gehört vieles fast schon zum Standard.' Wie zum Beispiel der Fahrstuhl. 'Wir bauen grundsätzlich nur noch mit Fahrstuhl. Im Prinzip bei jedem Mehrfamilienhaus', sagt Julian Pflugfelder. Das macht das Bauen nicht billiger und auch die Nebenkosten steigen durch einen Fahrstuhl. 'Aber ,ohne? ist eine Wohnung im dritten oder vierten Stock im Neubau heute nur noch schwer zu verkaufen', so der Immobilienexperte. Das spürt der Makler selbst im hippen Stuttgarter Westen. 'Wer eine Wohnung im fünften Stock eines Mehrfamilienhauses ohne Aufzug kaufen will, überlegt sich seine Entscheidung zweimal.' Derzeit sei aber die Nachfrage so groß, dass selbst diese Wohnungen relativ zügig verkauft werden, meint Julian Pflugfelder. Das liegt auch daran, dass gerade die ältere Generation, die sich vom Einfamilienhaus auf dem Lande in Richtung Stadt orientieren will, sich nicht mit Zwei-Zimmer-Bad zufriedengeben will.

Gesucht werden von dieser Klientel in der Regel Wohnungen mit 80 bis 100 Quadratmetern. 'Die Realität sieht aber anders aus.' Die meisten könnten die derzeit aufgerufenen Quadratmeterpreise bei den zum Kauf angebotenen Wohn­immobilien - ab 6000 Euro pro Quadrat­meter für eine Neubauwohnung - in der Landeshauptstadt nicht mehr bezahlen. 'Ab 600 000 Euro aufwärts wird das Eis einfach dünner.' Denn zu den Kunden des Maklers und Bauträgers in diesem Segment zählt vor allem der ganz normale Mittelstand zwischen 55 und 70 Jahren - teilweise vom Land, aber zunehmend auch aus den Stuttgarter Stadtteillagen, charakterisiert Pflugfelder seine Zielgruppe. Dass die Immobilienpreise in naher Zukunft fallen könnten, glaubt der Makler indes nicht. 'Solange die Grundstückspreise weiter steigen, ist die Spitze des Eisbergs noch nicht erreicht.' Zukunftsmusik hingegen ist noch das Smart Home, bei dem jeder Schritt der Senioren von Sensoren im Boden und in den Wänden überwacht wird. 'Wir experimentieren natürlich auch mit der einen oder anderen Technik', erläutert Pflugfelder.

Ohne Aufzug geht gar nicht

Seniorenwohnungen? - Auch bei der Wüstenrot Haus- und Städtebau gibt es keine speziellen Seniorenwohnungen. 'Wir berücksichtigen grundsätzlich bei allen Wohnbauprojekten das barrierefreie Bauen', betont auch Marc Bosch, bei dem Ludwigsburger Bauträger für den Vertrieb verantwortlich. 'Uns ist wichtig, dass die Grundrisse so geplant werden, dass die Bewohner auch im Alter noch in ihrer Wohnung bleiben können.' In den zurückliegenden drei bis vier Jahren würden sich die Käufer einer Wohnung vermehrt auch damit beschäftigen, wie funktional die Wohnung später noch ist. 'Die Standardfrage ist immer, ob sie einen Aufzug hat', bestätigt auch Marc Bosch, 'auch wenn sie noch nicht unbedingt ans Alter denken'. Die nachgefragte Wohnungsgröße variiert dabei zwischen 60 und 140 Quadratmetern. Wichtig sei auch der Tiefgaragenplatz. 'Es gibt nur wenige Ältere, die kein Auto mehr haben.' Wer sich im Alter für eine Wohnung interessiert, frage nach der Schwellenhöhe zwischen Wohnung und Balkon. 'Gerade älteren Leuten ist wichtig, möglichst ohne Stolperfallen auf den Balkon oder die Terrasse zu gelangen.'

Und wer als Kapitalanleger in eine Wohnung in der Stadt investiert, plant oft auch, später selbst einzuziehen, ist die Erfahrung von Marc Bosch. 'Natürlich muss die Lage passen', sagt Geschäftsführer Mike Schanta von der Paulus Wohnbau. Gesucht seien vor allem zen­trale Lagen in den Innenstädten. 'Rund um die Wohnung sollte alles gut erreichbar sein und nach Möglichkeit ebenerdig', fasst er zusammen. Das Pleidelsheimer Unternehmen hat sich im Seniorenbereich auf Bauprojekte mit einem integriertem Betreuungskonzept spezialisiert. Das Thema werde explizit nachgefragt. Deshalb lege man bei der Planung derartiger Quartiere großen Wert darauf, sie an den Bedürfnissen älterer Menschen zu orientieren. 'Senioren haben nun mal einen anderen Tagesablauf als junge Familien. Und einige wollen auch gar nicht in einer gemischten Wohnanlage leben', ist die Erfahrung des Geschäftsführers. Entscheidend sei aber das Nutzungs- und Betreuungs­konzept. Hier arbeite man meistens mit den Einrichtungen zusammen, die bereits am Ort etabliert sind. Doch die Buchung der Betreuung sei nur bei betreuten Seniorenwohnanlagen Pflicht.