Viele Großeltern legen ihren Enkeln bei der Geburt Geld an. Foto: KI/Midjourney//Montage: Ruckaberle
Kluge Sparanlagen für Enkel: Banken und Versicherungen werben für angeblich vorteilhafte Finanzprodukte zu Sonderkonditionen. Experten sind skeptisch, empfehlen eine langfristige Strategie und setzen auf Aktien-ETFs.
Gerhard Bläske
01.09.2025 - 06:00 Uhr
Wenn Großeltern ihren Enkeln etwas Gutes tun wollen, dann sollten sie möglichst schon bei der Geburt anfangen, Geld anzulegen. Dann bestehen die besten Aussichten, genug für den Erwerb des Führerscheins, einer Wohnung oder die Finanzierung der späteren Ausbildung oder eines Studiums in der Hinterhand zu haben.
Banken und Versicherungen werben mit einer schier unübersehbaren Vielzahl von angeblich vorteilhaften Finanzprodukten zu Sonderkonditionen um die Gunst der Anleger. Da gibt es etwa Ausbildungsversicherungen, Kinderpolicen und spezielle Prämien. Doch die Angebote halten oft nicht das, was sie versprechen.
Langfristig liegen Aktien vorn
Das gilt besonders für die einst so beliebten Sparbücher. Sie sind aus Sicht von Nadine Graf, Geldanlage-Expertin beim Geldratgeber Finanztip, keine gute Idee. Die Zinsen seien so gering, das nicht einmal die Inflation ausgeglichen werde. Im Fall eines Bausparvertrags fielen außerdem noch hohe Abschlusskosten an.
Allenfalls um regelmäßig kleine Beträge zu sparen, eignet sich aus Sicht Grafs ein Tagesgeldkonto – sozusagen als Sparkonto. Auch da besteht die Möglichkeit, ein Tagesgeldkonto bei einer Direktbank anzulegen. Diese Institute, die laut Niels Nauhauser, Finanzdienstleistungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, möglichst der deutschen Einlagensicherung unterliegen sollten, zahlen bessere Zinsen als normale Banken und Sparkassen auf Einlagen auf dem Girokonto.
Geldanlage-Expertin Nadine Graf rät vom Sparbuch ab. Foto: Helena Dörner
„Langfristig bringen günstige, weltweite Aktien-ETFs gegenüber Zinsanlagen wie Tagesgeld die höchste Rendite“, weiß Graf. Bei ETFs sind laut Finanztip langfristig etwa sechs Prozent jährliche Rendite drin. „Wir empfehlen für die langfristige Geldanlage für Kinder einen weltweiten Aktien-ETF, zum Beispiel auf den MSCI World, im Juniordepot zu besparen. Denn so kann das Kind für die Gewinne aus der Geldanlage seine eigenen Steuerfreibeträge nutzen. Wichtig: Investments an der Börse wie ein Aktien-ETF schwanken im Wert. Anlegende sollten deshalb ihre Anteile mindestens 15 Jahre halten, um zwischenzeitliche Schwankungen aussitzen zu können“, erläutert Graf.
Mit einem solchen Sparplan brauche es keine Versicherung oder einen Vertrag, so die Geldanlage-Expertin: „Ein Juniordepot können Eltern bei vielen Direktbanken ohne Depotführungsgebühr eröffnen. ETFs sind außerdem kostengünstig, was sie für die langfristige Geldanlage zu einer guten Wahl macht“, fügt sie hinzu. ETFs auf den Aktienindex MSCI World, der Indices weltweit abbildet, repräsentieren etwa 1400 Unternehmen aus einer großen Zahl von Ländern. Finanztip etwa hat einen ETF-Finder, der ETFs bei verschiedenen Depotanbietern nach Kosten und Rendite vergleicht.
Schnelle Depot-Eröffnung
Großeltern müssen jedoch wissen, dass sie vor der Anlage eines Junior-Depots auf den Namen ihrer Enkel mit den Eltern sprechen müssen. Sie haben dann zwar eine Vollmacht über das Depot, dürfen das Geld aber weder für den Unterhalt der Enkel noch für sich selbst ausgeben.
Die Depot-Eröffnung selbst ist einfach und schnell. Das geht auch online. Dazu braucht es einen Personalausweis, die Geburtsurkunde und die Steuer-ID des Kindes. Zusätzlich ist eine Legitimation per Videoanruf oder in einer Postfiliale nötig.
Schon mit niedrigen Beträgen möglich
Was die Art der Anlage angeht, gibt es verschiedene Modelle. Großeltern, die einen bestimmten Betrag zur Verfügung haben, können diesen entsprechend anlegen. Möglich ist es jedoch auch, regelmäßig Geld anzulegen. Das geht schon bei Beträgen ab 25 Euro monatlich.
Wer schon bei der Geburt des Enkelkindes beginnt, kann auch mögliche Schwankungen gut ausgleichen. Das Verfahren ist bequem. Es wird einfach ein Dauerauftrag eingerichtet.
Steuerliche Aspekte beachten
Wichtig ist auch, an die Schenkungssteuer zu denken. Großeltern können alle zehn Jahre bis zu 200 000 Euro steuerfrei an die Enkel übertragen. Vorsicht: Bei anderen Verwandtschaftsverhältnissen, etwa einer Übertragung an Nichten und Neffen, sind die Freibeträge niedriger. „Auch die Übertragung von Wertpapieren aus bestehenden Wertpapierdepots auf ein Junior-Depot (der sogenannte Gläubigerwechsel) ist möglich und innerhalb Deutschlands in der Regel kostenlos. Anders ist das bei Depots im Ausland. Hier müssen im Übrigen auch steuerliche Aspekte beachtet werden.
Finanzexperte Nauhauser ist von Goldsparplänen, die Institute anbieten, wenig überzeugt. Denn da sind sehr häufig hohe Provisionszahlungen und Verwaltungskosten fällig.
Beim Goldpreis gab es historisch gesehen häufig lange Phasen der Stagnation oder sogar mit Preisrückgängen. Als Geldanlage eignet sich Gold deshalb nicht unbedingt. Experten empfehlen Gold höchstens als Beimischung zu anderen Anlagen. Das kann etwa in Form von gängigen Münzen wie dem Krügerrand geschehen. Damit haben die Enkel auch physisch etwas „in der Hand“, was psychologisch von Bedeutung sein kann.
ETF Zum Thema ETF hat Niels Nauhauser für die Verbraucherzentrale gerade das Buch „ETF als Geldanlage und Altersvorsorge“ veröffentlicht (28 Euro, ISBN: 978-3-86336-421-2).
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