Altersvorsorge für junge Leute Vom ersten Gehalt zur soliden Geldanlage

Ein Auszubildender bei Airbus: ETFs sind besonders bei jungen Berufstätigen beliebt, weil sie eine kostengünstige Möglichkeit bieten, langfristig Vermögen aufzubauen. Foto: dpa

Der Start ins Berufsleben markiert auch den Start in die finanzielle Eigenverantwortung. Die wichtigsten Finanztipps für Berufseinsteiger.

Mit dem ersten Gehalt beginnt für Berufsstarter ein neuer Lebensabschnitt – und die erste echte Verantwortung für das eigene Geld. „Damit hat man die Chance, früh die richtigen Weichen zu stellen“, sagt Jennifer Radke, Finanzexpertin bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Entscheidend ist, die eigenen Möglichkeiten zu kennen, Schritt für Schritt vorzugehen und einen soliden Grundstein zu legen.“ Ob Tagesgeldkonto, ein Bausparvertrag oder ein ETF-Sparplan – der richtige Mix macht den Unterschied.

 

Jungen Leuten fehlt oft da Finanzwissen

Doch der Start in die finanzielle Eigenverantwortung ist auch von Unsicherheit geprägt: Nur jeder zweite Unter-30-Jährige fühlt sich im Umgang mit den eigenen Finanzen sicher, zeigt eine aktuelle Studie des Verbands der privaten Bausparkassen. Vielen jungen Leuten fehle es auch deshalb an Finanzwissen, weil die finanzielle Bildung im Schulunterricht keine Rolle spiele, kritisiert Heiko Hauser, Geschäftsführer der Finanzberatungsgruppe Plansecur. Er regt daher an, Finanzbildung als Unterrichtsfach in der Schule aufzunehmen. „Wem grundlegende Finanzkenntnisse fehlen, lässt sich allzu leicht auf teure Verbraucherkredite oder unsinnige Consumer-Versicherungen ein oder fällt gar Krypto-Betrügern zum Opfer“, warnt der Finanzexperte. Gleichzeitig nehme die notwendige private Altersvorsorge keinen Raum ein. Immerhin: Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge legen zwei Drittel der jungen Menschen Geld für konkrete Ziele zurück – das ist so viel wie schon lange nicht mehr.

Der wichtige erste Schritt beim Umgang mit dem eigenen Geld ist es, sich einen Überblick verschaffen. Welche Einnahmen stehen monatlich zur Verfügung? Welche Ausgaben fallen regelmäßig an? Ein Haushaltsbuch – ob klassisch mit Stift und Papier oder digital per App – ist dabei ein hilfreiches Tool. Es schafft Transparenz über das monatliche Budget und erleichtert die Gegenüberstellung von fixen und variablen Kosten, etwa Miete oder Versicherungen im Vergleich zu Ausgaben für Freizeit oder Einkäufe. Dadurch wird der eigene finanzielle Spielraum sichtbar.

Wer eine einfache Orientierung sucht, kann sich an der 50-30-20-Regel orientieren: „Das Nettoeinkommen lässt sich idealerweise in 50 Prozent für Fixkosten, 30 Prozent für persönliche Wünsche und 20 Prozent für Sparziele aufteilen“, erklärt Schwäbisch Hall-Finanzexpertin Radke.

Auch ein qualifizierter Finanzberater kann hilfreich sein. „Gute Beratung ist ganzheitlich und transparent“, erklärt Jennifer Radke. „Sie berücksichtigt alle Lebensbereiche – vom Vermögensaufbau über die Altersvorsorge bis hin zur möglichen Baufinanzierung. Dabei stehen immer die individuellen Bedürfnisse im Mittelpunkt.“ Der Schlüssel liegt im frühen Einstieg: Je eher man sich mit finanziellen Themen auseinandersetzt, desto gezielter lassen sich langfristige Ziele planen und erreichen.

Bevor man sich für Anlageprodukte entscheidet, gilt es jedoch, Rücklagen zu bilden. Denn unerwartete Kosten können jederzeit auftreten – sei es eine kaputte Waschmaschine oder eine dringende Autoreparatur. Um in solchen Fällen finanziell handlungsfähig zu bleiben, lohnt sich ein Tagesgeldkonto als einfacher und sicherer Einstieg ins Sparen.

Diese Versicherungen sind ein Muss

Das Tagesgeldkonto bietet tägliche Verfügbarkeit, unterliegt keinem Kursrisiko und ist durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt – und es gibt zumindest in geringem Umfang auch Zinsen. „Als Orientierung gilt: Ein Puffer von zwei bis drei Monatsgehältern ist meist sinnvoll, um unerwartete Ausgaben jederzeit abfedern zu können“, rät Radke.

Doch nicht alle finanziellen Risiken lassen sich weg sparen – gegen manche Risiken muss man sich auch versichern. Einige Versicherungen sind dabei unerlässlich: Die Krankenversicherung – gesetzlich oder privat – ist Pflicht. Eine private Haftpflichtversicherung schützt vor den finanziellen Folgen, wenn man anderen einen Schaden zufügt. Ebenfalls wichtig: die Berufsunfähigkeitsversicherung, die das Einkommen sichert, falls man längere Zeit krankheitsbedingt nicht arbeiten kann.

Auch mit Blick auf einen möglichen Erwerb von Wohneigentum sollte man frühzeitig mit der finanziellen Planung beginnen. „Der Wunsch nach einem eigenen Zuhause ist weit verbreitet – und lässt sich mit dem richtigen Plan realisieren“, betont Schwäbisch Hall-Expertin Radke. „Entscheidend ist: möglichst früh anfangen.“ So könne man sich beispielsweise mit einem Bausparvertrag günstige Zinsen für ein späteres Bauspardarlehen sichern und damit Planungssicherheit für ein langfristiges Vorhaben schaffen. Zusätzliche Unterstützung gibt es vom Staat, etwa durch die Wohnungsbauprämie, die Arbeitnehmersparzulage oder die Riester-Förderung – letztere ist vor allem für junge Familien mit Kindern interessant.

Zudem können vermögenswirksame Leistungen, die viele Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt zahlen, ein wichtiger Baustein für den Vermögensaufbau sein. Diese Zusatzleistung kann direkt in einen Bausparvertrag oder einen Fonds- oder ETF-Sparplan eingezahlt werden. ETFs sind besonders bei jungen Berufstätigen beliebt – und das aus gutem Grund: Sie bieten eine einfache, kostengünstige Möglichkeit, langfristig Vermögen aufzubauen. Dank breiter Streuung investieren Anleger nicht in einzelne Aktien, sondern in ganze Märkte oder Indizes.

Schon mit 25 Euro im Monat kann ein ETF-Sparplan gestartet werden – ideal für alle, die früh und flexibel mit dem Investieren beginnen wollen. Dabei gilt: Schwankungen gehören dazu. Ein ETF-Sparplan ist keine kurzfristige Lösung, sondern auf langfristiges Wachstum ausgelegt. „Ein ETF-Sparplan ersetzt nicht den Notgroschen, ergänzt ihn aber sinnvoll als Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau“, erklärt Radke.

Wer im Alter seinen Lebensstandard halten will, muss selbst vorsorgen

Eine wichtige Rolle bei der Finanzplanung spielt zudem schon in jungen Jahren die Vorsorge für das Alter. „Schon heute liegt das Rentenniveau bei unter 48 Prozent, und nach aktuellen Prognosen wird es weiter sinken“, mahnt Plansecur-Geschäftsführer Hauser. Wer im Alter seinen Lebensstandard halten wolle, müsse selbst vorsorgen. „Für die Generationen X, Y und Z sieht es bei der staatlichen Rente eher düster aus“, sagt Hauser. „Sie sind gut beraten, sich in so jungen Jahren wie möglich um eine selbst finanzierte Altersvorsorge zu kümmern.“

Auch mit kleinem Geldbeutel ist es dabei durchaus möglich, fürs Alter vorzusorgen – zumindest, wenn man entsprechend früh mit dem Sparen anfängt, sagt René Wördemann, Vorsorgeexperte der Ergo Vorsorge Lebensversicherung. „Grundsätzlich gilt: Je früher die Menschen anfangen zu sparen, desto stärker können sie vom Zinseszins-Effekt profitieren“, so der Vorsorgeexperte. „Außerdem können sie über einen längeren Zeitraum insgesamt flexibler agieren.“ Eine fundierte Planung sei dabei das A und O, um später finanziell abgesichert zu sein. Wichtig ist es bei der Auswahl von Vorsorgeprodukten, auch auf Flexibilität zu achten. Hinzu kommen die heute immer vielfältigeren Erwerbsbiografien mit Umorientierungen und Neuausrichtungen. „Es sollte beispielsweise jederzeit möglich sein, Beiträge zu erhöhen, zu reduzieren oder auch auszusetzen“, rät Wördemann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Finanzplanung ist die Absicherung der Liebsten für den Ernstfall. Sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, ist kein angenehmes Thema. Trotzdem: „Damit Angehörige finanziell abgesichert sind, kann eine Risikolebensversicherung sinnvoll sein“, weiß Wördemann. „Sie zahlt im Todesfall eine feste Summe an die Hinterbliebenen.“ Den Betrag können sie dann beispielsweise für die laufenden Lebenshaltungskosten, das Studium der Kinder oder zur Kreditabzahlung nutzen. Das nimmt in schwierigen Zeiten wenigstens die Sorge vor finanziellen Engpässen. Der Vorsorgeexperte rät vor allem Ehepartnern sowie Familien mit Kindern, sich auf diese Weise gegen existenzbedrohende Risiken abzusichern.

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